Interview

Mario Gomez im AZ-Interview: "Müller wird mal die Klopp-Rolle übernehmen"

Der ehemalige Bayern-Spieler spricht im exklusiven AZ-Interview über die Qualitäten des Bayern-Stars, seine Königsklassen-Favoriten und Leroy Sané: "Ich freue mich wahnsinnig für ihn."
| Maximilian Koch
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Diese Champions-League-Saison als Experte für Amazon Prime Video tätig: Mario Gomez.
Diese Champions-League-Saison als Experte für Amazon Prime Video tätig: Mario Gomez. © imago images/MIS

München - Mario Gomez im AZ-Interview: Der 36-Jährige spielte von 2009 bis 2013 beim FC Bayern und gewann das Triple. In dieser Saison ist er als Champions-League-Experte bei Amazon Prime Video im Einsatz.

AZ: Herr Gomez, was ist eigentlich leichter: Champions-League-Spiele zu analysieren als neuer Experte bei Amazon Prime Video – oder selbst in der Königsklasse zu treffen? Sie waren in 44 Partien immerhin 26 Mal erfolgreich.
MARIO GOMEZ: Das Toreschießen in der Champions League ist natürlich viel schwieriger, wobei ich sagen muss, dass es dir in einer Mannschaft wie Bayern München leichter fällt als in vielen anderen Teams. Ich hatte die Möglichkeit, vier Jahre für Bayern in der Champions League zu spielen, daher kommt diese gute Quote zustande. Jetzt spreche ich über Fußball – und das macht mir großen Spaß. Wobei dem Ganzen aktuell ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Inwiefern?
Da wird zum Teil bis ins kleinste Detail analysiert, wie wir uns vor der Kamera angestellt haben. Das ist schon amüsant. Wir sind letztlich alle Fußballer und sprechen einfach über Fußball. Ich verstehe, dass die Konkurrenz mittlerweile groß ist, es gibt viele Anbieter, viele Experten. Man wird verglichen, das ist eine Grundtugend des Menschen. Ich tue das nicht. Ich will nicht wie andere, sondern ich selbst sein. Wenn das den Zuschauern und dem Sender gefällt, ist es schön.

Gomez: "Klopp ist einfach ein unglaublicher Menschenfänger"

Haben Sie ein Vorbild als Experten?
Vorbild nicht, nein. Aber ich bin ein großer Fan von Jürgen Klopp. Egal ob ich ihn als Experten im Fernsehen gesehen habe oder als gegnerischen Trainer an der Seitenlinie: Jürgen Klopp ist einfach ein unglaublicher Menschenfänger, dem man immer gerne zuhört. Ich habe das mal mit Thomas Müller verglichen. Deshalb tippe ich auch, dass der Thomas Klopps Nachfolger wird – was auch immer er nach seiner aktiven Karriere genau machen wird. Aber Thomas wird die Klopp-Rolle übernehmen. Zurück zu Ihrer Frage: Am wichtigsten ist es als Experte, bei sich selbst zu bleiben.

Sehr erfolgreich im Fußballgeschäft, Lieblinge der Massen: Bayerns Thomas Müller (l.) und Liverpool-Trainer Jürgen Klopp.
Sehr erfolgreich im Fußballgeschäft, Lieblinge der Massen: Bayerns Thomas Müller (l.) und Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. © imago images/Uwe Kraft

Bevor Thomas Müller Trainer oder Experte wird, spielt er zunächst noch einige Jahre Fußball – weiter auf Topniveau. Wir blicken Sie auf die Karriere ihres Ex-Kollegen?
Er war fast nie verletzt, war immer da, auch mental, was das Schwerste ist. Er hatte eine Schwächephase unter Niko Kovac. Das war's. Ansonsten spielt der Junge seit zwölf Jahren auf absolutem Weltklasseniveau. Thomas spielt zwar nicht elegant, aber er ist auf seine Art Weltklasse. Es gibt wenige Spieler weltweit, die einen so großen Wert für ihre Mannschaft haben wie er. Bayern weiß das auch zu schätzen. Allerdings hätte ich mir aus dem Verein ein wenig mehr Rückendeckung gewünscht, als es unter Kovac nicht so gut lief für Thomas. Letztlich wusste ja jeder, was man an Thomas hat. Da hätte eigentlich gar nicht Hansi Flick kommen müssen, um das wieder geradezubiegen. Thomas hat sich längst wieder aus dem kleinen Loch herausgezogen. Ich fühle mich gerade ein wenig wie sein Pressesprecher (lacht). Aber ich mag den Typen einfach! In Spielen ist er überragend – bei den Interviews danach natürlich auch.

