Startplatz-Gerangel beim FC Bayern: Warum Boateng Pavard aussticht

Jérôme Boateng steht in der Hierarchie aktuell vor Benjamin Pavard, Renato Sanches vor Corentin Tolisso – und Thomas Müller spielt wohl nur, wenn Kingsley Coman oder Serge Gnabry fehlen: Die AZ erklärt, wer in der Vorbereitung bislang gepunktet hat.
von  Patrick Strasser
Benjamin Pavard (l.) hat im Stammplatz-Gerangel mit Jérôme Boateng das Nachsehen.
Benjamin Pavard (l.) hat im Stammplatz-Gerangel mit Jérôme Boateng das Nachsehen. © imago images/Claus Bergmann,Xinhua

München - Im Netz frohlockten zahlreiche Bayern-Anhänger nach dem 7:8 ihrer Mannschaft gegen Tottenham Hotspur im Vorbereitungsturnier Audi Cup: Eine Niederlage im Elfmeterschießen – und das in der heimischen Allianz Arena gegen einen Premier-League-Klub. Ein sehr gutes Omen! Denn immer dann gewann Bayern in der darauffolgenden Saison die Champions League.

Wie 2013 nach dem "Finale dahoam" ein Jahr zuvor, das man an Ort und Stelle gegen den FC Chelsea ebenfalls erst im Elfmeterschießen verloren hatte. Also ist den Roten 2020 der Henkelpott sicher. Ein bisschen Spaß muss sein.

FC Bayern: Am Sonntag kommt der Härtetest gegen den BVB

Am Samstag wird es ernst. Bei Vizemeister Borussia Dortmund geht es um das erste Titelchen der Saison, den Supercup (20.30 Uhr, ZDF, DAZN und im AZ-Liveticker). Eine erste Standortbestimmung, zugleich "immer ein Härtetest", wie Manuel Neuer sagte. Nach fünf Testspielen in der Vorbereitung gegen internationale Gegner (drei Siege, eine Niederlage und ein Unentschieden, wenn man das Ergebnis gegen Tottenham nach 90 Minuten wertet) freue man sich auf das Spiel, so der Bayern-Kapitän, denn der BVB habe "aufgerüstet und eine starke Mannschaft".

Trainer Niko Kovac erklärte, man werde das Spiel in Dortmund "sehr ernst nehmen – wie letztes Jahr in Frankfurt." Vor einem Jahr siegte Bayern beim Pokalsieger Eintracht mit 5:0. Laut Thomas Müller ist der Supercup "sehr wichtig, auch für den ganzen Verein." Denn: "In Dortmund zu spielen hat immer eine gewisse Brisanz. Wir werden alles reinlegen am Samstag." Auch aus eigenem Interesse. Der Kampf um die Plätze mit Blick auf den Bundesliga-Start am 16. August gegen Hertha BSC hat längst begonnen. Von Stammplätzen will Kovac nicht sprechen, er sagt lieber "Startplätze", damit es für die Unterlegenen nicht so hoffnungslos klingt.

Die AZ mit einer Übersicht, wie sich das Gerangel derzeit darstellt.

Tor: Kapitän Manuel Neuer ist gesetzt

Manuel Neuer ist unumstritten, weil in Top-Form. Machte jedes der fünf Testspiele von Beginn an – Ehrensache. Und wurde jedes Mal zur Pause von Stellvertreter Sven Ulreich abgelöst. Gegen Tottenham kassierte Nationaltorhüter Neuer den ersten Gegentreffer in Bayerns Vorbereitung, holte dafür einen Kopfball von Moura in Weltklasse-Manier von der Linie.

Abwehr: Kimmich und Alaba haben ihre Plätze sicher

David Alaba ist links hinten gesetzt, rechts Joshua Kimmich, der nach 90 gespielten Minuten gegen Fenerbahce (6:1) am Mittwoch komplett geschont wurde. Abwehrchef Niklas Süle ist gesetzt, obwohl noch nicht in der Verfassung der Rückrunde. Im Abwehrzentrum eine Überraschung: Neben Süle wird in Dortmund nicht Benjamin Pavard, sondern Jérôme Boateng verteidigen. Der französische Neuzugang vom VfB Stuttgart braucht mehr Eingewöhnungszeit, wirkte noch nicht stabil. Boateng dagegen ist fit und in erstaunlicher Form – obwohl sein Abgang bereits beschlossene Sache schien. "Er ist sehr frisch momentan. Dieser Jérôme, der so Fußball spielt, der tut uns gut", lobte Müller.

Zentrales Mittelfeld: Sanches hat Tolisso überholt

Vor der Abwehr ist Thiago als Sechser eine Bank, Ersatz Javi Martínez der Mann für Spezialeinsätze – wenn man defensiver steht. Thiago und Kovac rücken immer enger zusammen. Neben ihm dürfen als Achter Leon Goretzka und Renato Sanches, einer der Gewinner der Vorbereitung, ran. Der Portugiese wirkt in seinem vierten Jahr endlich gänzlich integriert und daher motiviert, der 21-Jährige blüht nach dem Machtwort der Bosse, er müsse bleiben, plötzlich auf. Der Verlierer: Corentin Tolisso. Der Franzose hatte im Pokalfinale gegen RB Leipzig sein Comeback nach achtmonatiger Verletzungspause gegeben, ihm fehlen aber noch Tempo und Rhythmus der Zeit davor. Blieb blass gegen Tottenham.

Außenbahnen: Kovac droht ein Härtefall

Kingsley Coman und Serge Gnabry sind gesetzt, aber angeschlagen. Fehlt einer der beiden, rückt Müller auf Rechtsaußen. Dann könnte Kovac auch einen möglichen Härtefall (der 2014er Weltmeister muss auf die Bank) umgehen. Weitere Alternative: Shootingstar Alphonso Davies.

Angriff: An Lewandowski führt kein Weg vorbei

Mittelstürmer und Toptorjäger Robert Lewandowski ist gesetzt. Auch wenn er – für seine Verhältnisse geradezu skandalös – weder gegen Fenerbahce noch gegen Tottenham getroffen hat.