FC Bayern: Gewinner und Verlierer des Topspiels gegen den BVB

Das 2:3 beim Liga-Gipfel in Dortmund liefert der Mannschaft hilfreiche Erkenntnisse. Von Kovac bis Kimmich: Die Gewinner und Verlierer des Topspiels.
| Julian Buhl
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Auf Formsuche: Thomas Müller.
Auf Formsuche: Thomas Müller. © Rauchensteiner/Augenklick

München - Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle gehört für die Verantwortlichen des FC Bayern wohl eher zu den Dingen, die sie in der Länderspielpause vermeiden werden.

Nach dem 2:3 bei Borussia Dortmund ist die Mannschaft von Trainer Niko Kovac sogar auf Platz fünf abgerutscht. Die meisten Sorgen dürften aber freilich die sieben Punkte Rückstand auf Tabellenführer Dortmund bereiten.

Hoeneß: Auf diese Leistung kann man aufbauen

"Ich habe besser geschlafen und bin zufriedener als vor ein paar Wochen, als wir gegen Gladbach verloren haben. Da haben wir schlecht gespielt", sagte Präsident Uli Hoeneß dennoch und berichtete trotz der Niederlage von einem "Superklassespiel": "Da ist jeder auf seine Kosten gekommen, der Fußballfreund ist."

Auch seine Bayern hätten schließlich "eine Stunde überragend gespielt – gegen einen Gegner, der momentan absolute Spitze ist, auch in Deutschland". Auf dieser Leistung könne man "aufbauen", befand Hoeneß, kündigte aber auch an: Wir werden nächstes Jahr, wenn der zweite Schritt des Umbruchs kommt, sicherlich das Mannschaftsgesicht ziemlich verändern.

Die beim Ligagipfel gewonnenen Eindrücke dürften dabei durchaus eine Rolle spielen. Die AZ nennt Bayerns Gewinner und Verlierer:

FC Bayern: Die Verlierer des Spitzenspiels

Manuel Neuer: Nachdem die letzten acht Schüsse auf sein Tor alle reingingen, konnte er sich gegen den BVB mal wieder auszeichnen. Den Elfmeter an Marco Reus verschuldete er aber mit einer unglücklichen und eigentlich unnötigen Aktion. Und motzte hinterher, dass Reus den Kontakt gesucht habe. Der Kapitän ist noch nicht wieder der Alte, genießt bei Bayern aber nach wie vor großes Vertrauen.

Mats Hummels: Er war selbst wohl am meisten von seiner schwachen Leistung geschockt – und ließ sich nach mehreren Aussetzern auswechseln. Anschließend rechtfertigte er seinen trägen Auftritt mit einer (Männer-)Grippe und brachte damit auch noch seinen Trainer in die Bredouille (siehe Niko Kovac). Hoeneß verteidigte Hummels und beichtete, das WM-Finale 1974 ebenfalls angeschlagen gespielt zu haben. "Ich hatte am Abend davor 39 Grad Fieber", sagte der 66-Jährige, der das Bundestrainer Helmut Schön damals (im Gegensatz zu Hummels) verheimlicht hatte: "Kein Mensch hätte mich spielen lassen. Aber ein WM-Endspiel gibt es natürlich nur ein Mal im Leben." Hummels' Standing hat sich durch das Duell mit seinem Ex-Klub nicht gerade verbessert. (Lesen Sie hier die Social-Media-Reaktionen zu Mats Hummels)

Thomas Müller: Bayerns Vizekapitän ist weiter auf der Suche nach sich selbst und seiner verlorengegangenen Torgefahr. Gegen den BVB war von dem 29-Jährigen nicht viel zu sehen. Als letzter Bayer im Team ist der 29-Jährige als Identifikationsfigur für die Münchner eigentlich unverzichtbar, hat als Vizekapitän auch nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Mannschaft. In der Form der vergangenen Wochen ist er sportlich allerdings längst nicht mehr unantastbar.

