Zu wenig rechts? Welle der Wut gegen Merkel

Lange haben die Konservativen in der Union im Stillen gegrollt – jetzt entlädt sich explosionsartig der Unmut. „Die Zeit des Moderierens ist vorbei. Jetzt muss sie führen“
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BERLIN - Lange haben die Konservativen in der Union im Stillen gegrollt – jetzt entlädt sich explosionsartig der Unmut. „Die Zeit des Moderierens ist vorbei. Jetzt muss sie führen“

Die Union ist hochnervös – und erstmals entlädt sich geballter Unmut auch gegen die Chefin persönlich. In mehr als 20 Wortmeldungen haben am Wochenende die Konservativen in der Partei Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht, einen klareren und rechteren Kurs zu fahren. Sie wollen mehr Basta, mehr Profil.

Da hatte sich vieles aufgestaut: die Partei der sozialen Marktwirtschaft, die plötzlich von Verstaatlichung redet; Merkels deutliche Kritik am Papst; ihr ausbleibender Einsatz für die Vertriebenen-Funktionärin Erika Steinbach. Als dann auch noch die Umfragewerte der Union in den Keller gingen (32 Prozent im ARD-Deutschlandtrend), öffnete sich eine Art Ventil – und der im Stillen lange gehegte Groll auf Bundeskanzlerin Angela Merkel der Mitte brach sich Bahn.

"Zu zurückhaltend in Sachen Steinbach"

Eine Auswahl der Äußerungen aus der CDU: Günther Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg: „Es muss klar sein, dass nun das Kapitel große Koalition abgeschlossen ist und ein neues aufgemacht wird, in dem die CDU klar sagt, wofür sie steht.“ Jörg Schönbohm, Innenminister Brandenburgs: „Der Unmut macht deutlich, wie dringend das Handeln ist. Im Fall Steinbach war Merkel viel zu zurückhaltend. Sie muss jetzt zeigen, wo die CDU steht.“

Wolfgang Bosbach, Fraktionsvize im Bundestag: „Wir machen zu viel große Koalition und zu wenig Union. Die Gefahr ist groß, dass Stammwähler beim nächsten Mal daheim bleiben.“ Bernhard Vogel, Chef der Adenauer-Stiftung: „Dass wir uns jetzt vor allem um unsere Stammwähler kümmern müssen, ist klar.“ Thomas Röwekamp, Landes- und Fraktionschef von Bremen: „Sie wird nur als Kanzlerin der großen Koalition wahrgenommen.“

"Teile der Union müssen lernen, zu kämpfen"

Noch massiver ist der Unmut in der CSU. Parteichef Horst Seehofer: „Die Union muss sich zuallererst auf ihre Stammwählerschaft konzentrieren, anstatt sich im Nirvana der Wechselwähler zu verlieren. Auch die Heimatvertriebenen gehören dazu. Teile der Union müssen lernen, für ihre Überzeugungen zu kämpfen.“ CSU-General Alexander Dobrindt: „Es kann nicht sein, dass in der Union die CSU allein für das wertkonservative und patriotische Profil zuständig ist. Da muss von der CDU mehr kommen.“

EU-Spitzenkandidat Markus Ferber: „Merkel muss jetzt Führung zeigen. Die Zeit des Moderierens ist vorbei.“ Niederbayerns Bezirkschef Manfred Weber: „Die Umfragen sind ein Alarmsignal zur rechten Zeit.“ Hans Mittelbach, Chef der CSU-Mittelstandsunion: „Wer glaubt, er kann so weitermachen bis August und dann in den Wahlkampf einsteigen, wird lernen müssen: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

"Da brodelt es gewaltig"

Pro Merkel gab es nur zwei Stimmen. Bildungsministerin Annette Schavan: „Der Stammwähler ist heute nicht mehr der gleiche wie vor 20 Jahren.“ Und CDU-General Ronald Pofalla rief dringend zu einem Ende der Debatte auf: „Das wirkt sich negativ auf die Umfragen aus.“

Genüsslich beobachtet die SPD die Unruhe in der Union. Fraktionschef Peter Struck: „Das Misstrauen innerhalb der CDU/CSU gegenüber Merkels Kurs ist dramatisch gewachsen. Da brodelt es im Innern gewaltig.“

tan

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