Wirecard-Ausschuss: GroKo gegen öffentliche Reporter-Aussage

Union und SPD haben im Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal eine rasche öffentliche Zeugenaussage des Financial-Times-Journalisten Dan McCrum abgelehnt.
| dpa
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Im Sommer räumte der inzwischen insolvente damalige Dax-Konzern Wirecard AG Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein.
Im Sommer räumte der inzwischen insolvente damalige Dax-Konzern Wirecard AG Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein. © Peter Kneffel/dpa
Berlin

McCrum habe den expliziten Wunsch geäußert, als Zeuge gehört zu werden, um Öffentlichkeit herzustellen, erfuhr die Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag aus dem Ausschuss. Union und SPD wollen ihn demnach zunächst lediglich als Sachverständigen hinter verschlossenen Türen hören. McCrum hatte bereits 2015 über Betrügereien bei Wirecard berichtet.

Die Oppositionsabgeordneten Fabio De Masi (Linke), Danyal Bayaz (Grüne) und Florian Toncar (FDP) kritisierten das Verhalten der Koalitionsfraktionen. McCrum habe seine berufliche Existenz riskiert, als er die Wahrheit über Wirecard geschrieben habe. "Daher hätte er einen öffentlichen Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss mehr als verdient gehabt", sagte Toncar. Bayaz warf der Koalition vor, nur eine "Aufklärung light" zu wollen. De Masi sprach von unwürdigem Verhalten und einem Imageschaden für Deutschland.

Der Untersuchungsausschuss im Bundestag soll den Bilanzskandal um Wirecard politisch aufarbeiten und auch aufdecken, ob die Aufsichtsbehörden das deutsche Fintech-Unternehmen als aufstrebenden Börsenstar trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen anfassten. Die Abgeordneten wollen dazu eine Reihe prominenter Politiker als Zeugen befragen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Im Sommer hatte der inzwischen insolvente damalige Dax-Konzern Wirecard Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Firma saß als Dienstleister für bargeldlose Zahlungen an Ladenkassen und im Internet an der Schnittstelle zwischen Händlern und Kreditkartenfirmen - in einem hart umkämpften Markt.

Nach bisherigem Stand der Ermittlungen machte Wirecard jahrelang Verluste. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne auswies. Mehr als drei Milliarden Euro könnten verloren sein. In dem Fall stehen auch die Finanzaufsicht Bafin und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in der Kritik, denen der Betrug nicht auffiel.

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