Trainer-Abgang war Schock TSV 1860: Zeugnisse für die Löwen-Bosse - Ohne Bierofka läuft's auch!

Bringen die Löwen gemeinsam zurück auf Erfolgskurs: Coach Michael Köllner (l.) und Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel. Foto: sampics/Augenklick

Der Abschied der Klub-Ikone ist für den TSV 1860 ein Schock. Sein Nachfolger Michael Köllner macht den aber schnell vergessen. Vor allem als Krisenmanager ist Günther Gorenzel gefragt. Die Noten für die Bosse.

 

München - Der 5. November 2019 war ein Tag, an dem die Welt der Löwen unterzugehen schien: Daniel Bierofka, Spieler, Trainer und Vereins-Ikone, warf als ausgebrannter Löwen-Dompteur die Brocken hin. Was sollte Sport-Boss Günther Gorenzel tun? Er zauberte Michael Köllner aus dem Hut – ein Griff, der eine historische Rückrunden-Serie zur Folge haben sollte.

Der TSV 1860 beendete eine turbulente und einzigartige Saison 2019/20 letzten Endes mit 58 Punkten auf Rang acht im Tabellenmittelfeld der Dritten Liga. Das Saisonziel einer sorgenfreien Spielzeit konnte der TSV dabei – zumindest in sportlicher Hinsicht – frühzeitig erreichen. Der Abgang Bierofkas stellte aber einen traurigen Meilenstein der andauernden Machtkämpfe zwischen den Vereinsbossen und Investor Hasan Ismaik dar.

Köllner: Nachfolger von Bierofka erhält Note 2

Biero-Nachfolger Köllner schaffte es dennoch, die Sechzger durch eine sensationelle Aufholjagd fast noch in die Relegation zu führen. Die AZ vergibt im vierten und letzten Teil der Zeugnisse Noten für die sportliche Leitung der Löwen.

Daniel Bierofka, Note 3: Was dieser Mann für seinen Herzensverein geleistet hat, ist nur schwer in Worte zu fassen. Beschränkt man sich auf die vergangene Spielzeit, so hat Baumeister Bierofka, der nach dem Absturz in die Regionalliga eine aufstiegsreife und charakterstarke Truppe entwickelte, dieses Team weiter geformt. Dass 1860 Aaron Berzel, Prince Owusu und vor allem auch Tim Rieder doch noch verpflichten konnte, ging ebenfalls auf das Konto des Ex-Bundesligaspielers, der an allen Fronten für 1860 kämpfte. In der Tabelle rangierte 1860 bei Bierofkas Abgang mit fünf Siegen, zwei Remis und sieben Pleiten und damit 17 Punkten nur auf Rang 15. Interne Machtspielchen sorgten letzten Endes dafür, dass Bierofka ausgebrannt aufgeben musste.

Michael Köllner, Note 2: Als Nürnberger Aufstiegstrainer hatte sich der frühere DFB-Nachwuchstrainer einen Namen gemacht. Bei 1860 fing der Oberpfälzer mit seiner positiven, sympathischen und mitreißenden Art sowohl die Mannschaft als auch das Umfeld und selbst die größten Bierofka-Vertrauten wie Sascha Mölders ein. Der gläubige Christ baute auf Know-how, Kommunikation und Nächstenliebe, wo zuvor durch Bierofkas letztlich zu große Verbissenheit viel negative Energie herumschwirrte. Ganz nebenbei legte Köllner trotz eines schweren Auftakts mit dem Derby-Doppel gegen den FC Bayern II (1:1) und die SpVgg Unterhaching (3:2) eine grandiose Serie hin: Der TSV blieb 16 Spiele in Folge ungeschlagen, 14 davon gingen auf Köllners Kappe – zu diesem Zeitpunkt der längste Lauf im deutschen Profifußball. Aufgeben gibt’s nicht bei Köllner, der lautstark und mit fortschrittlichen Methoden (per Headset mit seinen Co-Trainern verbunden) bis in die Nachspielzeit pushte.

Der Lohn: Last-Minute-Siege wie gegen Haching, gegen Chemnitz (4:3) und Aufstiegsträume bis zum Schluss. Als Taktikfuchs, der mehrere Bücher verfasste, brachte er etwa Mölders und Stefan Lex durch das 4-4-2-System mit Mittelfeld-Raute ganz vorne gut zur Geltung. Er formte Youngster wie Dennis Dressel, Fabian Greilinger und Noel Niemann.

Aber: Der ganz große Wurf gelang ihm nicht. Er traute sich zwar, unpopuläre Entscheidungen zu treffen oder die genannten Junglöwen reinzuwerfen. Es gesellte sich allerdings auch die ein oder andere unverständliche Maßnahme dazu, wie etwa Alphalöwe Mölders gegen Rostock nach abgesessener Gelb-Sperre draußen zu lassen und im Saisonfinale gegen Ingolstadt (0:2) auf seine besten Fußballer Efkan Bekiroglu und Stefan Lex in der Startelf zu verzichten. Unter dem Strich kratzt Köllner damit an der Eins.

Auch Gorenzel bekommt ein "gut"

Günther Gorenzel, Note 2: "Zwei Dinge waren mir klar: Wir brauchen eine schnelle Lösung und wir brauchen eine überzeugende Lösung", sagte Gorenzel über die Nachfolge Bierofkas, mit dem er am Ende selbst so seine Probleme hatte.

Der Österreicher hätte vermutlich keine bessere Soforthilfe präsentieren können als Köllner. Gorenzel überzeugte auch durch seine wohl größte Stärke: authentische und transparente Kommunikation, die inmitten eines teils explosiven Umfelds zur Versachlichung vieler interner und auch öffentlicher Diskussionen führte. Nun muss der 48-Jährige allerdings noch eines unter Beweis stellen: sein Verhandlungsgeschick in der Corona-Krise.

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