Generation Gier: Kimmich und Goretzka leben die besondere Bayern-Mentalität vor

Beim Sieg gegen Lokomotive Moskau sorgen Bayerns neue Anführer Joshua Kimmich und Leon Goretzka für die Tore. Stefan Effenberg adelt Kimmich und sagt: "Der gehört eigentlich in unsere Generation."
| Maximilian Koch
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Gehören mittlerweile zu den Anführern beim FC Bayern: Leon Goretzka und Joshua Kimmich (beide vorne).
Gehören mittlerweile zu den Anführern beim FC Bayern: Leon Goretzka und Joshua Kimmich (beide vorne). © Maxim Shemetov/Reuters Pool/dpa

München/Moskau - Das Chefduo im Mittelfeld des FC Bayern ließ sich beim Gastspiel in Moskau durch nichts und niemanden aufhalten – auch nicht durch kuriose Trikotpannen.

Joshua Kimmich, der Siegtorschütze zum 2:1, spielte eine Halbzeit lang mit einem schwarzen Sponsoren-Logo auf dem Leiberl, während seine Kollegen das neon-orange "T" präsentierten. Und bei Goretzka, Bayerns Muskelmann, platzte die Naht des Trikots am linken Oberarm, als er mit Vorlagengeber Benjamin Pavard den Treffer zum 1:0 feierte. War ja nur eine Frage der Zeit – scherzten einige Beobachter, die Goretzkas Transformation vom "Hemd" zum "Hulk" im vergangenen halben Jahr mit Erstaunen verfolgt haben.

Kimmich und Goretzka machen den Unterschied

Kimmich und Goretzka: Erneut waren es die beiden Nationalspieler, die für Bayern den Unterschied ausmachten. Gemeinsam mit Manuel Neuer natürlich, der die etlichen Abwehrfehler seiner Kollegen gegen Lokomotive ausbügelte. Dabei wäre Kimmich beinahe zum "Idioten" avanciert, wie er selbst sagte. Der Grund: seine vergebene Großchance aus kurzer Distanz Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 1:0 für Bayern. "Ich habe den Ball schon auf mich zufliegen sehen und gedacht: 'Den musst du jetzt machen, sonst bist du der Idiot hier'", erklärte Kimmich bei Sky: "Am Ende war ich der Idiot." Aber nur am Ende dieser Aktion, denn später rettete er die Münchner mit seinem Volleytreffer zum 2:1. "Ich war es der Mannschaft auf jeden Fall schuldig", sagte er.

Das 2:1 erzielte Joshua Kimmich im richtigen Trikot.
Das 2:1 erzielte Joshua Kimmich im richtigen Trikot. © imago images / MB Media Solutions

Genau diese Einstellung, bis zum Schluss an den Sieg zu glauben und selbst Verantwortung zu übernehmen, leben Kimmich und Goretzka vor. Sie, die Generation Gier, die auch nach fünf Titeln in einem Jahr nicht genug hat. Trainer Hansi Flick lobte die "Moral" seiner Mannschaft, "dass man, auch wenn der Gegner ein bisschen die Oberhand gewinnt, trotzdem die Qualität hat, das 2:1 zu machen".

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Effenberg: "Kimmich ist zum Anführer gereift"

Das imponierte auch Stefan Effenberg. Der "Tiger", 2001 Kapitän der Bayern-Mannschaft, die in Mailand die Champions League gewann, sagte bei "Sport1": "Kimmich hat eine extrem tolle Entwicklung genommen, ist zum Anführer gereift. In der zentralen Rolle fühlt er sich pudelwohl und ist enorm wichtig – nicht nur für den FC Bayern, sondern auch für die Nationalmannschaft."

Effenberg schwärmte weiter von Kimmichs Interviews: "Er gibt mal Kontra, steht dazu, kippt nicht um." Dann schaute Effenberg Mario Basler an, der ihm gegenüber am Experten-Tisch saß und sagte: "Der gehört eigentlich in unsere Generation, oder, Mario?" Baslers Antwort: "Ja, wir hätten ihn bei uns gut aufgenommen."

Holte mit dem FC Bayern den Champions-League-Titel: Stefan Effenberg.
Holte mit dem FC Bayern den Champions-League-Titel: Stefan Effenberg. © Guido Kirchner/dpa/Archiv

Basler war 2001 zwar nicht mehr dabei, als die Münchner zwei Jahre nach dem Trauma gegen Manchester United endlich den Henkelpott holten, doch er zählte zweifellos zu den Typen mit Ecken und Kanten, die für ein Team eben auch wichtig sind, weil sie ihre Kollegen mitreißen können. Der Prototyp dieses Willensspielers war immer Oliver Kahn, der heute dem Vorstand des FC Bayern angehört. Beim Anblick der Leistungen von Kimmich und Goretzka, den neuen Leitwölfen, dürfte Kahn das Herz aufgehen.

Kimmich und Goretzka: Vorbilder auf und neben dem Platz

Sie marschieren auf dem Spielfeld voran und sind auch außerhalb Vorbilder, ideale Repräsentanten des Klubs. Gerade erst erhielten Kimmich und Goretzka von der bayerischen Staatsregierung den "Sonderpreis für beispielhaftes Engagement zur Bewältigung der Corona-Pandemie" für ihre Initiative "WeKickCorona".

Moderne Führungsspieler, für Flick unverzichtbar. Der Coach richtete den Blick schnell nach vorn, bereits Mittwochnacht landete der Bayern-Tross wieder in München. "Arbeitssieg, abhaken – und jetzt bereiten wir uns auf Köln vor", sagte er.

Beim Bundesliga-Spiel am Samstag soll auch Goretzka trotz Wadenproblemen dabei sein, Kimmich sowieso. Bleibt eigentlich nur eine Frage: Klappt diesmal alles mit den Trikots?

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren