Der Horst muss Stefan helfen

Nach Stuttgart 21 wird für CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus die Landtagswahl zur Prüfung. Ausgerechnet in der BMW-Welt will die CSU dem Mann aus dem Mercedes-Land einen Schub geben.
| Angela Böhm
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MÜNCHEN - Er sollte der neue Franz Josef Strauß in Berlin werden. Der gemeinsam mit Horst Seehofer schnell mal bei der Kanzlerin einfliegt, um nach dem Rechten zu sehen. Vor allem politisch. Aufs Draufhauen versteht sich Stefan Mappus ja bestens. Einen Flugschein hat er auch – so wie einst FJS. Die Freude war groß, als das rechte Schwergewicht vor genau einem Jahr in Stuttgart zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Doch nun droht er von seinem Thron im Ländle zu fliegen. Aufwind will ihm jetzt die CSU verschaffen, auf ihrem Kleinen Parteitag am heutigen Samstag. Sein Motto: „Die Kraft des Südens.”

Für Mappus wird das eher ein Gang nach Canossa. Die CSU hat den Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg, wo mit Mercedes der „Stern des Südens” strahlt, ausgerechnet nach München in die gläserne BMW-Welt des Konkurrenten geladen. Dort kann Mappus beim Treffen der CSU-Delegierten sehen, wie in München die Bäume in den Himmel wachsen, während sie in seiner Landeshauptstadt Stuttgart 21 zum Opfer fallen. Weshalb der Regent aus dem Ländle nun fürchten muss, dass ihn die Wähler absägen, wenn am 27.März im Stammland der CDU gewählt wird, die dort seit 57 Jahren herrscht.

Mit Horst Seehofer versteht sich Mappus blendend. Der bayerische Ministerpräsident aber fürchtet, dass ein schwarzer Erdrutsch in Baden-Württemberg auch seine CSU in Bayern mitreißen könnte. In Berlin hoffen Bundeskanzlerin Angela Merkel und noch mehr FDP-Chef Guido Westerwelle, dass ein Beben ausbleibt, das auch ihre Bundesregierung durcheinander wirbeln könnte. Schaffen die Liberalen die Fünf-Prozent-Hürde in Stuttgart nicht, wäre es das Ende von Westerwelle. Merkel aber gibt sich intern optimistisch und hat offensichtlich eigene Umfragen anstellen lassen. Das Wahlsystem im Ländle könnte der CDU nämlich sogar mit weniger als 45 Prozent der Stimmen zu einer Mehrheit der Sitze verhelfen.
Demonstrativ Wahlkampf will die CSU deshalb für Mappus machen. Die Tagesordnung des Parteitags: Jeder der beiden Ministerpräsidenten hält eine Rede. „Die CSU und die CDU in Baden-Württemberg, Horst Seehofer und Stefan Mappus – das sind diejenigen, die maßgeblich dafür gesorgt haben, dass die Union in Deutschland wieder im Aufwind ist, dass uns eine Trend-umkehr gelungen ist”, trommelt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Nur bis nach Hamburg hat der „Aufwind” nicht gereicht. Dort wird nächsten Sonntag gewählt. Laut ZDF-Politbarometer kommt die SPD auf 46 und die CDU auf 23 Prozent. Drittstärkste Kraft sind die Grünen (GAL) mit 14,5 Prozent. Während Hamburgs CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus noch auf eine große Koalition mit seinem Herausforderer, Ex-Bundesarbeitsminister Olaf Scholz, hofft, hat Seehofer die Hansestadt abgeschrieben. Im Bundesrat rechnet er schon nicht mehr mit den drei Hamburger Stimmen für die Union. Bitter: In dem Ländergremium stünde es dann 31:38 gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung. Seehofer: „Das macht uns in Zukunft das Regieren in Berlin nicht leichter.” Angela Böhm

 

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