Giganten-Kampf um Havertz: Der FC Bayern pokert und geht ein Risiko ein

Europas Topklubs jagen das Juwel aus Leverkusen – auch der FC Bayern. Doch in der Corona-Zeit sind Mega-Transfers unwahrscheinlich. "Es reicht nicht, ein großes Talent zu sein", sagt Bixente Lizarazu.
| Maximilian Koch
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Fall Breitner: Leverkusens Rudi Völler zeigt Verständnis für Bayern-Präsident Hoeneß
dpa 3 Fall Breitner: Leverkusens Rudi Völler zeigt Verständnis für Bayern-Präsident Hoeneß

München - In der Corona-Krise sitzt das Geld bei den europäischen Großmächten nicht mehr ganz so locker wie zuvor, das hat auch Rudi Völler (60) registriert. Doch der Geschäftsführer Sport von Bayer Leverkusen hofft noch immer auf einen gewaltigen Geldsegen – in diesem oder im nächsten Sommer.

Fall Breitner: Leverkusens Rudi Völler zeigt Verständnis für Bayern-Präsident Hoeneß
Fall Breitner: Leverkusens Rudi Völler zeigt Verständnis für Bayern-Präsident Hoeneß © dpa

Der Transfermarkt sei derzeit ein anderer, "vielleicht teilweise ein bisschen eingebrochen", sagte Völler bei Sky. Das gelte "sicherlich für viele Spieler, aber nicht für Künstler wie Kai Havertz".

Havertz vor Wechsel: "Ich bin bereit, einen großen Schritt zu machen"

Havertz, gerade 20 Jahre jung und schon bei einem Marktwert in Höhe von 81 Millionen Euro angekommen (Quelle: transfermarkt.de), ist der begehrteste Spieler in Völlers Klub. Und deshalb beharrt Bayer weiter auf einer Ablösesumme im dreistelligen Millionenbereich für Havertz, dessen Vertrag noch bis 2022 Gültigkeit besitzt. "Ich habe immer so eine kleine Hoffnung, dass wir ihn hier noch ein Jährchen behalten können und dürfen", führte Völler weiter aus. Doch der Spieler hat andere Pläne.

Am liebsten würde sich Havertz bereits nach dieser Saison einem neuen Verein anschließen. Um den Mittelfeldakteur, der als erster Profi der Bundesliga-Geschichte 35 Tore vor seinem 21. Geburtstag erzielte, hat sich längst ein Kampf der europäischen Giganten entwickelt.

Real Madrid, der FC Liverpool, Manchester City, der FC Barcelona, Manchester United, der FC Chelsea und der FC Bayern: Die Liste der Interessenten ist lang und prominent. Havertz kann sich seinen künftigen Klub aussuchen, Real Madrid soll laut einem Bericht der "Bild" bereits mit einer ersten Offerte gescheitert sein. "Ich bin bereit, einen großen Schritt zu machen, und ich mag Herausforderungen. Dazu zählt für mich auch das Ausland", sagte das deutsche Toptalent der "Sport Bild".

Sané oder Havertz? "Es reicht nicht, ein großes Talent zu sein"

Der FC Bayern ist deshalb allerdings keineswegs raus aus dem Rennen um Havertz. Der Youngster weiß, dass Bayern-Coach Hansi Flick ihn sehr schätzt und gern im Team der Münchner sehen würde. Diesen Wunsch bekräftigte Flick nochmals in der Pressekonferenz am Freitag. "Ich glaube, es gibt wenige Trainer, die was dagegen hätten, wenn Kai Havertz in ihrer Mannschaft spielen würde. Da würde ich mich auch einschließen", sagte der 55-Jährige.

Doch trotz des Lobes hat die Havertz-Seite gleichzeitig mitbekommen, dass für Bayern ein Transfer von Leroy Sané (24/Manchester City) in diesem Sommer Priorität hat. Es ziehe Havertz aktuell "nicht klar in Richtung München", schreibt der "Kicker".

Verpokert sich Bayern, wenn man in der Transferperiode 2020 auf Sané setzt und Havertz erst 2021 holen will?

Bixente Lizarazu sei sich noch nicht sicher, ob Kouassi im Abwehrzentrum oder in der Sechser-Position seinen Platz bei Bayern findet.
Bixente Lizarazu sei sich noch nicht sicher, ob Kouassi im Abwehrzentrum oder in der Sechser-Position seinen Platz bei Bayern findet. © sampics/AK

"Sané und Havertz sind beide sehr gute Spieler", erklärt Bayern-Legende Bixente Lizarazu im Gespräch mit der AZ: "Es ist schwer zu sagen, welcher der beiden Spieler sich schneller bei Bayern eingewöhnen würde." Havertz sei "gerade in Topform, er hat großes Selbstvertrauen. Aber Bayern ist ein anderes Level als Leverkusen."

Was Lizarazu damit genau meint: "Es reicht nicht, ein großes Talent zu sein. Du musst bei einem Topklub wie Bayern auch mental sehr stark sein, ein großer Kämpfer. Du musst Charakter haben. Es gab auch ganz große Talente, die es bei Bayern nicht geschafft haben."

Mario Götze etwa, der 2013 als "Jahrhunderttalent" von Borussia Dortmund zu Bayern kam, aber nie richtig glücklich wurde und nach aktuellem Stand keinen Verein hat in der nächsten Saison.

Havertz-Wechsel: Welche Rolle spielt Thiago?

Eine solche Entwicklung ist bei Havertz nicht zu erwarten, er wird von Wegbegleitern als kompletter Fußballer beschrieben und mental als äußerst stabil. Eigenschaften, die man selbstverständlich auch bei Bayern registriert hat.

"Kai Havertz würden wir sicherlich gerne haben, aber derzeit, Stand heute, kann ich es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen", sagte Bayerns Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied Uli Hoeneß jüngst erst dem BR. Grund für den Pessimismus: Na klar, die Finanzen in der Corona-Zeit. Aber vielleicht tut sich ja auch noch was auf der Verkaufsseite bei Bayern.

Thiago zögert noch mit einer Verlängerung seines Vertrages beim FC Bayern.
Thiago zögert noch mit einer Verlängerung seines Vertrages beim FC Bayern. © Rauchensteiner / Augenklick

Corentin Tolisso (25) könnte den Klub im Sommer verlassen, ebenso Javi Martínez (31). Und auch bei Thiago (29) steht nach wie vor eine Entscheidung aus. Der Spanier, dessen Vertrag 2021 ausläuft, zögert mit einer Verlängerung. Laut "Bild" denkt er über eine Rückkehr in die Heimat nach, die Tendenz geht jedoch dahin, dass Thiago bleibt.

Nur bei hohen Ablöseeinnahmen wäre ein Havertz-Transfer 2020 wohl für Bayern zu stemmen. Die Münchner hoffen auf 2021. Falls Havertz dann noch auf dem Markt ist.

Lesen Sie hier: Nebendarsteller des FC Bayern - Lizarazu erkennt bei Coman ein Manko

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