Was Söder von ihm erwartet Horst Seehofer: Er macht noch mal den Libero

Sie wollen es als Zugpferde der CSU bei der Bundestags- und Landtagswahl richten: Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Parteichef Horst Seehofer. Foto: Sven Hoppe/dpa

Jetzt ist es offiziell: Horst Seehofer bleibt CSU-Chef und tritt auch 2018 bei der Landtagswahl an. Joachim Herrmann wird Spitzenkandidat für die Bundestagswahl.

 

Glaubt man dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, dann stand die Entscheidung, ob er sich noch einmal um den CSU-Vorsitz und den Posten des Regierungschefs bewirbt, Spitz auf Knopf. Die Entscheidung sei erst am vergangenen Sonntagabend gefallen, in Zweisamkeit mit Ehefrau Karin, sagte Seehofer gestern nach der CSU-Vorstandssitzung in München. Und sie sei knapp ausgegangen: "51 zu 49 Prozent". Ob man ihm glaube oder nicht, es sei so gewesen, beteuerte der 67-jährige.

In der Sitzung sei die Freude über Seehofers Angebot, sich erneut um beide Spitzenämter zu bewerben, "einhellig" gewesen, so der Parteichef. Zuvor hatte ihm sogar sein Finanzminister und Nichtwunschnachfolger Markus Söder "ehrliche Unterstützung" zugesichert.

Sein Innenminister Joachim Herrmann wiederum erklärte sich einverstanden, an der Spitze der CSU-Liste für die Bundestagswahl in genau fünf Monaten zu kandidieren und gegebenenfalls "in Berlin Verantwortung zu übernehmen".

Auch das war erwartet worden und ein weiterer Grund für Seehofer, sich gestern "zu den fröhlichen Menschen in Bayern" zu rechnen. "Diesmal", freute sich Seehofer, habe Herrmann "nicht Nein gesagt" und spielte damit auf dessen Weigerung vor sechs Jahren an, nach Berlin zu gehen. 2011 hatte der Franke einen Wechsel noch aus familiären Gründen ausgeschlossen. Es sei auch diesmal nicht ganz einfach gewesen, Herrmann von Berlin zu überzeugen, sagte Seehofer.

Dennoch war der CSU-Chef voll des Lobes über seinen Innenminister: "Er steht für eine vernünftige Zuwanderungspolitik, die sich zusammensetzt aus Humanität, Integration und Begrenzung." Herrmann habe selbst "die schwierigsten Situationen mit einer Ruhe, aber auch mit seiner Erfahrung und seiner Kompetenz gemeistert".

Seehofers Gesundheit spielt mit: "Ich bin fit, vor allem im Kopf"

Der so gepriesene CSU-Innenminister kündigte klare Kante bei seinem Lieblingsthema an. Dem "Recht auf Sicherheit" made in Bavaria wolle er in ganz Deutschland Geltung verschaffen, so der 60-Jährige. Selbstbewusst sagte er: "Jetzt ziehen wir in die Schlacht."

Seit 2013 hatte Seehofer mehrmals angekündigt, mit der Landtagswahl 2018 seine Ämter abgeben zu wollen, den Parteivorsitz schon früher. Er könnte "nicht ewig den Libero machen", hatte er gesagt. Diese Aussage, gestand der CSU-Chef jetzt ein, "gehört nicht zu den klügsten meiner politischen Karriere".

Die damit ausgelöste Nachfolgediskussion habe er selbst zu verantworten, bekannte Seehofer.

Mit dem gestrigen Montag aber sei der "von mir selbst verursachte Fehler" ausgeräumt worden. Auf eine Zeitangabe, wann er nunmehr abzutreten gedenke, werde man folglich vergebens warten: "Man lernt nicht aus – auch nicht nach Erreichen der Altersgrenze". Seinen Parteifreunden verbot Seehofer Personaldebatten über die künftige Besetzung von Landes- und Bundesinnenministerium.

