Des Löwen Achttausender: 1860 will es wie Gerlinde Kaltenbrunner machen

Der TSV 1860 will den Aufstieg schaffen, wie einst Vorbild Gerlinde Kaltenbrunner auf den K2. "Sie musste sechs Mal umdrehen".
| Matthias Eicher
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Sechzigs Seilschaft probt den Aufstieg: Trainer Michael Köllner (l.) und Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel wollen den TSV 1860 nach oben führen und dabei wie Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner jede noch so große Hürde überwinden.
Sechzigs Seilschaft probt den Aufstieg: Trainer Michael Köllner (l.) und Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel wollen den TSV 1860 nach oben führen und dabei wie Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner jede noch so große Hürde überwinden. © AZ/Wick Seebauer

München - So ein Aufstieg ist verbunden mit enormen Höhen und Tiefen.

Mit der unauslöschlichen Hoffnung, es endlich nach oben zu schaffen - und ein unglaubliches Gipfelglück zu verspüren. Mit der nagenden Ungewissheit: Können wir es wirklich schaffen, allen Widerständen zum Trotz?

Erst beim siebten Versuch klappte es

"Der K2 ist von allen Seiten sehr schwierig zu besteigen und die Stein- und Eisschlaggefahr immer erheblich", erzählte die Extrembergsteigern Gerlinde Kaltenbrunner:

"Erst bei meinem siebten Versuch konnte ich mit drei meiner Teamkollegen über den sehr selten begangenen und äußerst anspruchsvollen Nordpfeiler den Gipfel erreichen."

Die Löwen wollen es Kaltenbrunner gleichtun

Was der Aufstieg der Österreicherin im Jahre 2011 auf den zweithöchsten Berg der Welt (8.611 Meter) mit den Löwen zu tun hat? Ganz einfach:

Michael Köllner und Günther Gorenzel wollen es Kaltenbrunner gleichtun und haben sich die 50-jährige Landsfrau Gorenzels aus der Alpenrepublik zum Vorbild genommen.Die Giesinger haben zwar keinen Achttausender bezwungen, als sie im oberösterreichischen Trainingslager mit der Seilbahn zur "Wurzeralm" hochgefahren sind und einen Panoramawanderweg begangen haben, inklusive Abstecher ins Kaltenbrunner-Museum in Spital am Phyrn.

Weiß-blaue Expedition mit tieferem Sinn

Symbolisch betrachtet wollen sie einen ungleich steileren Weg beschreiten: den zum wortwörtlichen Aufstieg ins Fußball-Unterhaus.

"Wir haben uns bei diesem Ausflug auf den Berg schon etwas gedacht", sagte Gorenzel über die weiß-blaue Expedition, die nach zwei verpassten Versuchen und den Plätzen acht und vier in der Endabrechnung im dritten Anlauf gelingen soll.

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Ganz wie bei Kaltenbrunner, die als erste Frau überhaupt alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen hat. "Es ist unglaublich, was diese Frau geleistet hat", sagte Gorenzel beeindruckt: "Sie musste sechs Mal umdrehen, bevor sie es endlich auf den Gipfel geschafft hat."

Die österreichische Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner beim Aufstieg auf den Gasherbrum. (Archivbild)
Die österreichische Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner beim Aufstieg auf den Gasherbrum. (Archivbild) © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sechzig schien auch schon unaufhaltsam unterwegs zu sein, scheiterte zwei Mal in Folge aber mehr oder weniger knapp.

Bleiben sie hartnäckig, stehen die Löwen irgendwann oben

Die Lehren also für die Löwen: Bleiben Torjäger Sascha Mölders und Co. so hartnäckig wie Kaltenbrunner, stehen sie irgendwann oben. Am besten nach der Saison 2021/22.

Nun haben die Gipfelstürmer Köllner und Gorenzel bei ihrer anstehenden, monatelangen Bergtour einige Hürden zu überwinden. Als da erst einmal wäre: die Favoritenrolle, enorme Erwartungshaltung noch inklusive.

"Wir haben uns die Latte durch unsere Arbeit selbst hochgelegt"

"Wir haben uns die Latte durch unsere Arbeit selbst hochgelegt", meinte Gorenzel mit einem Ausflug in die Leichtathletik und dem dazugehörigen Bild eines Hochspringers, bevor er sich des nächsten alpinen Vergleichs bediente: "Unser Wander-Rucksack ist extrem schwer."

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Insgesamt 15 Drittliga-Trainer haben 1860 zum Topfavoriten erklärt, noch vor Eintracht Braunschweig, eben erst gepeinigt heruntergepurzelt aus Liga zwei. Gorenzel weiter: "Es werden einige Stürme auf uns zukommen, denen wir standhalten müssen."

Vorprogrammierte Turbulenzen

Formschwankungen, Verletzungen, ein nicht mehr ganz so hervorragend funktionierender Mölders (Torschützenkönig mit 22 Saisontoren): Turbulenzen seien vorprogrammiert, doch die Sechzger müssten allen Widrigkeiten trotzen. Entscheidend für Gorenzel: "Dass die Jungs trotz der Neuzugänge und mehr Breite im Kader genauso zusammenhalten."

Das Basislager liegt schon hinter ihnen

Was die Vorbereitung anbelangt, sieht Köllner seinen TSV auf AZ-Nachfrage "schon weiter als im Basislager": Jeder habe in Windischgarsten "super mitgezogen", man habe "bei gleißender Sonne schon mehr als 17 Kilo auf dem Buckel" gehabt.

Nach dem wackeligen 4:2 gegen Regionalligist Burghausen fehlt zwar noch der Feinschliff. Aber mit Kaltenbrunners Willenskraft könnten es die blauen Bergsteiger auf ihren persönlichen K2 schaffen.

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