Wie im wilden Westen: Thomas Müller ist FC Bayerns John Wayne

Das Topspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig hält alles, was es verspricht. Beim 3:3 glänzen die Offensivreihen, in der Defensive kriselt es. Müller rettet die Münchner. "Viel Speed und Intensität".
| Maximilian Koch
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Identifikationsfigur und Fanliebling: Thomas Müller.
Identifikationsfigur und Fanliebling: Thomas Müller. © Sammy Minkoff/Augenklick

München - Mit Daniel Siebert hatte dieses rassige Topspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig den passenden Schiedsrichter. Einen Sheriff, der viel laufen ließ, um den Spielfluss nicht zu stoppen. Und auch wenn Siebert so manches regelwidrige Tackling übersah: Seine großzügige Leitung tat der Partie gut. Beide Teams gingen insgesamt fair miteinander um. Das 3:3 war eine Werbung für die gesamte Bundesliga.

"Der neutrale Zuschauer hat ein sehr wildes Spitzenspiel gesehen mit sehr, sehr viel Speed und Intensität", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick, der einmal mehr mit seiner Defensive hadern musste. 16 Gegentore nach zehn Spielen sind viel zu viel und äußerst ungewöhnlich für die Münchner. 34 eigene Treffer hingegen Extraklasse und in der Bundesliga unerreicht.

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Thomas Müller: Zwei Tore zum Punktgewinn

Die Bayern wie im wilden Westen. Mit Thomas Müller als John Wayne, dem Western-Helden. Zwei Tore steuerte der 31-Jährige zum Punktgewinn bei, sein 3:3 per Kopf nach Flanke von Kingsley Coman (75.) sorgte für den Endstand. "Dass wir zurückkommen können, wussten wir schon vor dem Spiel. Dass wir aktuell leider auch oft zurückkommen müssen, wissen wir aber auch nicht erst seit heute", sagte Müller nach dem Spiel bei Sky und zeigte sich mit seiner eigenen Leistung - bis auf einige Ballverluste - zufrieden.

Das war natürlich völlig nachvollziehbar. "Radio Müller" sendete im Gipfeltreffen mal wieder auf stärkster Frequenz, er coachte seine Kollegen wie ein Spielertrainer.

Müller - unverzichtbar für Flick und das Bayern-Team

Nach fünf Minuten brüllte er: "Kann hier mal einer die Verantwortung übernehmen?!" Youngster Jamal Musiala erteilte er vor dem 1:1 (30.) lautstark den "Schieß!"-Befehl. "Die Jungs wollen das auch, deshalb mache ich weiter", sagte Müller mit einem Schmunzeln über seine Rolle als wortgewaltiger Flick-Assistent. Allerdings solle man seine Leistung bitte schön "nicht zu hoch hängen". Erstens habe auch er sich "ein paar zu viele" Ballverluste geleistet. Und zweitens "sind wir alle ein Team". Mit einem famosen Leader Müller, einem echten Cowboy.

Müller ist wieder zentrale Figur des Bayern-Spiel

An 18 Toren (neun Treffer, neun Vorlagen) war Müller in dieser Saison schon beteiligt, er spielt seit Winter 2019 in Weltklasse-Form. Bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres landete Müller nicht zufällig auf Platz sechs - vor anderen Topstars wie Kylian Mbappé oder Cristiano Ronaldo. Coach Flick lag genau richtig, als er Müller wieder zur zentralen Figur des Bayern-Spiels aufbaute.

Vorgänger Niko Kovac hatte Müller zum Notnagel degradiert. Ein verhängnisvoller Fehler, auch im Rückblick eine völlig unverständliche Maßnahme. Und Kovac hatte damit seinen Anteil daran, dass Müller im Nationalteam keine Rolle mehr spielte.

Im Winter 2020 ist fast alles anders. Joachim Löws Mannschaft schwächelt, der Umbruch ist gescheitert. Und Müller könnte doch wieder ein wichtiger Faktor für die Nationalelf werden. "Ich bleibe dran, den Rest schauen wir mal", sagte der Bayern-Star nach dem Leipzig-Spiel.

Situation des DFB-Teams: Müller spricht wie ein Anführer

Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass er nach wie vor für nationale Aufgaben brennt. Löw etwa habe "so viel Rückenwind wie möglich" verdient, sagte Müller, und zwar durch "ganz Fußballdeutschland", für eine gute und erfolgreiche Europameisterschaft. So sprechen Anführer. Hinter der DFB-Entscheidung pro Löw "müssen alle Deutschen stehen", forderte Müller, "damit wir wieder Schwung reinkriegen in die Bude - und mit Joachim Löw kriegen wir auch wieder Schwung rein".

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Zwischenmenschlich scheint nichts hängengeblieben zu sein, obwohl der Bundestrainer Müller sowie Mats Hummels und Jérôme Boateng im Frühjahr 2019 ziemlich kalt aus dem Nationalteam verbannt hatte. Nach jetzigem Stand kommt er kaum noch an dem Weltmeister-Trio vorbei.

 

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