Die Hoeneß-Agenda: Sechs Aufgaben für den Präsidenten

Der FC Bayern braucht den Präsidenten in vielen Bereichen – als Wortführer, Identitätsstifter und Jugendförderer. „Ich werde keine Lame Duck sein“, sagt er. Die AZ erklärt, was Hoeneß nun vorhat.
| Maximilian Koch
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„Ich werde mich um alles kümmern, wo ich das Gefühl habe, dass ich helfen kann“, sagt Uli Hoeneß, der neue Präsident des FC Bayern. Dazu zählt natürlich auch die Profimannschaft.
dpa „Ich werde mich um alles kümmern, wo ich das Gefühl habe, dass ich helfen kann“, sagt Uli Hoeneß, der neue Präsident des FC Bayern. Dazu zählt natürlich auch die Profimannschaft.

München - Den freien Montag hätte Uli Hoeneß wohl gar nicht gebraucht, so energiegeladen und angriffslustig, wie er sich an seinem Comeback-Wochenende präsentierte: Freitag die Rückkehr als Präsident des FC Bayern auf der Jahreshauptversammlung, garniert mit einigen Ansagen an die Konkurrenz aus Dortmund und Leipzig; Samstag dann der Besuch im Stadion beim 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen, den Hoeneß emotional („Ich habe geschrien“) auf der Tribüne begleitete. Sonntag schließlich der Ausflug zum Bayern-Fanklub Röslau nach Oberfranken – mit einem Hoeneß in Bestform und diversen Sprüchen, die der „Abteilung Attacke“ zuzuordnen waren.

Am Montag also erlaubte sich Hoeneß mal einen Tag, um zur Ruhe zu kommen, Kraft zu sammeln, ehe er an diesem Dienstag erstmals wieder als Bayern-Präsident in sein Büro an der Säbener Straße kommt.
Zum Start erklärt die AZ seine sechs wichtigen Aufgaben: die Agenda Hoeneß.

1. Gegner bekämpfen: Ein solch harmonisches Verhältnis, wie es Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke pflegt, strebt Hoeneß nicht an. „Ich kann mir nicht vorstellen, Arm in Arm mit Herrn Watzke durch die Welt zu laufen”, sagte Hoeneß am Sonntag beim Fantreff in Wunsiedel. Gegner sollen Gegner sein, keine Freunde. RB Leipzig hat Hoeneß neben dem BVB in den Kreis der Bayern-Rivalen aufgenommen. „Wir müssen gegen Leipzig gewinnen“, sagte er schon mal mit Blick auf das Duell kurz vor Weihnachten (21. Dezember): „Ich bin überzeugt davon, dass wir Meister werden.“ Und weiter: „Wenn ich mal um diese Jahreszeit bei drei Punkten Rückstand sage, ich bin nicht überzeugt, dann will ich einen anderen Namen haben: Dann will ich nicht mehr Hoeneß heißen.“ Wird nicht passieren.

2. Den bayerischen Ursprung wahren: Die Botschaft war Hoeneß bei seinem Fanklubbesuch besonders wichtig. „Diese Kultur, diese Fannähe müssen wir nicht nur erhalten, sondern weiter ausbauen“, sagte er: „Das muss weiter das Markenzeichen des FC Bayern sein.“ Sätze, die den Fans gefallen dürften. Hoeneß soll die Identität des Klubs, den bayerischen Ursprung, wahren.

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3. Sportliche Probleme ansprechen: Eine „Lame Duck“ werde er nicht sein, kündigte Hoeneß im „Kicker“ an, stattdessen wolle er sich „um alles kümmern, wo ich das Gefühl habe, dass ich helfen kann“. Dazu zählt auch der sportliche Bereich – und offenbar sogar die taktische Ausrichtung des Teams. Nebenbei ließ Hoeneß am Sonntag interessante Sätze fallen wie: „Javi Martínez ist ja ursprünglich als Mittelfeldspieler geholt worden“, oder: „Thomas Müller könnte mittelfristig hinter der Spitze spielen, dann brauchst du nur noch zwei defensive Mittelfeldspieler.“ Hoeneß betonte später, dass es sich bei seinen Aussagen um „private Meinungen“ handele. Aber natürlich haben solche Sätze Gewicht, wenn sie vom Präsidenten Hoeneß stammen. Zumal die Taktikdebatte längst eröffnet ist. Carlo Ancelotti wird für sein 4-3-3-System immer öfter kritisiert. „Es ist die Frage, ob das im heutigen Fußball noch sinnvoll ist, immer nur ein System zu spielen“, sagte Ex-Bayern-Star Oliver Kahn in der Talk-Sendung „Sky 90“ und nannte das Bayern-Spiel unter Ancelotti „ideenlos“. Hoeneß steht voll hinter dem neuen Coach, Verbesserungsvorschläge wird er sich aber nie verbieten lassen. Laut „Kicker“ war er am Samstag in der Kabine. „Damit die Spieler spüren, dass ich wieder da bin“, sagte er.

4. Den Umbruch einleiten: Franck Ribéry (33) hat verlängert, Arjen Robben (32) dürfte folgen, auch Robert Lewandowski (28). Doch klar ist: Spätestens 2018 muss ein Umbruch her – ohne die Stars der vergangenen Jahre, ohne die Generation Philipp Lahm (33). Hoeneß wird entscheidend daran beteiligt sein, neue Bayern-Säulen zu finden.

5. Einen Sportdirektor finden: Apropos Lahm: Er ist Favorit auf den derzeit nicht besetzten Posten, „spätestens zum 1. Juli 2017“ wollen die Bayern laut Hoeneß einen Nachfolger von Matthias Sammer installiert haben. In Bezug auf Lahm hält sich Hoeneß bedeckter als Rummenigge. Denkt er an den Gladbacher Max Eberl?

6. Die Jugend fördern: Als Freigänger war Hoeneß schon im Jugendbereich tätig, er will diese „Schwachstelle“ in den kommenden Jahren wieder zu einer Stärke machen, den Nachwuchs „an die europäische Spitze“ führen, eigene Stars wie Lahm oder Thomas Müller im neuen Leistungszentrum (70 Millionen Euro) finden.

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