AZ exklusiv Karl-Heinz Rummenigge: DFB-Ausbootung bringt Unruhe zum FC Bayern

, aktualisiert am 07.03.2019 - 06:34 Uhr
Vorstandsvorsitzender des FC Bayern: Karl-Heinz Rummenigge Foto: firo/Augenklick

Exklusiv in der AZ reagiert Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern auf die Ausbootung von Müller, Hummels und Boateng. "Der Bundestrainer hat damit eine große persönliche Verantwortung übernommen", meint der ehemalige Torjäger.

 

München - Karl-Heinz Rummenigge war als einer der ersten informiert und ganz nah dran, als die Entscheidung von Joachim Löw übermittelt wurde. Auf dem Flur in der Vorstandsetage des FC Bayern an der Säbener Straße teilte der Bundestrainer dem Vorstandsboss am Dienstag mit, dass es für die drei Bayern-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng keine Zukunft im Nationalteam geben wird – zumindest nicht unter ihm, unter Löw. Das erläuterte er auch dem Trio – in kurzen Gesprächen. Ein Vorgehen, das die Führungskräfte des FC Bayern durchaus verärgerte.

"Wir hatten keine Kenntnis davon und waren wie alle sehr überrascht", sagte Rummenigge am Mittwoch im Gespräch mit der AZ: "Ich möchte das sportlich gar nicht bewerten, das fällt exklusiv in den Verantwortungsbereich des Bundestrainers. Aber ich bedauere das natürlich für unsere Spieler. Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng haben zusammen fast 250 Länderspiele bestritten, eine Dekade der Nationalmannschaft geprägt. Sie sind immer voranmarschiert. Mit der Krönung WM-Titel 2014."

Rummenigge: Ausgebootete Bayern-Stars zählen nicht zum alten Eisen

Das Unverständnis über die Ausbootung ist Rummenigge anzumerken. Löw habe sich offensichtlich dazu entschieden, "den Umbruch im radikalen Stil zu vollziehen", ergänzte Bayerns Vorstandsboss: "Unsere drei Spieler sind ja nicht gerade das, was ich als altes Eisen bezeichnen würde. Die beiden Innenverteidiger sind 30, Thomas ist 29. Aber Löw hat sich dazu entschlossen, das gilt es, zu akzeptieren, zu respektieren, auch wenn es einem nicht gefällt."

In einer gemeinsamen Erklärung des FC Bayern bezeichneten Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic "den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe dieser Entscheidung an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig". Man sei "irritiert". Im ZDF fügte er hinzu: "Das bringt ein Stück Unruhe in den ganzen Klub." Die "Stilfrage" müsse jeder für sich selbst beantworten.

In der AZ erklärte Rummenigge dazu: "Das letzte Länderspiel war im November. Jetzt sind wir im März. Ab Samstag haben wir eine sehr wichtige, wegweisende Woche vor uns mit dem Spiel gegen Wolfsburg, dann gegen Liverpool und Mainz am Sonntag. Da geht es um wahnsinnig viel." Er sei aber sicher, so Rummenigge weiter, "Thomas, Mats und Jérome werden sich von dieser Entscheidung nicht irritieren lassen. Ich denke vielmehr, dass es eine Woche wird, in der unsere drei Spieler zeigen werden, welche Qualität in ihnen steckt."

Löw hat "eine große persönliche Verantwortung übernommen"

Ob Müller, Hummels und Boateng eine Trotzreaktion gelingt? Bundestrainer Löw sieht Rummenigge nach dem Rauswurf dreier erfahrener Nationalspieler nun jedenfalls unter Druck. Löw habe "damit eine große persönliche Verantwortung übernommen", sagte Rummenigge weiter: "Denn von Fußball-Deutschland wird jetzt erwartet, dass die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020, die ja auch in München stattfindet, gelingt. Und dass die deutsche Mannschaft wieder den attraktiven Fußball zeigt, den man in den vergangenen zehn Jahren genießen durfte."

Die traurigen Bayern-Stars ließen sich am Mittwoch übrigens von ihren Liebsten aufmuntern. Boatengs Patenkind Mayla sagte in einem Clip, den der Verteidiger bei Instagram veröffentlichte: "Kopf hoch! Die sind doch balla-balla." Boateng kommentierte: "Danke, dass Du meinen Tag aufhellst, Mayla." Hummels stellte ein Foto von sich und Sohn Ludwig bei Instagram online. Über den einjährigen Bub schrieb er das Wort "Aufmunterer" und stellte ein Herzchen-Smiley dazu.

Müller äußerte sich erst am Mittwochabend auf Twitter – auch Serge Gnabry meldete sich zu Wort. "Ich war genauso überrascht wie viele andere im ganzen Land. Es war natürlich ein Rückschlag für die drei Spieler, das ist klar. Nichtsdestotrotz muss man das akzeptieren. Die Jungs haben im Training wieder Gas gegeben, ihre Karrieren gehen weiter." Auf eine erfolgreiche Fortsetzung im Bayern-Dress hofft nun auch ihr Boss: Rummenigge.

AZ-Kommentar: Boss-Kritik an Bundestrainer Löw - Bravo, Bayern!

 

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