Deutsche Nationalmannschaft DFB-Länderspieljahr 2016: Tränen, Eier und ein Nachbar

, aktualisiert am 16.11.2016 - 17:35 Uhr
Insgesamt setzte Bundestrainer Jogi Löw im Länderspieljahr 2016 38 Spieler ein und bracht acht Debütanten. Foto: dpa

Die deutsche Nationalmannschaft verabschiedet sich in die Winterpause. Von der EM in Frankreich über Löws Fehlgriffe bis zu Schweinsteigers emotionalem Abschied: Die AZ blickt auf das DFB-Jahr 2016 zurück.

 

Mailand/München - So eine Nullnummer kann auch Rekorde und Serien zu Tage fördern. Die Italiener freuen sich, dass ihr Mailänder Stadion im Stadtteil San Siro weiter eine Festung bleibt. Die Squadra Azzurra ist dort seit nun 45 Spielen (13 Unentschieden) ungeschlagen, verlor letztmals im Jahre 1925.

Und die DFB-Elf konnte einen 50 Jahre alten Rekord zumindest einstellen. Sechs Spiele hintereinander zu Null (2:0 gegen Finnland, 3:0 in Norwegen, 3:0 gegen Tschechien, 2:0 gegen Nordirland, 8:0 gegen San Marino und nun das 0:0 in Italien). Das war zuletzt 1966 unter Bundestrainer Helmut Schön gelungen. Joachim Löw, der Mann mit dem Schal, kann die Zu-Null-Serie am 22. März gegen England in Dortmund ausbauen.

Doch zunächst eine Rückschau. Die Bilanz fällt "positiv" aus, so Löw, "obwohl wir bei der EM im Halbfinale ausgeschieden sind. Wir haben einige junge Spieler herangeführt. Ich sehe positiv ins nächste Jahr." 2017 findet der Confed-Cup im Juni/Juli in Russland als WM-Generalprobe statt, Löw will dann wie nun in Mailand Nationalelf-unerfahrene, junge Spieler einsetzen. Weil der DFB nun Winterpause hat, die Wertungen, bitte:

"La Mannschaft"

So der Slogan zur EM in Frankreich. Relativ souverän marschierte man durch die Vorrunde, stark dann das Achtelfinale gegen die Slowakei (3:0), es folgte das epische Zitter-Elfmeterschießen gegen Italien und die 0:2-Pleite im Halbfinale gegen den Gastgeber. Teammanager Oliver Bierhoff über die bis dato erfolgreiche WM-Qualifikation: "Man merkt den Schwung, es ist eine junge Mannschaft, die entsteht, mit vielen jungen Spielern. Das macht einfach Hoffnung, wie sich die Spieler entwickeln." Vier Spiele, vier Siege. Das Gesamtjahr: elf Siege, zwei Remis und drei Niederlagen – neben Frankreich in den Tests gegen England (2:3) und die Slowakei (1:3). Note 2-

Der Trainer

Löw hat seinen Vertrag bis 2020 verlängert, wirkt unantastbar – und wenn, dann legt er nur selbst Hand an. Siehe die Peinlichkeiten beim EM-Spiel gegen die Ukraine. Er entschuldigte sich. Halb so wild. Nun bastelt er an einer neuen Mannschaft, will den Offensiv-Stil durchziehen. ARD-Experte Mehmet Scholl schwärmte: "Ich bin richtig erleichtert, dass Löw weitermacht. Er ist Gold wert. Er ist top in der Menschenführung, er stellt die Mannschaft richtig zusammen, wir gehen immer topfit in die Turniere." Jogi hat noch lange nicht fertig. Sein großes Ziel: Die WM-Titelverteidigung, sie würde ihn zum größten DFB-Trainer aller Zeiten machen. Note 2

Die Rückkehrer

Ilkay Gündogan, der die WM 2014 und die EM 2016 verletzt verpasst hatte, hat durch Pep Guardiola bei Manchester City physisch zugelegt und frisches Selbstvertrauen erhalten. Der ehemalige Dortmunder ist eine Alternative zu Toni Kroos und Sami Khedira im defensiven Mittelfeld. Mario Gomez, mit vier Treffern hinter Thomas Müller (5) zweit-erfolgreichster Schütze, hat sich plötzlich unverzichtbar als Stoßstürmer gemacht. Hätte man vor einem Jahr auch nicht gedacht. Note 1-

Die Verabschiedeten

Bastian Schweinsteiger beendete gegen Finnland im August seine DFB-Karriere und sorgte mit seinen spontanen Tränen für den Gänsehaut-Moment des Jahres. Lukas Podolski, ebenfalls zurückgetreten, lieferte den Spruch 2016 – zum Thema Löw: "80 Prozent von euch und ich kraulen sich auch mal an den Eiern." Antonio Rüdiger (Kreuzbandriss vor EM-Start), Emre Can (trotz guter Leistungen in Liverpool), und Christoph Kramer sind nicht verabschiedet, aber erst einmal außen vor. Für Schweinsteiger und Podolski gibt’s die Note 1

Die Neuen

Acht Spieler debütierten: Jonathan Tah, Niklas Süle, Julian Brandt, Julian Weigl, Joshua Kimmich, Benjamin Henrichs, Serge Gnabry (mit Dreierpack in San Marino) und Yannick Gerhardt. Absoluter Stammspieler ist bereits Bayerns Kimmich, neben Jérôme Boateng, dem "Nachbarn des Jahres", wohl der Aufsteiger des Jahres. Note 3 FÜR ALLE NEUEN – für Kimmich ‘ne 1.

Die Länderspiel-Statistik 2016 im Überblick

Eingesetzte Spieler (38): Jonas Hector 15 Spiele/1268 Minuten, Thomas Müller 15/1234, Mario Götze 14/901, Mesut Özil 13/1093, Toni Kroos 12/1071, Sami Khedira 12/857, Manuel Neuer 11/1020, Joshua Kimmich 11/1004, Mats Hummels 11/930, Julian Draxler 11/844, Benedikt Höwedes 11/744, Jerome Boateng 10/817, Mario Gomez 8/509, Bastian Schweinsteiger 7/311, Shkodran Mustafi 6/412, André Schürrle 6/116, Kevin Volland 5/155, Antonio Rüdiger 4/360, Marc-André ter Stegen 4/270, Ilkay Gündogan 4/240, Emre Can 4/223, Julian Brandt 4/152, Julian Weigl 4/144, Sebastian Rudy 3/270, Bernd Leno 3/180, Jonathan Tah 3/123, Max Meyer 3/116, Lukas Podolski 3/47, Serge Gnabry (2/113), Leroy Sané 2/102, Marco Reus 2/92, Leon Goretzka 2/72, Benjamin Henrichs (1/90), Karim Bellarabi 1/90, Niklas Süle 1/57, Matthias Ginter 1/6, Christoph Kramer 1/1

Tore (34): Müller (5), Gomez (4), Kroos (3), Gnabry (3), Özil (3), Hector (3), Khedira (2), Draxler (2), Götze, Mustafi, Schweinsteiger, Boateng, Meyer, Kimmich, Volland

Eigentore (2): Lang (Ungarn), Stefanelli (San Marino)

Elfmeter (2): Özil, Gomez

Gelbe Karten (18): Hummels (3), Schweinsteiger (2), Can (2), Khedira (2), Özil (2), Boateng, Kimmich, Draxler, Mustafi, Kroos, Tah, Gündogan

Neulinge (8): Süle (gegen Finnland), Kimmich, Weigl, Brandt (alle gegen Slowakei), Tah (England), Gnabry, Henrichs (beide San Marino), Gerhardt (Italien)

 

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