Mobbing-Experte: "Meghan hat Harry nach jahrelanger Unterdrückung befreit"

Wieder hat Prinz Harry öffentlich Kritik an seiner Familie geäußert, insbesondere neue Vorwürfe gegenüber Vater Charles erhoben. Er rechnet seit Monaten mit dem Königshaus ab. Er und Meghan fühlten sich im Palast gemobbt und ausgegrenzt, berichteten sie.
| Steffen Trunk
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Prinz Harry mit Ehefrau Meghan und Schwägerin Kate
Prinz Harry mit Ehefrau Meghan und Schwägerin Kate © dpa/Chris Jackson

Im Podcast "Armchair Expert" machte Prinz Harry (36) seiner Familie neue Vorwürfe. Charles habe das eigene "genetische" Leiden auf seine Kinder übertragen, warf er seinem Vater vor.

"Er hat mich so behandelt wie er selbst behandelt wurde", sagte Harry - und attackierte damit indirekt auch seine Großeltern, Queen Elizabeth II. (95) und den kürzlich gestorbenen Prinz Philip. Er wolle den Zyklus aus "genetischem Schmerz", der in der Königsfamilie existiere und unter dem er gelitten habe, durchbrechen, so Harry. Daher sei er nach Amerika gegangen. Seine Kinder will der 36-Jährige anders behandeln, als er selbst behandelt worden ist.

Meghan und Harry erheben Vorwürfe und Anschuldigungen 

Schon im März, im aufsehenerregenden Interview mit Talklegende Oprah Winfrey (67), haben sich Harry und Meghan (39) den Frust von der Seele geredet. Unter anderem berichtete Meghan, ihr sei trotz Suizidgedanken keine Unterstützung gewährt worden. Auch rassistische Äußerungen über die Hautfarbe ihrer Kinder mit Prinz Harry seien gefallen. Das Paar fühlte sich ausgegrenzt und formulierte öffentlich Mobbing-Anschuldigungen. Der Palast erklärte, die Familie wolle die Vorwürfe privat aufarbeiten.

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Mobbing-Experte Carsten Stahl im Interview

Die AZ hat TV-Star und Mobbing-Experte Carsten Stahl gesprochen. Er erklärt, warum man im Königshaus Mobbing vorfindet, analysiert Harrys Verhalten, warnt den Prinzen aber vor weiterer Kritik in der Öffentlichkeit und fordert ein Umdenken im Palast.

Mobbing-Experte Carsten Stahl
Mobbing-Experte Carsten Stahl © dpa/Soeren Stache

AZ: Warum sind die Royals besonders von Mobbing betroffen?
CARSTEN STAHL: Mobbing durchzieht sich durch alle gesellschaftliche Schichten - da gehören die Royals mit dazu. Vor allem deshalb, weil es seit Generationen um Macht und Positionen geht, die man erhalten oder bekommen will. Je mehr Strukturen und Hierarchien es gibt, desto eher und leichter kann Mobbing betrieben werden.

Musste Prinz Harry daher ausbrechen?
Ich ziehe vor Prinz Harry meinen Hut. Der königliche Rebell schoss schon immer quer und sagt jetzt: 'So wie ich bin, bin ich wertvoll.' Prinz Harry war als Ersatz-Thronfolger der Lückenbüßer. Er wollte das alles nicht mehr und hat das royale Korsett abgelegt.

"Diana hätte gegen die angelegten Ketten gekämpft"

Wo sehen Sie Parallelen zu seiner verstorbenen Mutter Diana?
Bemerkenswert ist auch das Alter, mit dem Harry ausbricht und aus dem Palast geflohen ist. Er ist jetzt 36 und damit genauso alt, wie seine Mutter bei ihrem Tod war. Auch Diana war eine Rebellin und erkannte erst spät, dass das Königshaus sie unterdrückte und ihr die Freiheit verwehrte. Würde sie noch leben, hätte sie wie eine Löwin gegen die angelegten Ketten gekämpft.

Welche Rolle spielte Meghan bei Harrys Entschluss, das Königshaus zu verlassen?
Prinz Harry hat eine starke Frau an seiner Seite, die ihn zum Umdenken gebracht hat. Meghan hat ihm die Augen geöffnet sowie Strukturen und Verhaltensweise der Royals angeprangert. Sie hat ihm schon im goldenen Käfig im Palast aufgezeigt, wie ein Leben in Freiheit aussehen kann. Meghan hat Harry befreit. Jetzt kann er die jahrelange Unterdrückung seitens seiner Familie aufarbeiten.

"Es ist völlig legitim, öffentlich Mobbing anzukreiden"

Aber war es richtig, die eigene Familie öffentlich so zu attackieren?
Die Royals wollen und brauchen die Aufmerksamkeit der Medien und der Leute. Jetzt muss die königliche Familie aber auch mal lernen damit zu leben, dass jemand aus ihren Reihen, also wie jetzt Harry, öffentlich Missstände aufdeckt und anspricht. Es geht um seine Seele und sein Leid. Es ist völlig legitim, öffentlich Mobbing anzukreiden, auch wenn es die eigene Familie betrifft. Seine Aussagen waren weder beleidigend noch tief verletzend. Er hat ihnen nur den Spiegel vorgehalten und wollte sich bloß befreien. Ich kann ihn verstehen.

Wie sollte mit den Mobbing-Vorwürfen umgegangen werden?
Das Königshaus sollte Harrys Kritik annehmen, damit andere Generationen nicht mehr unter Mobbing und Unterdrückung leiden müssen. Mobbing darf nirgendwo Platz finden. Es ist ein Geschwür der Gesellschaft.

Die Queen kann einem leidtun, oder?
Alles, was Harry jetzt öffentlich sagt, kann er nicht mehr zurücknehmen. Seine Oma ist jetzt schon 95 Jahre alt, das sollte ihm bewusst sein. Umgekehrt sollte die Queen aber vielleicht auch weniger Königin und mehr Oma sein.

Darum könnte Prinz Harry unglaubwürdig werden

Vor allem die britischen Medien schießen sich jetzt weiter auf Harry ein. Zurecht?
Harry muss mit weiterer öffentlicher Kritik an seiner Familie aufpassen. Ich verstehe, dass er sprichwörtlich mal Dampf ablassen und Missstände aufdecken wollte, aber es würde an Wertigkeit verlieren, wenn er immer wieder in einem neuen Interview nachlegt. Er sollte es jetzt gut sein lassen, sonst macht er sich angreifbar und wird unglaubwürdig.

Wie sollten das Königshaus sowie Meghan und Harry den Konflikt lösen?
Es geht um Familie, den stärksten Bund überhaupt. Deshalb sollten sich die Royals gemeinsam an einen Tisch setzen, am besten mit einem internationalen Mentor, der als neutraler Konfliktberater auftritt und vermittelt. So könnte das Königshaus auch eine Vorbildfunktion für Schulen, Firmen oder andere Familie sein.

Wäre Prinzessin Diana eine geeignete Mentorin gewesen?
Ja! Sohn William und die Royals auf der einen Seite, Sohn Harry und Meghan auf der anderen. Sie kannte beide Welten, hätte die Beweggründe verstehen und Problemlösungen sicherlich gut vorschlagen können. Diana hätte sich aber auch beide Kinder vorgeknöpft und Tacheles gesprochen, da bin ich mir sicher.

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