G20-Gipfel in Hamburg: Politik-Themen und News zu den Demos beim Treffen

Am Wochenende findet in Hamburg der große G20-Gipfel statt. Viele Staats- und Regierungschefs der Welt treffen sich, um über die großen Fragen der Welt zu beraten. Worum geht es wirklich? Die AZ klärt die wichtigsten Fragen.
| Vincent Suppé
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Posieren für das Gruppenfoto: Die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten.
Christian Charisius/dpa Posieren für das Gruppenfoto: Die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten.

Am Wochenende findet in Hamburg der große G20-Gipfel statt. Viele Staats- und Regierungschefs der Welt treffen sich, um über die großen Fragen der Welt zu beraten. Worum geht es wirklich? Die AZ klärt die wichtigsten Fragen.

Hamburg - Wenn sich die wichtigsten Staats- und Regierungschefs am Wochenende treffen, blicken alle Augen auf Hamburg. Donald Trump trifft auf Wladimir Putin, Frankreichs Präsident Macron hat seinen ersten wirklich großen Auftritt auf internationalem Parkett - und die autonomen Demonstranten aller Länder vereinigen sich. Alles rund um den Staatsgipfel erklärt die AZ hier.

Demo-Eskalation zum G20-Gipfel: Hamburg brennt!Die wichtigsten Fragen zum G20-Treffen im Überblick:

Was ist der G20-Gipfel?

Der G20-Gipfel ist ein Treffen der 19 weltweit wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und der Europäischen Union. Das Gründungstreffen des Zusammenschlusses fand im Dezember 1999 in Berlin statt und seitdem trifft man sich mindestens einmal pro Jahr an wechselnden Orten.

Nicht zu verwechseln ist der G20-Gipfel der Industrie- und Schwellenländer mit dem gleichnamigen G20-Treffen der Schwellen- und Entwicklungsländer: Auch diese Staaten haben sich 2003 unter der Führung von Brasilien, Indien, der Volksrepublik China und der Türkei zu einer Gruppe zusammengeschlossen – die Anzahl dieser Mitglieder variiert allerdings.

Was bedeutet das "G" in G20?

Die Abkürzung G20 steht für "Gruppe der Zwanzig" beziehungsweise im Englischen "Group of Twenty". Das G steht demnach für Gruppe oder Group.

Welche Staaten sind Teil der G20?

Die G20-Staaten setzen sich aus unterschiedlichen Teilnehmerverbänden zusammen: Einen Teil bilden die wirtschaftlich stärksten Industrieländer, die sich wiederum in der G7-Gruppe separat zusammengeschlossen haben. Vier der G7-Staaten gehören der Europäischen Union (noch) an: Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland.

Zusätzlich zu diesen vier Ländern ist die EU als politische Vereinigung bei den G20-Treffen vertreten. Der Staatenbund lässt sich dabei durch ein ausgewähltes Mitgliedsland repräsentieren.

Außerdem nehmen die "Outreach-Staaten" (O-5) teil. Das sind diejenigen Ländern, die zwar nicht zur "Gruppe der Sieben" gehören, aber aufgrund ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung an den Treffen der G7 teilnehmen. Die O-5-Staaten setzen sich zusammen aus China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko.

Die restlichen Staaten werden anhand ihrer Wirtschaftskraft ausgewählt.

Was sind Schwellenländer?

Als Schwellenländer werden diejenigen Staaten bezeichnet, die traditionell noch zur Gruppe der Entwicklungsländer gezählt werden, aber diesen Status eigentlich schon überwunden haben. Von ihrer ökonomischen Stärke und ihrer Wirtschaftsstruktur heben sich Schwellenländer zumeist von den Entwicklungsländern der Dritten Welt deutlich ab. Erkennbar wird das durch eine beginnende oder fortschreitende Industrialisierung.

Welche Teilnehmer kommen zum G20-Gipfel?

Die Teilnehmerliste eines G20-Gipfels ist lang: Zum einen werden die Staats- und Regierungschefs der einzelnen Teilnehmerländer eingeladen. Sie werden begleitet von den Finanzministern und Zentralbankchefs der 19 Mitgliedsstaaten. Die EU entsendet zudem den Präsidenten des Europäischen Rates und den Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Als Vertreter internationaler Organisationen nehmen darüber hinaus der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, der Vorsitzende des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses (IMFC), der Präsident der Weltbank und der Vorsitzende des Development Committees der OECD an den G20-Treffen teil.

