Eiserne Reaktion: Bayern wollen ihr wahres Gesicht zeigen

Bei Union Berlin ist für Bayern Wiedergutmachung nach der 0:5-Klatsche im Pokal gegen Gladbach angesagt. "Das sollte etwas Einmaliges gewesen sein. Wir haben die Chance, wieder aufzustehen."
| Patrick Strasser
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Beim 4:0-Sieg von Robert Lewandowski & Co gegen Hoffenheim waren die Münchner eine Klasse für sich.
Beim 4:0-Sieg von Robert Lewandowski & Co gegen Hoffenheim waren die Münchner eine Klasse für sich. © firo/Augenklick

München – Die gute Nachricht vorweg: Die Küche im Hause Nagelsmann ist heil geblieben, hat am Mittwochabend während der historischen 0:5-Pokalschmach seiner Mannschaft bei Borussia Mönchengladbach nicht büßen müssen. "Geflogen ist nichts", berichtete Bayerns Cheftrainer am Freitagmittag per Videoschalte aus seinem Zwangs-Homeoffice.

Während der Online-Pressekonferenz lief im Hintergrund die Spülmaschine. Von Arbeitsverweigerung kann also hier keine Rede sein. Der 34-Jährige gestand, er habe während des Spiels "am Mittwoch viel rumgeschrien. Die Nachbarn gegenüber werden sich gefragt haben, was da los ist."

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Nagelsmann verpasst auch Spiel bei Union Berlin

Man muss sich einen machtlosen Tiger im Käfig vorstellen. Konsterniert, weil Spiel drei in seiner Abwesenheit per multimedialer Fernsteuerung krachend schiefging. Auch alle, die das Spiel am TV verfolgten, haben sich gefragt, was da los ist.

Selbst die Gladbacher, insbesondere die Bayern. Aufgrund seiner Corona-Infektion muss Julian Nagelsmann weiter zu Hause bleiben, verpasst auch das Auswärtsspiel bei Union Berlin am Samstag (15.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker).

"Mir gehts gut, es ist alles in Ordnung", sagte er und nahm damit Bezug auf seinen Gesundheitszustand. "Ich bin hoffentlich am Dienstag wieder dabei, dann habe ich die geforderten 14 Tage Quarantäne hinter mir und kann in der Champions League (gegen Benfica Lissabon, d.Red.) hoffentlich wieder an der Seitenlinie stehen."

Nagelsmann stellt sich vor seine Mannschaft

Die Voraussetzung: Er muss symptomfrei sein und einen negativen PCR-Test vorlegen können. Der Mittwoch aber "steckt noch in den Knochen", gestand Nagelsmann und setzte im Folgenden an zu einer bemerkenswert offenen sowie sachlich-analytischen und reflektierten Aufarbeitung der historischen Niederlage.

Zunächst stellte sich Nagelsmann, wenn auch nur virtuell, schützend vor seine Mannschaft. Er sagte: "Wir haben gezeigt, dass wir Menschen und keine Maschinen sind. Uns sind Fehler passiert, die in Kombination mit einem guten Gegner schnell zu drei Gegentoren geführt haben. Wir haben gezeigt, dass wir auch ein bisschen verwundbar sind. Es ist viel zusammengekommen."

Das zweite Gesicht des FC Bayern: Beim 0:5-Debakel im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach wurden die Münchner vollkommen entzaubert und regelrecht vorgeführt.
Das zweite Gesicht des FC Bayern: Beim 0:5-Debakel im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach wurden die Münchner vollkommen entzaubert und regelrecht vorgeführt. © Jürgen Fromme/ firo Sportphoto

Nagelsmann tauschte sich mit Spielern und FCB-Bossen aus

Damit niemand alleingelassen wird mit diesem sportlichen Unfall (Nagelsmann: "Es geht ja nicht um Leben und Tod"), wurde viel kommuniziert in den letzten Tagen. Auf allen verfügbaren Kanälen. Denn, so der Coach: "Spieler von Bayern haben in ihrer Karriere selten solche Nackenschläge. Es ist etwas Besonderes, das schüttelst du nicht einfach ab. Wir haben uns am Telefon aber nicht vollgeweint." Sondern? Er habe "den Spielern zugehört, um zu wissen, was ihnen auf dem Herzen liegt", so Nagelsmann: "Mir war wichtig, dass die Spieler nicht nur Fehler bei sich suchen, sondern auch bei mir."

Aber auch mit den Bossen tauschte sich Nagelsmann aus. "Ich habe viel mit Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn geschrieben und telefoniert. Sie haben als Ex-Profis viel erlebt." Vermutlich riet der Vorstandsboss seinem Trainer: "Weiter, Julian. Immer weiter!"

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Nagelsmann glaubt an eine Reaktion

Und die Lehren aus der 0:5-Abreibung? "Wir müssen jetzt den Fokus darauf legen, was wir in Zukunft beeinflussen müssen, dürfen uns nicht ablenken lassen. Wir müssen immer beweisen, dass wir zu einem der besten Teams in Europa gehören und nicht Kreisliga sind. Wir waren alle überrascht, wie die Dinge gekommen sind. Das sollte jetzt etwas Einmaliges sein. Wir haben die Chance, nun wieder aufzustehen. Ich denke schon, dass es eine Reaktion gibt."

Am besten eine eiserne. Schlechte Nachrichten für die Unioner, Spitzname, die Eisernen. Gut möglich, dass - anders als des Trainers Küche - nun die Berliner büßen müssen. Ob sein eigener Ruf nach dem abrupten Ende der Siegesserie nun einen Kratzer erlitten habe?

"Der Druck ist aber nicht höher als vorher, auch wenn ich weiß, dass solche Ergebnisse einmalig sein sollten, wenn man eine Halbwertszeit bei Bayern haben will." Allerdings. Dann sagte er noch: "Ich wäre gerne live dabei gewesen, glaube aber nicht, dass wir das Spiel dann gewonnen hätten." Solch eine Selbsteinschätzung war nicht allen Bayern-Trainern der Vergangenheit zu eigen...

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