Gomez: Bayern und Chelsea Favoriten auf CL-Titel

Hat Bayern mit dem souveränen 3:0-Sieg beim FC Barcelona gezeigt, dass der Champions-League-Titel in dieser Saison realistisch ist?
Unabhängig von diesem Spiel war mir klar, dass die ersten 15, 16 Spieler von Bayern unglaublich sind. Das sind alles Weltklassespieler. Ich will gar nicht wissen, wie gut die Mannschaft spielt, wenn alle Spieler gesund bleiben und sie Julian Nagelsmanns Philosophie komplett verinnerlicht hat. Deshalb ist Bayern für mich neben Chelsea der Topfavorit auf den Titel. Chelsea hat viel Selbstbewusstsein durch den Triumph vergangene Saison – und Romelu Lukaku ist im Angriff eine riesige Verstärkung. Thomas Tuchel ist für mich zudem einer der drei, vier besten Trainer der Welt, er weiß jetzt, wie man den Henkelpott holt. Chelsea ist wirklich sehr stark.

Und sonst?
Außerdem darf man Real Madrid nie vergessen – und Manchester City. Das ist ein überragendes Team mit einem überragenden Trainer: Pep Guardiola. Sie werden den nächsten Anlauf starten. Liverpool mit Jürgen Klopp sehe ich als Geheimfavoriten.

In Ihrer Liste der Favoriten fehlt Paris Saint-Germain, obwohl die Franzosen rund um Lionel Messi eine Weltauswahl haben. Warum?
Paris ist von den Namen her natürlich der Topfavorit. Aber ich habe es im Fußball selbst erlebt, dass nicht die Teams mit den besten Einzelspielern triumphieren, sondern die Mannschaften mit dem besten Zusammenhalt. Bayern hat ziemlich viele der besten Spieler und gleichzeitig eine homogene Mannschaft. Die Vertragsverlängerungen von Joshua Kimmich und Leon Goretzka waren klare Zeichen, dass die Mannschaft lebt und weiter hohe Ziele hat. Auch bei Manuel Neuer und Robert Lewandowski ist die Leidenschaft der Hammer. Dieser Spirit sorgt dafür, dass Bayern immer die Champions League gewinnen kann. Das muss Paris erstmal nachweisen.

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Wie sehen Sie die Bayern-Mannschaft insgesamt aufgestellt für die Zukunft?
Bayern hat einen gewaltigen Vorteil gegenüber vielen anderen Topteams: eine gewachsene Struktur. So konnte die Mannschaft auch zwei Umbrüche in den vergangenen zehn Jahren überstehen – sogar die Abschiede von Franck Ribéry und Arjen Robben wurden aufgefangen. Das waren in den großen Spielen die entscheidenden Akteure. Bayern hat es immer geschafft, sich rechtzeitig zu verjüngen. Jetzt sind mit Kimmich und Goretzka schon wieder die neuen Führungsspieler für die Zeit nach Neuer, Lewandowski und Müller da, dazu weitere Topspieler wie Serge Gnabry, den ich sehr schätze, Dayot Upamecano, den künftigen Abwehrchef, oder auch Jamal Musiala. Wir wissen wahrscheinlich noch gar nicht, wie glücklich wir sein können, dass sich Musiala für Deutschland und nicht für die englische Nationalmannschaft entschieden hat. Bayern ist wieder einmal bestens gerüstet für die Zukunft. Auch Leroy Sané ist wieder voll da. Ich hoffe, er zieht das jetzt durch.

"Leroy ist extrovertiert, aber keiner, der groß herumposaunt. Er will einfach nur kicken", sagt Gomez über Bayern-Star Sané.
"Leroy ist extrovertiert, aber keiner, der groß herumposaunt. Er will einfach nur kicken", sagt Gomez über Bayern-Star Sané. © picture alliance/dpa

Nachdem er zuletzt oft kritisiert worden war.
Man stellt in Deutschland oft den Charakter in Frage. Dabei gibt es immer wieder Phasen in einer Karriere, in denen es nicht optimal läuft. Klar: Leroy ist extrovertiert, aber keiner, der groß herumposaunt. Er will einfach nur kicken. Julian Nagelsmann hat sich Gedanken gemacht, Leroy auf die linke Seite gestellt, sich mit ihm intensiv beschäftigt und es funktioniert wieder. Ich freue mich wahnsinnig für ihn.

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