Münchner Kellerkinder: Dem TSV 1860 und Türkgücü droht das Abstiegsgespenst

Der TSV 1860 und Türkgücü haben eines gemeinsam: Sie sind mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestartet. Die Realität nach knapp der Hälfte der Saison sieht anders aus. Das Abstiegsgespenst ist denkbar nah.
| Matthias Eicher
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
10  Kommentare Artikel empfehlen
Sechzig-Trainer Michael Köllner: Seine Mannschaft muss punkten, um das Abstiegsgespenst zu vertreiben.
Sechzig-Trainer Michael Köllner: Seine Mannschaft muss punkten, um das Abstiegsgespenst zu vertreiben. © sampics/Augenklick

München - Insgesamt 15 Drittliga-Trainer hatten die Löwen auf dem ganz großen Schirm. Glaubten, dass der TSV 1860 seine letzte Saison als drittklassiger Verein bestreiten würde und am Ende der Saison als Aufsteiger den Gang in die Zweite Liga feierlich und jubelnd beschreiten würde. So das Fazit der Orakelschau vor dieser Saison. Und natürlich waren auch die Löwen höchstselbst ambitioniert unterwegs. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir nicht hoch wollen", stellte Torjäger Sascha Mölders damals unmissverständlich klar.

Türkgücü hingegen galt als Drittliga-Wundertüte, hatte aber nicht minder hohe Ziele. "Türkgücü hat hohe Ambitionen, tut aber auch viel dafür, um diese Ziele zu erreichen", meinte der damalige Trainer Petr Ruman: "Wir werden voll angreifen und sind bereit."

1860 und Türkgücü weit hinter den Erwartungen zurück

Bereit? Wirklich? Wie sich nun zeigt, liegen gleich beide Drittligisten aus der Stadt ganz und gar nicht im Soll. Der TSV 1860 rangiert mit nur 17 Punkten aus 14 Spielen auf Platz 15. Zuletzt setzte es ein völlig verdientes 1:3 gegen den Tabellen-Zweiten VfL Osnabrück. Türkgücü wiederum musste sich beim 1:2 gegen Viktoria Köln ebenfalls als Verlierer vom Platz trollen.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Der Klub von Investor Hasan Kivran, bei dem Ex-Coach Ruman schon längst nicht mehr in Amt und Würden ist, sondern den Platz auf einem der heißesten Trainerstühle der Liga längst räumen musste, hat in 15 Spielen 18 Punkte angehäuft.

Die Sechzger und Türkgücü - Münchner Kellerkinder. Die Löwen treten zwei Jahre, nachdem Cheftrainer Michael Köllner sein Amt nach dem Abgang von Vereinsikone Daniel Bierofka übernahm, auf der Stelle: Nach zwei knapp verpassten Aufstiegen hätten nun alle guten Dinge drei sein sollen - mit dem einzigen Unterschied, dass die Rückkehr in die zweite Bundesliga endlich gelingen soll.

Die Realität? Köllner hat kurioserweise genau dieselbe Punkteausbeute vorzuweisen, wie sie bei seiner Verpflichtung Anfang November 2019 in der damaligen Drittliga-Tabelle stand. Die Baustellen der Blauen sind mannigfaltig: Fremdeln mit der Favoritenrolle, Unentschieden-Überschuss (acht an der Zahl), unzureichende Chancenverwertung.

TSV 1860: Erst eine Systemumstellung brachte Stabilität

Dazu kommen immer wieder unpässliche Leistungsträger (Marius Willsch, Richard Neudecker, Niklas Lang). Chefcoach Köllner, der in der Sommerpause mit Austria Wien geflirtet hatte, veränderte sogar ein bis dahin unumstößliches Löwen-Gesetz (Kapitän Sascha Mölders spielt immer) und testete Mölders' Sturmpartner Marcel Bär an vorderster Front - der Schuss ging nach hinten los.

Erst die Abkehr vom neuen Spielsystem mit Doppelspitze zurück zum 4-1-4-1 oder 4-2-3-1 brachte Stabilität, wobei die jüngste Osnabrück-Pleite jegliche Gedanken an eine Aufholjagd zunichtemachte. "So etwas habe ich bei Sechzig noch nicht erlebt", analysierte Köllner den Leistungseinbruch seiner Elf. Mölders sprach sogar von "Angsthasenfußball".

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Türkgücü kickte vor zwei Jahren noch viertklassig, nahm die Drittklassigkeit allerdings ohnehin nur als Durchgangsstation wahr. Zwei Spielzeiten, in denen die Trainer Reiner Maurer, Alexander Schmidt und Ruman alle ihren Job bei der "türkischen Kraft" verloren, steht Peter Hyballa an der Seitenlinie. Der 45-Jährige, der nach AZ-Informationen seine Wohnung in Münster wegen des Schleudersitzes in München gar nicht erst gekündigt hat, bezeichnete die Performance seiner Mannschaft im schlecht besuchten Olympiastadion (1.000 Zuschauer) zuletzt als "Altherrenfußball".

Türkgücü-Coach Peter Hyballa. Auch er und sein team stehen gehörig unter Druck.
Türkgücü-Coach Peter Hyballa. Auch er und sein team stehen gehörig unter Druck. © imago images/Beautiful Sports

Wann gerät der Stuhl von Peter Hyballa ins Wackeln?

Einzelkönner des einmal mehr zusammengewürfelten Teams wie Spielmacher Sercan Sararer oder Torjäger Petar Sliskovic liefern nicht, laut Geschäftsführer Max Kothny ruhen sich die Spieler in der "Wohlfühloase Türkgücü" aus: "Wir verpflichten gute Spieler und bezahlen sie auch gut. Aber dann erwarten wir auch volle Leidenschaft und Leistung." Kothny schiebt den schwarzen Peter zwar (noch) den Spielern zu, bei weiterer Erfolglosigkeit muss aber auch EM-Taktikexperte Hyballa fürchten, sich künftig einen neuen Job suchen zu müssen.

Die Löwen und Türkgücü, nominell zwei Klubs fürs Aufstiegsrennen. Viel mehr Brennpunkte sollten sich die beiden Klubs nicht mehr suchen, denn sonst spukt bald auch noch das Abstiegsgespenst an der Grünwalder Straße oder an der Heinrich-Wieland-Straße herum: Der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt nur einen respektive zwei Punkte.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 10  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
10 Kommentare
Artikel kommentieren