Alle Voraussetzungen, die er selbst für ein Weitermachen aufgestellt hatte, habe er positiv beantwortet, auch die nach einer stabilen Gesundheit, erklärte Seehofer. Die Untersuchung habe ergeben, dass er körperlich in der Lage sei, "beide Ämter zu erfüllen" und dass er fit sei, "vor allem im Kopf", versicherte er.

Und so habe er entschieden, "das Erfolgsmodell Bayern weiter zu führen". Er könne "dem Land noch etwas dienen", so der CSU-Chef.

Die dafür nötige Leidenschaft dafür habe er auch nach 37 Jahren als Berufspolitiker noch: "Die hat mich keinen Tag losgelassen."

Söder erwartet von ihm "absolute Mehrheit"

Markus Söder hat hohe Erwartungen: "Natürlich geht es in Bayern darum, die absolute Mehrheit zu verteidigen, das ist das oberste Ziel", sagte der bayerische Finanzminister am Montagabend im ZDF-"heute-journal". Dazu brauche man "die optimale Aufstellung", die Partei müsse "auf jeder Positionen optimal besetzt zu sein".

Gefragt, ob ihm Seehofers einstige Vorwürfe noch nachgingen, charakterlich ungeeignet zu sein als Nachfolger, wehrte Söder ab. Er wolle Seehofer "ehrlich" unterstützen. "Man muss nicht laufend zusammen in Urlaub fahren. Man muss dann, wenn es wichtig ist, erfolgreich gemeinsam arbeiten und das tun wir in Bayern. Das tun auch Horst Seehofer und ich." Es sei gut, dass man mit der Entscheidung Seehofers jetzt Klarheit habe.

Weitere politische Stimmen - "Er ist das stärkste Kaliber der CSU"

Von Edmund Stoiber bis zur Opposition – die Reaktionen auf Seehofers Entscheidung:

Natascha Kohnen (SPD), Landes-Generalsekretärin:
"Darin unterscheidet sich die SPD in Bayern: Wir befragen unsere Mitglieder, wer die Sozialdemokratie in die Zukunft führen soll. Das empfehle ich auch der CSU. So vermeidet Horst Seehofer den Anschein, von einer Kungelrunde alter Männer erneut zum
Parteichef und Spitzenkandidaten bestimmt worden zu sein."

Katharina Schulze (Grüne), Fraktionschefin im Landtag:
"Bayern braucht neue Impulse und frische Ideen statt noch mehr Seehofer. Als CSU-Chef hat sich Seehofer von der AfD in eine rückwärts-gewandte Politik hineintreiben lassen. Er steht für Abschottung nach außen und gegen Integration im Innern. Seehofer ist ein Kandidat des Gestern und der alten CSU."

Peter Tauber, CDU-Generalsekretär:
"Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und einen erfolgreichen Wahlkampf."

Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler:
"Horst Seehofer macht zu sehr Politik von der Hand in den Mund und reagiert nur auf aktuelle Brandherde. Es  fehlt an eigenen Initiativen unter seiner Führung."

Manfred Weber, CSU-Vize und EVP-Chef:
"Ich finde es gut, dass Horst Seehofer weitermacht. Er ist ein exzellenter Ministerpräsident. Ich bin überzeugt, dass die Bevölkerung und die Basis das auch so sehen."

Edmund Stoiber, CSU-Ehrenvorsitzender:
"Horst Seehofer ist CSU-Zugpferd und das stärkste Kaliber. Seine erneute Kandidatur ist mehr als eine ausgezeichnete Lösung."

Thomas Kreuzer (CSU), Chef der Landtagsfraktion:
"Man soll kein erfolgreiches Pferd wechseln, wenn es nicht sein muss."

Wolfgang Heubisch (FDP), Ex-Wissenschaftsminister:
"Horst Seehofer ist ein beliebter Landesvater mit großem Amtsbonus. Dennoch glaube ich, dass es ihm nicht gelingen wird, die absolute Mehrheit zu verteidigen. Seehofer hat mit seinem Zickzack-Kurs Popularität in Bayern eingebüßt. Vor allem die Wirtschaft und der Mittelstand wünschen sich mehr Unterstützung."

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