Olaf Thon über das Skandal-Spiel gegen Holland - "Es war damals der pure Hass"

Weltmeister Olaf Thon spricht in der AZ über die Rivalität zu den Niederländern, Koemans skandalöse Trikot-Aktion und die Partie gegen Oranje am Samstag: "Wir werden auf keinen Fall verlieren!"
| Interview: Maximilian Koch
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EM-Skandal 1988: Ronald Koeman hält das Trikot von Olaf Thon dorthin, wo es nicht hingehört.
imago 2 EM-Skandal 1988: Ronald Koeman hält das Trikot von Olaf Thon dorthin, wo es nicht hingehört.
Präsident und Trainer des FC Bayern: Uli Hoeneß (r.) und Niko Kovac.
firo/Augenklick 2 Präsident und Trainer des FC Bayern: Uli Hoeneß (r.) und Niko Kovac.

München - Der heute 52-Jährige spielte für den FC Bayern und den FC Schalke 04. 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister.

AZ: Herr Thon, am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) tritt die deutsche Nationalelf in der Nations League gegen die Niederlande an. Eine Partie mit spannender Ausgangslage, aber wohl nicht annähernd so brisant wie zu Ihrer aktiven Zeit.
OLAF THON: Nein, das kann man nicht miteinander vergleichen. Als wir 1988 im EM-Halbfinale gegen die Niederländer gespielt haben oder im WM-Achtelfinale 1990 – das war ja damals der pure Hass. Große Fußball-Highlights ganz sicher, aber ein bisschen zu viel des Guten, was die Rivalität anging. Ich habe mich zum Glück immer ein bisschen davon frei machen können.

Auch im EM-Halbfinale 1988, als Holland-Libero Ronald Koeman nach der Partie vor den holländischen Fans in Hamburg so tat, als würde er sich mit Ihrem Trikot den Hintern abwischen?
Ich habe immer gesagt: Besser er wischt sich mit dem Trikot den Hintern ab, als dass er mir von hinten in die Achillessehne tritt.

EM-Skandal 1988: Ronald Koeman hält das Trikot von Olaf Thon dorthin, wo es nicht hingehört.
EM-Skandal 1988: Ronald Koeman hält das Trikot von Olaf Thon dorthin, wo es nicht hingehört. © imago

Hat sich Koeman, der heutige Bondscoach der Niederländer, eigentlich mal persönlich bei Ihnen entschuldigt?
Ich habe in Zeitungen davon gelesen, dass er die Aktion bereut hat. Es sollte auch mal ein Treffen zwischen uns arrangiert werden, doch dazu ist es nicht gekommen. Für mich ist es verständlich, dass ich noch heute mit dieser Geschichte konfrontiert werde. Vergessen wird man das wohl nie. Die Niederländer haben 1988 verdient gegen uns gewonnen, wir haben uns zwei Jahre später bei der WM revanchiert.

Heute hat sich das Verhältnis der beiden Fußballnationen entspannt. Was für ein Duell erwarten Sie am Samstag?
Die niederländische Mannschaft war in den 1980er und 1990er-Jahren viel besser als heute. Jetzt kommt das Team gerade aus einem Tief, hat die EM 2016 und die WM 2018 verpasst. Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe, Deutschland ist auch nicht in Topform, speziell die Schwächephase des FC Bayern könnte zum Problem werden. Hoffentlich erwischt Manuel Neuer einen guten Tag. Er hatte zuletzt auch nicht das Glück an seinen Händen.

Das sagt Olaf Thon über die Krise des FC Bayern

Präsident und Trainer des FC Bayern: Uli Hoeneß (r.) und Niko Kovac.
Präsident und Trainer des FC Bayern: Uli Hoeneß (r.) und Niko Kovac. © firo/Augenklick


Sie sprechen die Bayern-Krise an. Wie abhängig ist Löw von den Münchnern?
Bayern stellt die meisten Spieler der Nationalelf, ist national das Maß der Dinge. Deshalb habe ich schon ein bisschen Sorge. Speziell die Innenverteidiger der Bayern haben zuletzt haarsträubende Fehler gemacht. Löw muss den Spielern das Fußball-ABC wieder beibringen: Stellungsspiel, Einsatz, Spielfreude. Es waren in den vergangenen Wochen aber nicht nur die Innenverteidiger Mats Hummels, Jérôme Boateng und Niklas Süle außer Form. Thomas Müller etwa trifft das Tor nicht mehr. Müller kann man die Attribute, die ich eben genannt habe, nie absprechen. Er gibt immer alles für die Mannschaft. Müller muss die anderen jetzt mitziehen, Charakter zeigen. Bei mir wäre Müller gesetzt in der Offensive.

Krisen-Wiesn: Den Bayern fällt das Lachen schwer


Thon: Gegen die Niederlande werden wir auf keinen Fall verlieren

Dort, im Angriff der DFB-Elf, hat es in jüngerer Vergangenheit besonders gehakt. Wie kann Löw dieses Problem beheben?
Es ist bitter, dass Marco Reus jetzt ausfällt, er wäre wichtig gewesen. Ein Patentrezept habe ich nicht, seit Miroslav Kloses Rücktritt fehlt ein zentraler Stürmer. Vielleicht sollte es Löw mit einer flexibleren Grundordnung probieren. Zwei offensive Außenverteidiger in einem 3-5-2-System wären eine Option. Joshua Kimmich könnte rechts spielen und der Augsburger Philipp Max links. Aber auf den setzt Löw ja bisher nicht, ebenso wie auf Leroy Sané. Es wäre wichtig, mal was Neues zu wagen – wie die Niederländer.

Inwiefern?
Es geht gerade ein Ruck durch den niederländischen Fußball, Ajax Amsterdam und die PSV Eindhoven spielen wieder richtig stark. Das junge Ajax-Team hätte kürzlich mit etwas mehr Glück gegen den FC Bayern gewinnen können. Man kann sich aktuell schon etwas abschauen von den Niederländern.

Werden es trotzdem zwei erfolgreiche Spiele für die DFB-Elf am Samstag gegen die Niederlande und am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich?
Das Spiel gegen die Niederlande werden wir auf keinen Fall verlieren. Gegen Frankreich wird es dann noch schwerer. Meine Hoffnung ist, dass die deutsche Mannschaft am Samstag gewinnt und dann mit breiter Brust nach Frankreich reist. Dann ist vielleicht etwas möglich.

Und falls nicht? Muss Löw um seinen Job bangen, wenn Deutschland in der Nations League absteigt?
Löw hätte schon nach der WM abtreten können. Jetzt steht die Liga wieder hinter ihm, der DFB auch. Man sollte ihm auf jeden Fall noch dieses Jahr Zeit geben, aber klar: Löw muss sich beweisen.

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