Causa Ribéry kein Einzelfall Filmreife Skandale: FC Hollywood ist wieder da

Fast wie in den Neunzigern: Der FC Bayern verkommt zum FC Hollywood – dank solcher Protagonisten wie Präsident Uli Hoeneß und Franck Ribéry. Foto: AZ-Montage, dpa

Von Franck Ribérys Steak-Affäre bis zum Krawall-Auftritt von Hoeneß: Der FC Bayern sorgt in dieser Saison vor allem mit seinen filmreifen Skandalen abseits des Platzes für Schlagzeilen – wie in den Neunzigern.

München - In den Neunzigern war auf den Unterhaltungsbetrieb FC Bayern stets Verlass. Der Klub sorgte derart regelmäßig für Schmunzler, Skandälchen und Skandale, dass man irgendwann ins Grübeln geraten musste: Lag die Säbener Straße nun wirklich in München – oder nicht doch in der US-Metropole Los Angeles?

Der "FC Hollywood" war geboren, ein Verein, der oft von der Fußball- in die Filmindustrie abdriftete. Mit einem Präsidenten Franz Beckenbauer, der als Co-Kommentator live im Fernsehen Mannschaft und Trainer auseinandernahm, mit Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann, die sich öffentlich zerfleischten, mit der Suspendierung Mario Baslers nach der Pizzeria-Affäre – und mit Giovanni Trapattonis legendärer Flasche-leer-Rede. Filmreif war das.

FC Bayern bestimmt etwas andere Schlagzeilen

25 Jahre später nähert sich der Verein dem wieder an. Klar ist: So turbulent und skandalös wie in dieser Saison ging es lange nicht mehr zu. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. Denn der Social-Media-Ausraster von Goldsteak-Fan Franck Ribéry ist ja kein Einzelfall in dieser Spielzeit. Das Jahr 2019 setzt sich genauso fort, wie 2018 endete: Bayern bestimmt die Schlagzeilen – aber nicht mit sportlichen Glanzleistungen.


Am Montag fragte die AZ bei Kapitän Manuel Neuer nach, warum derzeit so viel Unruhe herrscht bei den Münchnern. "Ich finde nicht, dass es unruhiger ist, als es in anderen Jahren der Fall war", sagte Neuer beim Pressetalk im Teamhotel in Doha: "Es gibt immer Situationen, in denen man mehr Ruhe hat und welche, in denen es unruhiger ist. Das ist ganz normal im Fußball. Emotionen gehören zu dem Geschäft dazu." 

Auf die Frage, ob er als Kapitän seinem Kollegen Ribéry denn mal die Meinung gesagt habe, antwortete Neuer: "So kann man es nicht sagen. Ich finde, das ist kein Thema." Das "Entscheidende" sei, "was er für die Mannschaft macht", erklärte Neuer. Und Ribérys Leistung sei gut. (Lesen Sie hier: Karriereende beim FC Bayern? Manuel Neuer gibt sich kryptisch)

FC Bayern: Es geht chaotisch zu

Die Bayern versuchen, das Thema so klein wie möglich zu halten. Doch am Eindruck der Chaos-Saison ändert das nichts. Erst kurz vor Weihnachten hatte Kingsley Coman seinen Luxus-Wagen in die Leitplanke gesetzt, einen 720 PS starken McLaren, mit dem der Franzose zuvor auf Instagram posiert hatte.

Im November war Ribéry gegen einen Journalisten handgreiflich geworden, und an Halloween kam Rafinha verkleidet als Bombenleger zur Bayern-Party.

Nicht zu vergessen: Der Instagram-Post von Lisa Müller, in dem die Spielerfrau über Trainer Niko Kovac lästerte, das Ärgernis, dass über Wochen Interna nach außen durchgesteckt wurden – dazu natürlich die Krawall-Pressekonferenz der Führungsriege und die Jahreshauptversammlung mit Attacken auf Präsident Uli Hoeneß.

Franck Ribéry: "Wir halten zusammen"

Der Klub wirkt nervös, man scheint auch nicht genau zu wissen, wie man mit den Grenzüberschreitungen seiner Stars umgehen soll. Vielleicht fehlt Bayern eine Autoritätsperson, wie sie bis 2016 Matthias Sammer darstellte. In dieser Zeit, der Ära von Sammer und Pep Guardiola, ging es zumindest ein bisschen geordneter zu bei den Bayern. (Lesen Sie hier: AZ-Kommentar zur Causa Ribéry)

Das Quartett Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic und Niko Kovac hat in dieser Saison nicht für Ruhe sorgen können – auch und gerade nicht im Fall Ribéry. Der Franzose, der zuletzt wiederholt für Aufregung sorgte, dürfte angesichts seines zweistelligen Millionen-Gehalts über die "sehr hohe Geldstrafe" (Salihamidzic) für seinen unflätigen Rundumschlag nur lächeln.


In Doha postete er nun schon wieder einen Beitrag, wie er fröhlich beim Friseur sitzt, Musik hört und seine Fans grüßt. "Wir halten zusammen", ließ der Bayern-Star verlauten, und: "Macht euch keine Sorgen, es geht mir gut." 

Der Wunsch von Thomas Müller klang da schon sehr optimistisch. "Wir wollen wieder sportliche Themen in den Vordergrund stellen", sagte er. Doch in dieser Saison sind die Bayern eher wieder der FC Hollywood.

 

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