FC Bayern: Rückkehr von Hoeneß jährt sich: Ein Jahr Uligarchie

Vor zwölf Monaten wird Uli Hoeneß nach seiner Haftstrafe wieder zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. Seine Machtstellung, seine Personalentscheidungen – die AZ zeigt, wie er den Klub seither geprägt hat.
| Maximilian Koch
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Ist und bleibt das Gesicht des FC Bayern München: Uli Hoeneß.
sampics/Augenklick Ist und bleibt das Gesicht des FC Bayern München: Uli Hoeneß.

München - Genau genommen sind es ja zwei Jubiläen, die Uli Hoeneß an diesem Freitag begehen darf. Wobei die Erinnerung an eines der beiden Ereignisse dem Präsidenten des FC Bayern auch heute noch unangenehm sein dürfte. Zehn Jahre ist sie nun schon her, die legendäre Jahreshauptversammlung 2007, als Hoeneß gegen die eigenen Fans wütete.

Beim Tagesordnungspunkt "Wortmeldungen" hatte es doch tatsächlich ein Redner gewagt, die Stimmung in der Allianz Arena und die Ticketpreise zu kritisieren. Anschließend feuerte Hoeneß in den Paulaner-Festsaal am Nockherberg Sätze wie: "Das ist populistische Scheiße!", oder: "Für die Scheiß-Stimmung seid ihr doch verantwortlich, nicht wir!", oder: "Das Stadion hat 350 Millionen gekostet – das ist mit sieben Euro in der Südkurve nun mal nicht zu finanzieren!" 

Hoeneß entschuldigte sich bei RB Leipzig

Verglichen damit, ging es im vergangenen Jahr zu wie auf einem Friedensgipfel. Gut, da waren ein paar kleine Hoeneß-Attacken gegen die Konkurrenz aus Leipzig ("Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind!" – später entschuldigte sich Hoeneß für das Wort und sprach von "Rivale"); und ziemlich viele Fans, die in den überfüllten Audi Dome nicht reinkamen (Hoeneß entschädigte sie Monate später mit Bier und Würstln an gleicher Stelle).

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Aber sonst? Alles freudig in der Bayern-Familie. Die Mitglieder wählten Hoeneß mit 97,7 Prozent der Stimmen zurück ins Präsidentenamt, gaben ihm die erbetene "zweite Chance" nach seiner Gefängnisstrafe. Vor der Jahreshauptversammlung an diesem Freitag blickt die AZ zurück auf ein Jahr Uligarchie.

Hoeneß greift ins Tagesgeschäft ein

Hoeneß’ Einfluss: "Ich war mir sicher, dass es so kommt. Das ist Uli, wie er leibt und lebt", sagte Schalke-Boss und Hoeneß-Freund Clemens Tönnies in dieser Woche im "Kicker" über die Dominanz des Bayern-Bosses. "Er hat immer die Zügel in der Hand gehalten beim FC Bayern." Hoeneß ist nicht nur Präsident, sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender.

Diese Position gibt ihm Macht für Entscheidungen im Tagesgeschäft. Aber aus diesem hat sich der 65-Jährige ja ohnehin nie herausgehalten. "Er ist dabei, die Entscheidungen, zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge, so zu treffen, dass der FC Bayern, den er jahrelang geprägt hat, wieder erkennbarer wird, als das zwischendurch der Fall war", sagte Matthias Sammer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Hoeneß, der mit Rummenigge inzwischen wieder besser harmoniert als in den vergangenen Monaten, engagiert sich, mischt auf allen Ebenen mit. Er ist das Gesicht des Vereins.

Hoeneß steht für Mia-san-Mia-Gefühl

Hoeneß’ Personalentscheidungen: Das Mia-san-Mia-Gefühl, für das Hoeneß steht wie kein Zweiter, hat der Präsident mit den Verpflichtungen einiger Ex-Bayern stärker in den Vordergrund gestellt. Zunächst kam Willy Sagnol als Co-Trainer – der Franzose musste nach dem Aus von Carlo Ancelotti wieder weichen.

Dann installierte er völlig überraschend seinen guten Vertrauten Hasan Salihamdizic als Sportdirektor, gefolgt vom sensationellen Trainer-Comeback des 72-jährigen Jupp Heynckes. Und jetzt auch noch "Mull", Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der ganz offiziell als Mannschaftsarzt wieder nach Muskeln und Sehnen tastet. So viel Bayern-DNA steckte lange nicht mehr in dem Klub.

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Philosophie von Hoeneß nicht unumstritten

Hoeneß’ Angriffsfläche: Unumstritten ist diese Philosophie der Rückbesinnung auf vertraute Werte und Personen nicht. Der benötigte Umbruch – in der Mannschaft, aber auch auf der Führungsebene – wird aktuell nicht konsequent vorangetrieben. Hoeneß sei "noch zu tatkräftig, um loszulassen", sagte etwa Philipp Lahm, der sich mit der Klubführung zunächst nicht auf eine Funktion nach seinem Karriereende einigen konnte.

Der Abschied von Kaderplaner Michael Reschke zum VfB Stuttgart, die Nicht-Verabschiedung von Holger Badstuber, heikle Aussagen zu seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ("Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen") – es gab weitere Kritikpunkte. Die Entlassung Ancelottis, die Hoeneß und Rummenigge beschlossen, zählte freilich nicht dazu. Eines steht fest: "Demütig", wie er es angekündigt hatte, trat Hoeneß im vergangenen Jahr nicht auf. Aber das wäre auch nicht er. Und die Bayern hätten keine Uligarchie.

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