AZ-Bilanz für den Coach 100 Tage Hansi Flick: So viel hat der Trainer beim FC Bayern bewirkt

Positive Bilanz: Cheftrainer Hansi Flick hat den FC Bayern wieder an die Spitze der Bundesliga geführt. Foto: Sven Hoppe/dpa

Seit genau 100 Tagen ist Hansi Flick nun Cheftrainer beim FC Bayern. Er hat viel Positives bewirkt, aber auch noch einige Dinge zu verbessern – das zeigt die Nullnummer gegen Leipzig. Eine Bilanz der AZ.

 

München - In der Nacht zu Montag wird Leon Goretzka ziemlich schlecht geschlafen haben. Zum einen, weil Orkantief Sabine an den Fenstern gerüttelt hat, und zum anderen, weil die Gedanken an die Großchance im Topspiel immer wieder in seinem Kopf angeklopft haben werden. Beim 0:0 zwischen Meister FC Bayern und RB Leipzig kam der Bayern-Profi frei vor Leipzigs Torwart Peter Gulacsi zum Schuss – gehalten.

"Es tut mir leid für die Mannschaft", grämte sich Goretzka, "normal mache ich den rein. Dann gehst du mit einem 1:0 nach Hause und die Gesichter sehen ein bisschen fröhlicher aus". Im Rahmen der gedanklichen Aufräumarbeiten dieser Partie sprach Thomas Müller: "Wir haben es verpasst, aus diesem Spiel unser Spiel zu machen, konnten nicht so über unseren Schatten springen." Den Schatten der Vergangenheit, den der Ära Niko Kovac? Im Titel-Duell mit Herbstmeister Leipzig waren im Spiel der Bayern Restspuren ihrer früheren Spielweise enthalten, nämlich das zurückhaltende Element und das Motto "Safety first" – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da Hansi Flick am Dienstag genau 100 Tage im Amt sein wird. Zeit für eine Schaffensbilanz des 54-Jährigen in der AZ:

Was hat Flick bewegen können? Als er am 4. November, zwei Tage nach dem verheerenden 1:5 der Bayern bei Eintracht Frankfurt von Kovacs Co-Trainer zum Chefcoach aufstieg, brachte er den Optimismus zurück, ging in vielen Gesprächen auf die Spieler ein. Für Bayern war es der Aufbruch in eine bessere Zukunft, vor allem spielerisch. Flicks Credo: "Wir müssen nach vorne verteidigen und auch mit Ball die Qualität zeigen, die in uns steckt." Er propagiert selbstbewussten Dominanzfußball, das hatte die Mannschaft unter Kovac vermisst.

Der Kroate hatte sein Konzept zu oft dem System des Gegners angepasst. Das Ergebnis: Die Bayern wurden wieder die Bayern, Flick vom Zwei-Spiele-Interims-Coach zum Trainer bis Weihnachten und schließlich bis Saisonende bestimmt. Bei (weiter anhaltendem) Erfolg wird eine Zusammenarbeit darüber hinaus immer wahrscheinlicher.

Wie sieht Flicks Bilanz aus? Die Leipzig-Partie hat gezeigt: Der Mann kann auch Unentschieden! Und das im 15. Pflichtspiel. Zwölf Spiele wurden gewonnen, nur gegen Leverkusen und Gladbach verlor man jeweils 1:2 – trotz Überlegenheit. Darüber hinaus hat Flick die Renaissance von Thomas Müller bewirkt, der in elf Bundesliga-Spielen unter ihm an 13 Treffern beteiligt war. David Alaba gibt einen souveränen Abwehrchef, Thiago hat sich deutlich gesteigert.

Was läuft noch nicht wie gewünscht? Für Weltstar Philippe Coutinho, die Leihgabe vom FC Barcelona, konnte auch Flick keine Position finden. Der Brasilianer stand in der Rückrunde nur in zwei von fünf Partien in der Startelf. Bayerns Offensivspiel ist Blessuren-geplagt: Ivan Perisic wird bis April fehlen, Kingsley Coman gab gegen Leipzig nach zwei Monaten Pause ein Kurzcomeback, Serge Gnabry ist nach Achillessehnen-Beschwerden noch nicht der Alte.

Wie stehen nun Flicks Titel-Chancen? Seine Arbeit wird mit dem Abschneiden in der Champions League bilanziert. Bei einem Achtelfinal-Aus gegen den FC Chelsea hätte er schlechte (Weitermach-)Karten. In der Liga will man die achte Meisterschale in Serie einsacken. "Es ist noch ein langer Weg, wir versuchen unsere Position in der Tabelle bis zum Ende der Saison zu halten", sagt Flick. Aus Bayern-Sicht das Mindeste. Ein Pünktchen vor RB ist hauchdünn. Sportdirektor Hasan Salihamidzic rechnet anders: "Wir haben einen Punkt auf Dortmund (3:4 in Leverkusen, d.Red.) gewonnen." Am 4. April sieht man sich zum nächsten Topspiel, dann in Dortmund.

 

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