Auf Formsuche: Thomas Müller.
Auf Formsuche: Thomas Müller. © Rauchensteiner/Augenklick

James: Das wichtigste Saisonspiel erlebte der Kolumbianer nur als Zuschauer von der Bank aus. Bei seinen Fähigkeiten eigentlich unvorstellbar. Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic widersprach bei "Sky" Berichten, disziplinarische Gründe seien für James' Bankrolle entscheidend gewesen: "Er ist nicht zu spät zum Training gekommen. Er war letzte Woche ein bisschen verletzt und hatte kleinere Probleme." Ein Abschied aus München im Sommer ist aktuell aber nicht mehr auszuschließen.

Franck Ribéry: Der Franzose machte zunächst mit einer starken ersten Halbzeit auf sich aufmerksam, den positiven Eindruck dann aber weniger mit seinem Ballverlust vor dem 2:3 als durch sein Verhalten nach der Partie zunichte. Stand jetzt dürfte für den 35-Jährigen am Saisonende in München Schluss sein.

Die Bosse: Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bekamen in Dortmund schonungslos vor Augen geführt, was sie im Sommer mit ihrer zurückhaltenden Transferpolitik verpasst haben: einen gelungenen Umbruch. <strong>(Lesen Sie dazu den AZ-Kommentar: Bayern-Lazarett zeigt verfehlte Transferpolitik der Bosse)</strong>

Die Bayern-Bosse diskutieren kurz nach der Bierdusche mit dem Becherwerfer.
Die Bayern-Bosse diskutieren kurz nach der Bierdusche mit dem Becherwerfer. © Youtube-Screenshot

Niko Kovac: Er ließ den angeschlagenen Hummels spielen, den fitten und formstarken Niklas Süle dafür draußen. Weder mit seinem Coaching noch mit seinen Wechseln konnte er verhindern, dass sein Team in der zweiten Halbzeit die Kontrolle verlor. Warum er James nicht mal einwechselte, weiß wohl nur er.

Noten: Eine Eins und eine Fünf für geschlagene Bayern

FC Bayern: Die Gewinner des Spitzenspiels

Robert Lewandowski: Zeigte mit seinen beiden Toren endlich mal wieder, dass er auch in einem Topspiel den Unterschied ausmachen kann. Die Krönung seiner Leistung per Hackentor zum möglichen 3:3 verhinderte nur die Abseitslinie. Er ist bei Bayern nicht wegzudenken.

Joshua Kimmich: Leitete das 1:0 ein, bereitete das 2:1 sowie Lewandowskis Hacken(-Abseits)-Tor vor und grätschte Reus' Schuss von der Linie. Hinterher sprach er eigentlich als einziger Klartext: "Wer jetzt nicht diese Gier entwickelt, da oben wieder hin zu wollen, der ist hier fehl am Platz." Kimmich wächst bei Bayern immer mehr in die Anführer-Rolle.

Völlig bedient: Joshua Kimmich (li.) nach der Pleite beim BVB.
Völlig bedient: Joshua Kimmich (li.) nach der Pleite beim BVB. © imago/Ulmer

Serge Gnabry: Der 23-Jährige überzeugte als Ersatz für den verletzten Arjen Robben. Er lieferte beim 1:0 die perfekte Flanke auf Lewandowski und leitete das 2:1 im Zusammenspiel mit Kimmich ein. Bringt sich aktuell durchaus als potenzieller Erbe von Ribéry und Robben in Stellung.

Niklas Süle: Seine Schnelligkeit und Zweikampfstärke wurden vor seiner Einwechslung im Bayern-Spiel vermisst – auch wenn zwei Gegentore danach fielen. Auch Hoeneß sieht in ihm "einen Mann, der jederzeit spielen kann". Süle, 23, gehört die Zukunft in der Bayern-Abwehr.

Lesen Sie auch: Kahn als Hoeneß-Nachfolger? Ex-Bayern-Star sagt nicht nein

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