"Servus Hansi": Großer Bayern-Abschiedstag mit Schale

Große Emotionen sind garantiert: Die Bayern bekommen mal wieder die Meisterschale überreicht. 250 Zuschauer dürfen bei den Abschieden mehrerer Triple-Helden dabei sein. Der FCA rückt mit einem Bodyguard für Lewandowski an.
| Von Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa
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Verabschiedet sich mit der Meisterschale aus München: Bayern-Coach Hansi Flick.
Verabschiedet sich mit der Meisterschale aus München: Bayern-Coach Hansi Flick. © Peter Kneffel/dpa-Pool/dpa
München

"Servus Hansi!" "Servus Triple-Helden!" Ein emotionaler Tag steht an beim FC Bayern - nicht nur für den Trainer.

Auf der großen Bühne der Münchner Fußball-Arena verabschieden sich neben dem Sieben-Titel-Coach in David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez drei Stars, die den deutschen Rekordmeister sportlich ein goldenes Jahrzehnt lang geprägt haben. Auf dem Platz können und wollen sie an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den FC Augsburg sogar noch zu einem historischen Bundesliga-Moment beitragen.

Robert Lewandowski geht beim Saisonfinale nochmals auf Rekordjagd: Der 32 Jahre alte Pole will (mindestens) Treffer Nummer 41 bejubeln, um Bayern-Legende Gerd Müller zu übertrumpfen und damit alleiniger Saison-Rekordschütze zu werden. Auch ein weiterer Elfmeter wie vor einer Woche beim 40. Saisontor in Freiburg wäre Lewandowski recht.

"Ich glaube, er würde es verstehen, dass ich den Ball nehme und mir den Rekord sichere", sagte er mit Verweis auf Müller: "Er ist selbst ein ehrgeiziger Torjäger gewesen." Die Nachbarn aus Augsburg wollen den Plan durchkreuzen, allen voran Trainer Markus Weinzierl. "Gerd Müller war in der Jugend mein Idol. Und er war mein Co-Trainer bei den Bayern-Amateuren. Ich kenne ihn gut und schätze ihn unheimlich, deshalb würde ich mir wünschen, dass der Rekord zweigeteilt bleibt", sagte der 46-Jährige. Weinzierl will sogar eigens einen Bodyguard zur Bewachung abstellen: "Wir müssen Robert Lewandowski in Manndeckung nehmen, um den Rekord von Gerd Müller zu schützen." Ob's hilft?

Emotionale Abschiede werden sicherlich geboten in der Arena. Nach dem Abpfiff der 58. Bundesliga-Saison und einem letzten Einsatz im neuen, schwarz-goldenen Münchner Auswärtstrikot dürfen Alaba, Boateng und Martínez noch ein letztes Mal mit der Meisterschale posieren.

Und immerhin 250 Zuschauer dürfen in der 75 000 Besucher fassenden Allianz Arena live dabei sein und können wenigstens für ein wenig Resonanz und Festtagsatmosphäre sorgen. Die Servus-Fraktion mit Flick, Alaba, Boateng, Martínez sowie den Co-Trainern Hermann Gerland und Miroslav Klose erhielt jeweils fünf Karten für ihre Familien.

"Ob mir äußerlich die Tränen kommen, kann ich jetzt noch nicht sagen – aber innerlich mit Sicherheit", sagte der 28-jährige Alaba. Er verlässt die Bayern nach einem gescheiterten Vertragspoker ablösefrei - vermutlich Richtung Real Madrid. Wohin es die jeweils 32 Jahre alten Boateng und Martínez zieht, haben die Veteranen noch nicht verraten.

Der 22. Mai 2021 markiert eine Zäsur beim FC Ruhmreich. Das Defensivtrio gehörte zu den historischen Triple-Teams 2013 und 2020. Mit zehn Meistertiteln ist Alaba deutscher Rekordchampion gleichauf mit Thomas Müller. Boateng und Martínez wurden neunmal Meister.

Zum Ende einer Ära sollen auch die Misstöne der Vergangenheit ausgeblendet werden. "Ich bin unglaublich stolz, dass ich hier Teil der Geschichte geworden bin, so viele Spiele machen durfte", sagte etwa der unter Flick noch einmal mächtig aufgeblühte Boateng, den Ehrenpräsident Uli Hoeneß schon 2019 vom Hof jagen wollte.

Auch Flick verlässt die Bayern; nach nur anderthalb Jahren als Chefcoach, nach insgesamt sieben Titeln, nach 86 Pflichtspielen und nach unüberbrückbaren Differenzen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic, die zur vorzeitigen Trennung maßgeblich beitrugen.

"Es war eine tolle Zeit. Diese zwei Jahre waren sehr wertvoll für mich", sagte der 56-Jährige. Flick ist in München zum begehrten Toptrainer aufgestiegen. Seine Zukunft dürfte in der Vergangenheit liegen. Die Rückkehr zum DFB als Nachfolger des nach der EM ausscheidenden Bundestrainers Joachim Löw ist vorgezeichnet.

Das Bayern-Drehbuch für Samstag steht also: Danksagungen und Präsente, Umarmungen, dazu ein letzter Flick-Sieg und Lewandowskis Torrekord stehen darin. Ein Partyschreck FC Augsburg ist nicht vorgesehen.

© dpa-infocom, dpa:210521-99-690209/2

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