Thomas Müller: Die Drama-Queen und das "Comedy"-Tor

Nach 999 Minuten ohne Tor trifft Bayerns Stürmer Thomas Müller in der Liga wieder. „Uns ist natürlich ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt Torhüter Neuer. Und Müller selbst sagt: "Ein bisschen Comedy" war das Tor.
| Patrick Strasser
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Zurück aus dem "Exil": Thomas Müller hat gegen den VfL Wolfsburg erstmals in dieser Spielzeit getroffen. Die Kollegen vom FC Bayern freuen sich mit ihm.
dpa Zurück aus dem "Exil": Thomas Müller hat gegen den VfL Wolfsburg erstmals in dieser Spielzeit getroffen. Die Kollegen vom FC Bayern freuen sich mit ihm.

München -  Nein, übertreiben wollte er es dann nicht. „Müller auf den Zaun!“, sangen die Fans in der Südkurve, als sich die Bayern nach Spielschluss vor der Tribüne aufreihten und freudig hüpften. Und Thomas Müller hatte das richtige Gespür für den Moment. Jetzt nicht durchdrehen. Unterm Strich nämlich steht: Müller hat beim 5:0 gegen den VfL Wolfsburg das 4:0 erzielt. Er hielt den Fuß rein in einen verunglückten Schuss von Arjen Robben gegen eine irgendwie verunglückte, weil völlig überforderte Mannschaft. Müller sprang und hüpfte, aber er blieb am Boden.

Und das obwohl es nicht irgendein Tor war. Alle im Stadion spürten es. Dieses 4:0 war eine ganz persönliche Nummer für einen, eine Erlösung für alle. Die ganze Mannschaft lief zu ihm, herzte und drückte ihn wie sonst nur Mitspieler geherzt und gedrückt werden, die nach ewigen Verletzungspausen ihr Comeback geben.

Thomas Müller, die Drama-Queen

Müller war am Samstag um 17.02 Uhr endlich wieder der Müller, nach 999 Minuten im Exil für Bundesliga-Torjäger. 999 Minuten! Als habe es der Schelm mit Absicht gemacht. Müller, die Drama-Queen. Sein erster Saisontreffer zwei Wochen vor Weihnachten. Eine schöne, späte Bescherung. Der Fluch ist vorbei.

Eine Eins für Müller! - Die Bayern gegen Wolfsburg in der Einzelkritik

Ein „bisschen Comedy“, sei der Treffer gewesen, sprudelte es aus Müller nach der Partie heraus, „kein brillantes Tor, keine überragende Einzelleistung, aber eben erzwungen. Und doch auch ein bisschen glücklich, dass der Ball zu mir kam. So ist es im Fußball.“

Müller über sein Tor: "Ein schöner Moment, aber kein weltbewegender"

Der 28-Jährige gab gerne Einblick in sein Gefühlsleben, immer versuchend, die Euphorie zu unterdrücken: „Es fühlt sich gut an. Es war ein schöner Moment für mich, aber auch kein weltbewegender.“ Der fehlende Treffer habe ihn „mich nicht verrückt gemacht, ich war bei dem Thema schon vorher relativ geschmeidig“. Aber eben nicht komplett entspannt. Sonst würden die Kollegen wie Torhüter Manuel Neuer nicht solche Dinge sagen: „Uns ist natürlich ein Stein vom Herzen gefallen, dass der Thomas wieder getroffen hat.“ In der Kabine wird Müller nun auch nicht weiter aufgezogen, das verdeutlicht die Aussage von Kapitän Philipp Lahm: „Das ist schön für ihn und schlecht für mich. Ich lag ein Tor vor ihm und wollte das bis Weihnachten auch bleiben. Jetzt bleiben mir zwei Spiele, um den alten Abstand wieder herzustellen.“

Apropos Statistik: Mit seinem 92. Liga-Treffer zog Müller mit Ex-Stürmer Giovane Elber gleich, der von 1997 bis 2003 dafür 169 Spiele benötigte. Müller steht nun bei 240 Bundesligaspielen und hat damit Präsident Uli Hoeneß überholt. Nach Siegen steht er nun auf einer Stufe mit Bulle Roth (jeweils 171). Eine kickende Bayern-Legende, der Müller. Und der vor allem deshalb wieder so gut spielt in den letzten Wochen, weil er seit dem 3:1 in Mainz vor zehn Tagen wieder seine Lieblingsposition ausfüllen kann, die Zehnerrolle hinter der Spitze Robert Lewandowski. Seitdem muss er nicht mehr auf den rechten Flügel. Vor allem Arjen Robben, der Rechtsaußen und Franck Ribéry, der linke Offensivpart, können ihn so besser bedienen. „Ich habe mich die letzten Spiele auch ganz gut gefühlt, bin auch vor der Systemumstellung hin und wieder im Strafraum aufgetaucht“, sagte Müller, „du brauchst aber auch das Quäntchen Glück.“

Die Wette gegen Karl-Heinz Rummenigge

Und die Mannschaft braucht ihn. Wie viele Punkte Bayern wohl Vorsprung auf die Konkurrenz hätte mit – sagen wir einmal – zehn Müller-Toren? Alles Theorie. Erstmal musste Müller zahlen, seinen Wetteinsatz begleichen. Müller erzählte lachend: „Herr Rummenigge hat auf mich gesetzt – was komisch war, weil ich dann gegen mich gesetzt habe. Sonst hätt’s keine Wette gegeben.“ Hat ja geholfen. Nächsten Sonntag in Darmstadt trifft er wieder. Wetten?

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