Das Teilnehmerfeld setzt sich zusammen aus:

  • Europäische Union - Jean-Claude Juncker (Präsident der Europäischen Kommission) und Donald Tusk (Präsident des Europäischen Rates)
  • Vereinigte Staaten von Amerika - Donald Trump (Präsident)
  • Volksrepublik China -Xi Jinping (Präsident)
  • Japan - Shinzo Abe (Premierminister)
  • Deutschland - Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bundeskanzlerin)
  • Frankreich - Emmanuel Macron (Präsident)
  • Brasilien - Michel Temer (Präsident)
  • Großbritannien - Theresa May (Premierministerin)
  • Italien - Paolo Gentiloni (Premierminister)
  • Russland - Wladimir Putin (Präsident)
  • Kanada - Justin Trudeau (Premierminister)
  • Indien - Narendra Modi (Premierminister)
  • Australien - Malcolm Turnbull (Premierminister)
  • Mexiko - Enrique Peña Nieto (Präsident)
  • Südkorea - Moon Jae-in (Präsident)
  • Indonesien - Joko Widodo (Präsident)
  • Türkei - Recep Tayyip Erdogan (Präsident)
  • Saudi-Arabien - Mohammed al-Dschadan (Finanzminister, da König Salman ibn Abd al-Aziz wegen der Katar-Krise absagte)
  • Argentinien - Mauricio Macri (Präsident)
  • Südafrika - Jacob Zuma (Präsident)

Zusätzlich werden zu jedem Treffen wechselnde Gastnationen und -institutionen hinzugebeten.

Welche Themen werden beim G20-Treffen angesprochen?

Das Treffen der G20-Staaten gilt als weltweit wichtigstes Forum der Probleme und Herausforderungen des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems. Gegründet wurde es als Reaktion auf die Asienkrise 1997/1998 auf Initiative des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Zu den wichtigsten Themen des diesjährigen Gipfels werden die derzeitige Versorgungskrise und der Hunger in afrikanischen Ländern wie Somalia und dem Sudan gesehen. Entwicklungsminister Müller forderte deshalb mehr Solidarität von G20 für Arme. Außerdem werden Themen wie Steuerflucht, Protektionismus, Klimapolitik und die voranschreitende Digitalisierung auf der Agenda stehen. Bereits im Vorfeld des Gipfels wurden Handelsverträge abgeschlossen - beispielsweise mit Japan.

Wo findet der Gipfel 2017 statt?

Das insgesamt zwölfte Gipfeltreffen findet im Jahr 2017 in Hamburg statt. Am 1. Dezember hatte Deutschland für ein Jahr den Vorsitz der G20 übernommen. Als Austragungsort wurde die Hansestadt in Absprache mit Bürgermeister Olaf Scholz ausgewählt. Der G20-Gipfel wird in den Räumen der Hamburger Messe im Stadtteil St. Pauli abgehalten. Weitere Veranstaltungen werden in der neu gebauten Elbphilharmonie stattfinden.

Warum findet der Gipfel in Hamburg statt?

Als vorsitzendes Land entscheidet die Bundesrepublik über den Austragungsort des Gipfels. Die Wahl fiel aus zweierlei Gründen auf Hamburg: Einerseits soll damit die Rolle der Stadt als "Tor zur Welt" betont werden. Andererseits soll so der verstorbene Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt geehrt werden. Der verstorbene Sohn der Stadt hatte sich in seiner Zeit als Bundeskanzler stets für internationale Treffen eingesetzt und gilt damit als entscheidender Vordenker der jetzigen Gipfel-Regelungen.

Zudem merkte Hamburgs Bürgermeister Scholz an, dass es nur drei Ort in Deutschland gäbe, die die logistischen Herausforderungen des Gipfel meistern könnten: Berlin, München und Hamburg. Flugzeugträger oder Inseln könnten den Besucheransturm nicht bewältigen.

Da die G20-Gipfeltreffen regelmäßig für große Demonstrationen sorgen, hat Außenminister Sigmar Gabriel unlängst gefordert,künftig alle G20-Treffen in New York stattfinden zu lassen.

Wann findet der G20-Gipfel in Hamburg statt?

Der diesjährige G20-Gipfel in Hamburg findet am 7. und 8. Juli 2017 statt. Die Bundesrepublik Deutschland hat den Gruppenvorsitz seit dem 1. Dezember 2016 inne und wird ihn am 30. November an Argentinien weitergeben. Alle TV-Termine finden Sie hier.

Wo übernachten die G20-Teilnehmer?

Die Hotels in der Hansestadt haben am Wochenende des 7. und 8. Juli Hochsaison, denn nicht nur die Staats- und Regierungschef der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer zum G20-Gipfel müssen untergebracht werden, sondern auch teils mehrere Hundert Personen starke Delegationen. Insgesamt werden bis zu 6.500 Delegierte in der Hansestadt erwartet, hinzu kommen 4.800 Journalisten.

