Kapitän des FC Bundestag: Marcus Weinberg spricht im AZ-Interview

Marcus Weinberg spricht hier über seine Rolle als Kapitän des FC Bundestag, Fußballbegeisterung im Parlament, abgelehnte Mitgliedsanträge der AfD und eine Einladung an Bayerns Nationalspieler.
| Julian Buhl
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"Wir haben knapp 70 Mitglieder. Die Zusammensetzung ist bunt, wir haben alle Fraktionen bei uns, jetzt auch die AfD", sagt Marcus Weinberg, der Kapitän des FC Bundestag.
Studio Kohlmeier "Wir haben knapp 70 Mitglieder. Die Zusammensetzung ist bunt, wir haben alle Fraktionen bei uns, jetzt auch die AfD", sagt Marcus Weinberg, der Kapitän des FC Bundestag.

Marcus Weinberg (50) ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2014 familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seit 2013 ist er auch Kapitän des FC Bundestag.

AZ: Herr Weinberg, der FC Bayern spielt am Samstag gegen Hertha BSC. Wie stehen Sie als Mitglied des Bundestags und somit auch Wahlberliner zu dieser Partie?
Marcus Weinberg: Als Hamburger Jung neutral. Ich bin selbst 1976 beim FC St. Pauli eingetreten, habe dort gespielt und bin immer noch Dauerkartenbesitzer. Und dank einer aus meiner Sicht unerklärbaren Leidenschaft meines Sohnes auch häufig beim HSV. Aber ich muss Ihnen etwas gestehen…

Was denn?
Na ja, da ja St. Paulis fußballerische Fähigkeiten sehr überschaubar sind, war ich in meiner Jugend auch Fan des FC Bayern. Das bin ich geworden, als sie 1976 gegen St. Etienne den Europapokal der Landesmeister gewonnen haben. Ich habe damals sogar in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Gegen Hertha drücke ich den Bayern jetzt ein wenig Daumen. Wahrscheinlich auch aus Eigennutz.

Wieso?
Weil ich ein paar Bayern-Spieler bei Bundesliga-Managerspielen gekauft habe. Wenn bei Bayern Tore fallen, schaue ich immer gleich, ob einer meiner Spieler getroffen hat.

"Ich gehöre zu denen, die fußballverrückt sind"

Sie erwähnten eingangs, dass Sie bei St. Pauli gespielt haben? Wie ambitioniert denn?
Ach, nur ein paar Jahre. Ich war ein ganz normaler, kleiner Jugendspieler – und auch nicht allzu überbegabt.

Nun haben Sie Ihr Hobby mit Ihrem Beruf verbunden und sind Kapitän des FC Bundestag. Wie kam das?
Ich gehöre zu denen, die fußballverrückt sind und wenn sie einen Ball sehen, nicht an sich halten können. Da gibt es auch im Bundestag einige von. Der FC Bundestag hat eine lange Tradition und wurde 1961 gegründet. Als ich 2005 in den Bundestag kam, hat mir ein Kollege gleich gesagt, dass ich mir dienstagabends dafür frei halten soll. Seitdem spiele ich beim FC Bundestag, wurde 2013 Kapitän.


Marcus Weinberg. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Wie setzt sich der FC Bundestag zusammen?
Wir haben aktuell knapp 70 Mitglieder. Die Zusammensetzung ist bunt, wir haben alle Fraktionen bei uns, jetzt auch die AfD. Wir absolvieren im Sommer um die 13 Spiele draußen, spielen Benefizturniere oder auch mal international, wie im Oktober gegen das israelische Parlament.

Haben Sie auch noch zusammen mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, von 2002 bis 2016 Mitglied des Bundestages, gespielt?
Er war bis zum Schluss auch Mitglied beim FC Bundestag, hat aber nur einmal bei einem Spiel draußen mitgewirkt. Als er ging, hat er natürlich ein unterschriebenes Trikot von uns geschenkt bekommen. Wir haben ihn damit auch gleich daran erinnert, dass wir ja einen neuen Trikotsatz der Nationalmannschaft bräuchten. Wir dürfen diese offiziell tragen.

"Aktuell haben wir zwei AfD-Mitglieder"

Und wann spielen Joachim Löw und Thomas Müller mal bei Ihnen mit?
Dass uns oder die Gegner einzelne bekannte Spieler verstärken, kommt häufiger vor. Als wir in Israel gespielt haben, war bei uns zum Beispiel Hansi Pflügler dabei. Früher hat man auch mal zusammen mit Wolfgang Overath gespielt. Und 1961 waren sogar Fritz Walter und Sepp Herberger mit dabei.

Auch einige Mitglieder der AfD wollten Mitglied bei Ihnen werden. Können Sie noch mal kurz aufklären, warum manche aufgenommen wurden – und andere nicht?
Es hatten fünf Kollegen der AfD den Antrag gestellt. Davon haben wir drei Kollegen neu aufgenommen, einen abgelehnt und einen anderen vertagt. Letzterer und ein bereits aufgenommener Kollege haben ihre Anträge nun zurückgezogen. Herrn Münzenmaier (nach einem gewalttätigen Vorfall in der Hooligan-Szene vorbestraft; d. Red.) haben wir nicht aufgenommen. Aktuell haben wir also zwei AfD-Mitglieder.

Die will jetzt den "Alternativen FC Bundestag" gründen. Was halten Sie davon?
Die AfD kann machen, was sie will. Ich wünsche ihnen dann viele Spiele, zum Beispiel gegen Flüchtlingsmannschaften. Wir sind aber der FC Bundestag. Punkt. Und wir als FC Bundestag haben einen gemeinsamen Wertekanon. Wir stehen zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, zu Demokratie und Parlamentarismus und zu Werten wie Toleranz, Respekt und Weltoffenheit. Und stehen zusammen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Gewalt. Einen entsprechenden Text werden wir bei der nächsten Mitgliederversammlung in unsere Satzung aufnehmen.

Wie stehen Sie zu der Idee, Jérôme Boateng einzuladen?
Das war sportlich wie politisch ein kreativer Vorschlag eines Kollegen der Linken. Es gab einen Hinweis auf das Nachbarschaftsthema und er meinte, man könne Jérôme Boateng mal einladen, um die Bewerber beim FC Bundestag einem fußballerischen Eignungstest zu unterziehen. Vielleicht kommen wir darauf zurück. Er kann dann ja auch seinen Bruder (Kevin-Prince; d. Red.) mitbringen…

Lesen Sie hier: Das sagt Heynckes über Lewandowskis Beratertausch

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