DFB-Elf im WM-Check: Deutschland schon weltmeisterlich?

28 von 30 möglichen Punkten in der Qualifikation, mal Zauberfußball, mal Defensivdilemma: Die AZ macht den großen WM-Qualitäts-Check
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Mesut Özil ist der Spielgestalter im Mittelfeld. Von ihm wird bei der WM sehr viel abhängen.
dpa Mesut Özil ist der Spielgestalter im Mittelfeld. Von ihm wird bei der WM sehr viel abhängen.

28 von 30 möglichen Punkten in der Qualifikation, mal Zauberfußball, mal Defensivdilemma: Die AZ macht den großen WM-Qualitäts-Check

Stockholm - Unterhaltsam war’s allemal, das 5:3 gegen Schweden zum Abschluss der WM-Qualifikation. „Es klappt ziemlich viel ziemlich gut“, meint der dreifache Torschütze André Schürrle, der nach seinem ersten Profi-Dreierpack gleich mal den Ball mit nach Hause nahm: „Vielleicht für meine Mutter!“

Mit 28 Punkten aus zehn Spielen ist die Ansage klar: Wir wollen Weltmeister werden! „Natürlich lechzt Deutschland nach einem Titel“, sagt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. „Dieser Mannschaft kann man zutrauen, in Brasilien Weltmeister zu werden.“

Andererseits machte das „Eishockeyergebnis“ (Manuel Neuer) von Schweden deutlich, wo es bei der Nationalelf acht Monate vor der WM in Brasilien noch hapert: der defensiven Abstimmung.

Die AZ macht den WM-Check: Wie WM-Titel-reif sind Bundestrainer Joachim Löw, die Defensive und Offensive und welche Möglichkeiten bietet der Kader – Bewertungen von 1 bis 5 Weltmeister-Punkte:

 


 

DER TRAINER

Löw muss jetzt seine Titel-Tauglichkeit beweisen

Wird nun erstmal seinen Vertrag bis 2016 verlängern. „Ich finde, er macht einen guten Job. Er hat die WM-Qualifikation wieder im Hurra-Stil besiegelt“, lobt Karl-Heinz Rummenigge. Dennoch liegt die Latte für Joachim Löw (Foto) bei der WM extrem hoch – ein enttäuschendes Abschneiden würde sein Aus bedeuten.

In der Quali zeigte er durchaus den Willen zum Fortschritt, probierte – auch inspiriert von Pep Guardiola – taktisch vieles aus: Mal ließ er mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler spielen, mal mit einem wendigen Mittelfeldspieler als Stürmer („Wenn Sie samstags in die Stadt fahren, nehmen Sie auch nicht den Benz, sondern den Smart“).

Dafür reagierte Löw beim 4:4 gegen Schweden gar nicht, machte in der Kießling-Frage keine glückliche Figur – und bekam die Abwehrprobleme zuletzt nicht wirklich in den Griff. Titel-Tauglichkeit noch nicht bewiesen.

Wertung: 3,5 Weltmeister-Punkte

 


 

DIE DEFENSIVE

Qualität ja, aber immer wieder unnötige Patzer

Als es eng wurde, besann sich auch die deutsche Abwehr: Mit drei 3:0-Siegen über Österreich, die Färöer und Irland tütete man die WM-Qualifikation ein. Alle Abwehrprobleme schienen ausgestanden, bis die frechen Schweden der Löw-Elf am Dienstag erneut kräftig einschenkten: Sieben Gegentore in 180 Minuten gegen den stärksten Gruppengegner sind schlicht unakzeptabel.

„Dass wir uns defensiv mit Blick auf die WM unbedingt verbessern wollen, ist klar“, meint Löw. Baustellen gibt’s genug: In der Innenverteidigung ist Mats Hummels ein Streitfall. Links sind weder Marcel Schmelzer noch Marcell Jansen unumstritten, rechts offenbarte Philipp Lahm nach seinem Bayern-Ausflug ins Mittelfeld in Schweden deutliche Abstimmungsprobleme.

Auch Manuel Neuer spielte keine fehlerfreie Quali. Lichtblick: Bayerns Jérôme Boateng, der einen ordentlichen Sprung gemacht hat.

Wertung: 2,5 Weltmeister-Punkte

 


 

DIE OFFENSIVE

Tore, Tore, Tore – diese Stars hält niemand auf

36 Tore hat Deutschland in zehn Qualifikationsspielen geschossen – öfter traf keine andere Nation ins Schwarze. Goalgetter Miroslav Klose war verletzungsbedingt nur in sechs Spielen dabei, Mario Gomez spielte gar nicht – dafür sprangen andere in die Bresche. Mit acht Toren und fünf Vorlagen schwang sich Mesut Özil zum heimlichen Star der WM-Quali auf.

Mit ihm als Spielgestalter, Marco Reus (fünf Quali-Tore) auf links, Thomas Müller (vier, Foto) auf rechts und Klose (vier) im Angriff ist die WM-Offensive eigentlich auch schon in Stein gemeißelt.

Dazu können André Schürrle und Mario Götze – wie gegen Schweden bewiesen – jederzeit den Unterschied ausmachen. Kurz gesagt: Gegnerische Abwehrreihen zu knacken ist für die DFB-Elf anno 2013/14 kein Problem mehr. „Es ist schon beeindruckend, welche Qualität die Spieler haben“, schwärmt Manager Oliver Bierhoff.

Wertung: 4,5 Weltmeister-Punkte

 


 

DIE MÖGLICHKEITEN

In der Breite vielleicht so stark wie noch nie zuvor

Jogi Löw wird mit Sicherheit von seinen Kollegen beneidet: Was die Leistungsdichte im deutschen Kader angeht, ist keine der Top-Nationen in der Breite so stark besetzt wie das DFB-Team.

Gegen Schweden fehlten mit Schmelzer, Mertesacker, Khedira, Reus und Klose genau genommen fünf Stammspieler – Deutschland siegte dennoch furios. Während der Qualifikation steckte man jedenfalls die Ausfälle von Schweinsteiger (spielte nur 450 von 900 Quali-Minuten) und Klose (468 Minuten) locker weg. „Die Mannschaft hat noch Entwicklungspotenzial“, sagt Rummenigge.

André Schürrle (Foto) bot dazu gegen Schweden das beste Beweismaterial an. Mit nur einem Länderspiel zwischen November und Mai ist Löw zum Zusehen verdammt; da viele seine Spieler aber bei Champions-League-Klubs spielen, muss ihm nicht Bange sein, was die internationale Wettkampfhärte angeht.

Wertung: 5 Weltmeister-Punkte

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