  • Kanzlerin und CDU-Chefin Bundeskanzlerin Angela Merkel wird während des G20-Gipfels im Edel-Hotel "Atlantic Kempinski" wohnen und dort vermutlich eine der Suiten beziehen.
  • Der neue französische Präsident Emmanuel Macron steigt laut Medienberichten im "Mövenpick" im Schanzenpark ab. Das Hotel liegt in unmittelbarer Nähe des Gipfeltreffens.
  • Die Chinesen mit Staatspräsident Xi Jinping werden im "Grand Elysee" an der Rothenbaumchaussee residieren.
  • Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wohnt Berichten lokaler Blätter zufolge während des Gipfels im "Sofitel" unweit des Rathauses.
  • Politisch liegen zwischen ihnen zwar Welten, doch in Hamburg teilen sich Russlands Präsident Wladimir Putin und Kanadas Premier Justin Trudeau laut Hamburger Morgenpost das Fünf-Sterne-Hotel "Park Hyatt."
  • Nicht weit auseinander liegen auch die Zimmer von Großbritanniens Premierministerin Theresa May, Indiens Ministerpräsident Narendra Modi und Brasiliens Präsident Michel Temer. Sie wohnen im "Reichshof".

G20-Gipfel in Hamburg: Wo die Mächtigen nächtigen

Wo übernachtet US-Präsident Donald Trump während des Gipfels?

Da der US-Präsident stets besonderen Schutz braucht, gestaltete sich die Schlafplatzsuche für Donald Trump und sein Team äußerst schwierig. Das Hotel "Vier Jahreszeiten" soll dem US-Präsidenten abgesagt haben. Er kommt nun im Gästehaus des Hamburger Senats, einer klassizistischen Villa an der Alster, unter. Dort nächtigten bereits eine ganze Reihe bekannter Personen, unter ihnen Ex-Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, die britische Queen Elizabeth und ihr Mann Philip, der ehemalige sowjetische Staatschef Leonid Breschnew und der Daila Lama.

Was kostet der Gipfel?

Die Kosten des G20-Gipfels in Hamburg könnten sich laut Presseberichten auf mindestens 130 Millionen Euro belaufen – ein Großteil wird durch die enormen Sicherheitsvorkehrungen des Treffens verursacht. Genau abschätzt werden können die Kosten aber im Vorfeld nicht – sie könnten also weiter steigen. Zum Vergleich: Bereits das deutlich kleinere Treffen der G7-Staaten im oberbayerischen Elmau hatte den Staat 2015 etwa 200 Millionen Euro gekostet.

Wer zahlt für den G20-Gipfel?

Die finanziellen Belastungen, die durch das Gipfeltreffen entstehen, werden von Bund und Ländern gemeinsam übernommen. Die Hansestadt Hamburg bekommt vom Bund einen Zuschuss von circa 50 Millionen Euro für die Ausrichtung des Treffens.

Warum sind viele Demonstranten gegen den G20-Gipfel?

Bereits am 25. Juni, also Tage vor dem G20-Gipfel, findet die erste Protestkundgebung statt - laut Polizei wurden mehr als 50 Demonstrationen alleine in den Tagen des Gipfels angemeldet. Sie dürfen aber nur an ausgewählten Orten stattfinden, die Strecke zwischen Flughafen und Tagungsort ist tabu.

Für die Tage des Gipfeltreffens organisieren zahlreiche Bündnisse und Initiativen unterschiedlichste Veranstaltungen, um gegen die Zusammenkunft der Wirtschaftsmächte zu protestieren und Alternativen zum vertretenen Wirtschaftssystem aufzuzeigen. Zu den Initiatoren der Protests zählen Umweltschutzorganisationen (Greenpeace, BUND, Nabu), Globalisierungskritiker wie attac und politische Parteien wie Die Linke. Auch ein Konzert mit Stars wie Coldplay, Shakira und Herbert Grönemeyer zog viele Menschen an.

Die größte Demonstration könnte am 8. Juli unter dem Motto "Grenzenlose Solidarität statt G20" bis zu 150.000 Menschen mobilisieren.

Tumulte: Großaufgebot der Polizei trifft auf Demonstranten

Wie viele Polizisten kommen beim Gipfel zum Einsatz?

Die Polizei rechnet mit bis zu 7.000 gewaltbereiten Autonomen beim G20-Gipfel - besonders gefürchtet sind Radikale aus Italien und Griechenland. Sie haben in der Nacht zum Donnerstag in einem Hamburger Porsche-Zentrum acht Auto angezündet. Diesen Demonstranten werden von staatlicher Seite rund 15.000 Landespolizisten, mindestens 1.000 Polizeibeamte des Bundeskriminalamtes sowie bis zu 4.000 Bundespolizisten gegenüberstehen - dazu zählen auch Spezialeinsatzkommandos wie etwa die GSG 9 der Bundespolizei. Unterstützung kommt zudem von Einheiten aus dem Ausland und privaten Sicherheitsunternehmen.

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kam es in der Nacht zu schweren Zusammenstößen - bei der "Welcome to Hell"-Demo eskalierte der Konflikt zwischen Demonstranten und der Polizei. Hier ein Bericht im Video.

G20: Lage in Hamburg eskaliert - Demo aufgelöstBereitstehen werden unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen, Polizeiboote und elf Hubschrauber sowie weitere Spezialfahrzeuge.

Polizei setzt Wasserwerfer gegen G20-Kritiker einLesen Sie auch: AZ-Quiz - G20: Wie gut kennen Sie sich mit dem Staaten-Gipfel aus?

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