Bayerns Fehlstart auf dem Weg zur Klub-WM

Flug-Chaos vor der Klub-WM. Freitagnacht darf das Team des Triple-Siegers nicht mehr abheben und muss im Flieger übernachten. Die Bayern-Bosse sind empört: "Unverschämtheit der Verantwortlichen."
| Patrick Strasser
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Die Bayern bei der Ankunft am Flughafen in Doha.
Die Bayern bei der Ankunft am Flughafen in Doha. © FIFA/dpa

Doha/München - Die Bayern sind dort, wo sich viele Menschen dieser Tage im Corona-Winter hinträumen: in der Sonne, bei Temperaturen von 20 bis 25 Grad. Mit Ausschlafen und einem lockeren Vormittagstraining unter Palmen begannen die Münchner ihren ersten Morgen vor Ort in Doha. Am Nachmittag folgte das Abschlusstraining vor dem Halbfinale der Klub-WM am Montag gegen den Afrika-Champion Al Ahly SC aus Kairo (19 Uhr, DAZN und im AZ-Liveticker). Der Verein träumt vom Coup in Katar, will sich zur besten Vereinsmannschaft der Welt krönen.

Aufregung bei den Verantwortlichen

Wenn da nur der Ärger über die verspätete Anreise schon verflogen wäre. Das Chaos rund um den Abflug aus Berlin nach dem 1:0 am Freitagabend bei Hertha BSC steckte der Bayern-Delegation auch am Sonntag noch in den Knochen und den Köpfen. Mehr jedoch bei den Verantwortlichen als bei den Spielern und dem Trainerstab.

"Wir müssen das ad acta legen", sagte Trainer Hansi Flick wie immer betont sachlich, "ich war auch nicht gerade sehr amüsiert darüber, im Flugzeug festzusitzen. Schön war es nicht, aber jetzt blicken wir nach vorne und werden keine Ausreden zulassen." Auch Joshua Kimmich nahm's relativ locker: "Natürlich war alles suboptimal, uns wurde quasi ein Tag geklaut. Wir konnten im Flugzeug immerhin die Beine hochlegen, ein bisschen schlafen. Wir sind sehr motiviert, können hier Geschichte schreiben, und das wollen wir auch." Trotz einer echten Luftnummer.

In höchster Eile hatte sich der Tross des Champions-League-Siegers nach dem extra um eine halbe Stunde vorverlegten Abendspiel vom Berliner Olympiastadion aus zum Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) aufgemacht, um rechtzeitig vor Mitternacht mit Blick auf die Nachtflugbeschränkungen (bis 5 Uhr) Richtung Katar abheben zu können.

Die Mannschaftsbusse des FC Bayern am Berliner Flughafen.
Die Mannschaftsbusse des FC Bayern am Berliner Flughafen. © imago/Matthias Koch

Drei Minuten zu spät dran

Doch die Deutsche Flugsicherung erteilte der gecharterten Maschine QTR7402 der Qatar Airlines keine Startfreigabe, weil nach Angaben des Brandenburger Ministeriums für Infrastruktur die Bitte dafür erst um 00.03 Uhr erfolgt war. Bis 1.20 Uhr stand die Maschine auf dem Rollfeld, eine Sondergenehmigung wurde nicht erteilt. Drei Minuten drüber – nur die Vier-Minuten-Meisterschaft der Schalker 2001 muss bitterer gewesen sein, könnte man meinen ob der Empörung der Bosse.

Übernachtung auf dem Rollfeld

Erst um 6.52 Uhr, über siebeneinhalb Stunden später als ursprünglich geplant, hob man ab – allerdings mit kurzem Zwischenstopp in München wegen des nun fälligen Crew-Wechsels. Von dort aus ging es um 9 Uhr weiter, in First-Class-Sitzen, die man zu Betten umfunktionieren kann. Am Boden des BER, über den Wolken während des nun sechsstündigen Fluges an den Persischen Golf und am schönen Tegernsee verfestigte sich der Eindruck: Wir, die Bayern, kämpfen wieder einmal gegen den Rest der Welt.

Für Karl-Heinz Rummenigge war das Flugchaos "ein Slapstick, eine lächerliche Nummer, an der sich irgendeiner abgearbeitet hat, der jetzt hoffentlich zuhause sitzt und mal darüber nachdenken sollte", sagte Bayerns Vorstandsboss nach der Ankunft in Doha zu "Bild".

Sein Vorwurf: "Man hatte immer den Eindruck, in Brandenburg ist irgendeiner, der den FC Bayern nicht mag oder irgendein Problem mit dem FC Bayern hat und dementsprechend uns Hürden in den Weg gestellt hat." Alle seien "aufgebracht" gewesen – in erster Linie er selbst, der noch aus dem Flieger heraus zürnte, man fühle sich "von den zuständigen Stellen bei der brandenburgischen Politik total verarscht". Und: "Die Verantwortlichen wissen gar nicht, was sie unserer Mannschaft damit angetan haben."

Lesen Sie auch

Auch Hoeneß zeigt sich empört

Für den daheim am Tegernsee gebliebenen Ehren-Präsidenten Uli Hoeneß war es ein "Skandal ohne Ende", er habe gedacht, es handle sich "um einen Schildbürgerstreich". Im "BR" sprach er von einer "Unverschämtheit der Verantwortlichen", schließlich würden die Münchner bei dem Turnier in Katar ("Eine wichtige Geschichte!") den deutschen Fußball vertreten.

Hoffentlich wird aus der Luftnummer keine Lachnummer.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren