Gehaltswende und Transfer-Komitee: Wer beim FC Bayern jetzt entscheidet
An der Säbener Straße ist trotz Sommerpause schon wieder einiges geboten für alle Bayern-Fans, die einen Blick aufs Trainingsgelände erhaschen wollen. Serge Gnabry und Lennart Karl absolvierten nach ihren schweren Verletzungen, die beide die WM-Teilnahme kosteten, bereits wieder individuelle Einheiten. Zudem wird gerade mit schwerem Gerät ein neuer Trainingsplatz gebaut. In einer Woche, am 20. Juli, bittet Trainer Vincent Kompany dann zum ersten Training der Vorbereitung – noch ohne zahlreiche WM-Fahrer.
Neues Transferkomitee bestimmt Einkaufspolitik
Spannender als das, was derzeit sportlich beim FC Bayern passiert, sind zweifellos die Geschehnisse hinter den Kulissen und auf dem Transfermarkt. Mit Linksverteidiger Nathaniel Brown (für 55 Millionen Euro Ablöse von Eintracht Frankfurt) und Angreifer Ismael Saibari (ebenfalls für 55 Millionen Euro von der PSV Eindhoven) haben die Münchner bereits zwei teure Kompany-Wunschspieler verpflichtet.

Bevor es zu weiteren Einkäufen kommt, soll Sportvorstand Max Eberl zunächst Spieler verkaufen. Das ist ein Beschluss in Bayerns neuem Transferkomitee, das seit einiger Zeit regelmäßig zusammenkommt und über jeden einzelnen Neuzugang oder Abgang entscheidet.
Diesem gehören nach AZ-Informationen neben Eberl auch Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, Präsident und Aufsichtsratschef Herbert Hainer sowie die Aufsichtsräte Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge an. Erst wenn sich das Quintett auf eine Entscheidung verständigt hat, wird der mächtige Aufsichtsrat einbezogen, der alle Investitionen über 50 Millionen Euro absegnen muss. Dies war unter anderen bei den Transfers von Brown und Saibari der Fall.
Strengere Gehaltsstruktur beim FC Bayern
Eine weitere wichtige Neuerung neben dem Transferkomitee: Bei Bayern wird wieder genauer auf die Höhe der Gehälter geschaut. Eberl hat schon länger den Auftrag, das Gehaltsniveau im Kader zu senken, Summen von 20 Millionen Euro oder mehr jährlich sollen in Zukunft die Ausnahme bleiben.

In der Vergangenheit wurden Spieler wie Harry Kane, Jamal Musiala, Alphonso Davies, Joshua Kimmich oder Dayot Upamecano mit äußerst üppigen Verträgen ausgestattet. Bei Brown und Saibari soll das Transferkomitee hart geblieben sein. Beide Spieler verdienen zwar jetzt deutlich mehr als bei ihren vorherigen Klubs, ihre Jahresgehälter sollen dem Vernehmen nach aber bei weniger als zwölf Millionen Euro liegen.
Verkaufsliste lang, Interesse überschaubar
Von Eberl wird nun gefordert, dass er den Kader verschlankt und neue Klubs für Spieler findet, die keine Zukunft bei Bayern haben. Was sich als durchaus kompliziert gestaltet. Denn für Profis wie die zuletzt verliehenen Bryan Zaragoza, Sacha Boey oder João Palhinha sind bislang keine Angebote bei Bayern eingegangen. An Palhinha, so hört man aus Portugal, soll Benfica Lissabon interessiert sein, als mögliche Ablösesumme stehen 25 Millionen Euro im Raum. Also in etwa die Hälfte, die Bayern 2024 für Palhinha an den FC Fulham zahlte. Es droht ein Verlustgeschäft.

Auch von Hiroki Ito und Minjae Kim würde sich Bayern trennen, doch bislang wurden keine Abnehmer gefunden. Alphonso Davies will nach AZ-Informationen trotz der Brown-Verpflichtung bleiben und um seinen Stammplatz kämpfen. Bislang hat Bayern in dieser Transferperiode bereits Daniel Peretz (FC Southampton), Alexander Nübel (Besiktas Istanbul) und Jonah Kusi-Asare (FC Fulham) verkauft. Noel Aseko, den es zu Eintracht Frankfurt zieht, soll der nächste Abgang sein. Gut 20 Millionen Euro wurden an Transfersummen eingenommen, das soll noch nicht alles gewesen sein.
Eberl und Freund müssen sich empfehlen
Vor Eberl und Sportdirektor Christoph Freund liegen spannende Wochen, zumal sich beide für eine Weiterbeschäftigung empfehlen müssen. Ihre Verträge laufen 2027 aus. Und aktuell ist offen, wie es mit ihnen weitergeht. Auf der nächsten Aufsichtsratssitzung im August soll über beide Personalien gesprochen werden, eine Entscheidung wird wohl erst im November fallen. Der Markt an geeigneten externen Sportmanagern sei derzeit überschaubar, heißt es intern.
Bei CEO Dreesen, der ebenfalls einen Vertrag bis 2027 besitzt, stehen die Zeichen klar auf Verlängerung.

