Neues Nachwuchszentrum: Das Millionen-Sparprogramm

Der FC Bayern stellt die Weichen für die Zukunft. Gerland wird neuer sportlicher Leiter des Nachwuchszentrums. Er soll neue Stars züchten
| Julian Buhl
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Grundsteinlegung mit OB Reiter (r.) und Rummenigge (2.v.r.).
Rauchensteiner/Augenklick 3 Grundsteinlegung mit OB Reiter (r.) und Rummenigge (2.v.r.).
Einst von Gerland an die Profis herangeführt: Lahm.
Rauchensteiner/Augenklick 3 Einst von Gerland an die Profis herangeführt: Lahm.
Schaffte ebenfalls den Sprung zur den Profis: Badstuber.
Rauchensteiner/Augenklick 3 Schaffte ebenfalls den Sprung zur den Profis: Badstuber.

München - Hermann Gerland schlenderte über den Übungsplatz der Profis des FC Bayern an der Säbener Straße. Die Hände hatte der 62-Jährige tief in den Taschen seiner Trainingsjacke vergraben, den Blick nach unten gerichtet, um den Hals und vor seinem kleinen Bäuchlein baumelte eine Stoppuhr.

Es war gestern eigentlich alles wie immer. Und wenn Gerland da mit langsamen Schritten so vor sich hintigert, ist er zumindest von weitem kaum von Carlo Ancelotti, 57, dem Chefcoach der Bayern, zu unterscheiden. Vor allem dann nicht, wenn beide auch noch die gleiche Schirmmütze tragen. Die Verwechslungsgefahr zwischen Ancelotti und seinem Co-Trainer und Körper-Double wird sich zukünftig aber deutlich verringern – zumindest auf dem Trainingsplatz. Dort werden sich die beiden in der kommenden Saison nämlich nicht mehr begegnen.

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Denn der FC Bayern verkündete nun offiziell: Gerland wird ab Sommer nicht mehr als Co-Trainer der Profis arbeiten. Stattdessen soll er als neuer sportlicher Leiter des Leistungszentrums die mäßige Nachwuchsarbeit der Münchner auf Kurs bringen. "Was in den vergangenen Monaten in der Nähe der Allianz Arena entstanden ist, ist unglaublich", sagte Gerland: "Ich freue mich darauf, Teil dieses spannenden Projekts zu werden." Gerlands neue Funktion bringt weitere Veränderungen mit sich.

Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen dazu:

Wird Gerland der alleinige Nachwuchsboss?

Nein. Gerland übernimmt die sportliche Leitung. Offizieller Leiter des Leistungszentrums wird Jochen Sauer, der für administrative Aufgaben zuständig sein wird. Der 44-Jährige war zuletzt viereinhalb Jahre als Geschäftsführer bei Red Bull Salzburg. Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge glaubt nun, „die Führung des Nachwuchsbereichs in erfahrene Hände übergeben“ zu haben: „Insbesondere freue ich mich, dass Hermann die sportliche Leitung übernimmt, dessen große Verdienste für unseren Klub insbesondere in der Jugendarbeit unbestritten sind.“

Was zeichnet Gerland aus?

Der "Tiger", wie ihn die Profis nennen, gilt als Entdecker und Förderer von Philipp Lahm, Thomas Müler, Holger Badstuber oder Bastian Schweinsteiger. Mats Hummels prophezeite der Ex-Nachwuchscoach eine große Karriere und sprach sich 2008 vergeblich gegen einen Transfer nach Dortmund aus. Gerland gilt als Mann klarer Worte. Unter Jupp Heynckes, Louis van Gaal und Pep Guardiola konnte er zudem wertvolle Erfahrungen sammeln.

Was passiert mit Gerlands Vorgängern?

Wolfgang Dremmler, bisheriger Abteilungsleiter Junior Team, geht am Saisonende in den Ruhestand. Heiko Vogel, sportlicher Leiter U16 bis U23, verlässt die Münchner "in beiderseitigem Einvernehmen". Als U23-Coach ist nun Mark van Bommel im Gespräch.

Wann wird das Nachwuchsleistungszentrum eingeweiht? 

Im Sommer wird das mehr als 70 Millionen Euro teure Nachwuchsleistungszentrum im Norden Münchens mit Blick auf die Allianz Arena eröffnet werden.

Was sind die Ziele?

Die Investition ins Zentrum ist zugleich als Millionensparprogramm avisiert. Bayern will sich im Angesicht der immer irrwitziger werdenden Ablösesummen eigene Stars züchten und so Abermillionen sparen. Auch "eine große bayerische Komponente" (Rummenigge) soll es bei Bayern geben. "Im Nachwuchsbereich haben wir nicht gut gearbeitet", sagt Präsident Uli Hoeneß über "die Schwachstelle des Vereins". Der bislang Letzte, der es ins Profiteam schaffte, war David Alaba (24).

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Die A-Junioren waren zuletzt vor 13 Jahren Meister, die B-Junioren vor zehn. Nun müsse man "nicht nur Steine, sondern auch Beine hervorbringen. Wenn man so ein tolles Ding hat, muss man auch alle drei Jahre einen Spieler für die erste Mannschaft rauskriegen."

So, wie das mit der Generation Schweinsteiger/Lahm gelungen war.

 

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