41 Prozent für die CSU? "Mir san besser"

Bei dem schlechtem Umfrageergebnis werden in der CSU Zweifel an der Berechnungsgrundlage laut. Fazit: Schlechte Umfrage? Schlechtes Allensbach!
| Angela Böhm
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Bei dem schlechtem Umfrageergebnis werden in der CSU Zweifel an der Berechnungsgrundlage laut. Fazit: Schlechte Umfrage? Schlechtes Allensbach!

KREUTH Für Sekunden blieb der CSU die Luft weg im Bergtal hinter Kreuth. Die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, hatte einen Chart an die Wand geworfen. Für die Bundestagswahl sieht sie die CSU in Bayern bei nur 41 Prozent, die Union bundesweit bei 38 Prozent. Heute, am Mittwoch, hofft die CSU auf Erlösung. Als erster überwindet die Schockstarre CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Er wirft der Professorin vor, dass irgendwas in ihrer Rechnung nicht stimmen könne. Eine alte CSU-Regel sagt, dass die Partei in Bayern ungefähr zehn Prozent über dem Bundeswert der Union liegt. Wenn die Union also auf 38 Prozent komme, müsse das für die CSU mindestens 45 bis 46 Prozent bedeuten, wenn man ganz vorsichtig rechne, erklärt Dobrindt der Allensbach-Chefin, die traditionell der CSU auf ihrer Klausur die politische Lage schildert. Aber Köcher lässt sich nicht von ihren Zahlen abbringen. Andere zählen sofort die Zahlen der anderen Parteien zusammen und kommen auf 89 Prozent. Wo sind die fehlenden elf Prozent fragen sie sich irritiert. „Das ist ein Schmarrn”, sagt der Chef der CSU-Landtagsfraktion Georg Schmid. „Ich hab’s nicht kapiert.” Die CSU wisse, dass sie zwischen 48 und 49 Prozent liege. Schmid: „Überall wo ich hinkomme, ist die Stimmung top.”

Inzwischen sprechen sie in der CSU nicht mehr von einer Umfrage, sondern von einer „Einschätzung”. „Ich glaube Frau Köcher nicht”, sagt der Bundestagsabgeordnete Norbert Geis. Jeder sei total überrascht gewesen. Aber das könne einfach nicht stimmen. Am Ende meldet sich CSU-Chef Horst Seehofer zu Wort und stellt eine einzige Frage: „Haben Sie auch eine Umfrage für Niedersachsen?” Die Professorin muss passen. Seehofer grinst. Die Glaubwürdigkeit der 41 Prozent löst sich in Luft auf. „Sie hat also keine Länderumfragen”, sagt er danach.

„Mir san besser als Allensbach”, erklärt der Europa-Abgeordnete Markus Ferber. Er erinnert daran, dass Köcher schon mal falsch gelegen habe. In Sicherheit habe sie 2005 in Kreuth die CSU und ihre große Schwester CDU gewogen und gesagt: „Ihr gewinnt.” Dann reichte es nur für die große Koalition.

Diesmal ist die Umfrage-Expertin, die dem konservativen Lager zugerechnet wird, skeptischer. Ihr Resümee: Die Bundestagswahl ist noch nicht entschieden. Es könnte auch zu einer Rot-Grün-Gelben Mehrheit kommen, wenn die FDP den Sprung in den Bundestag wieder schafft, es für eine Fortsetzung der Koalition aber nicht reiche.Bei der CSU kann Köcher mit solchen Aussagen in Kreuth nicht punkten. Schlechte Umfragen, schlechtes Allensbach. Seehofer jedenfalls gibt sich in dem Bergtal siegessicher.

Auch Enda Kenny, der Irische Premierminister, ist bei der CSU zu Gast. Er berichtet, wie das verschuldete Irland wieder auf die Beine kommt. Seehofer hat er eingeladen auf die Grüne Insel. „Ich werde bald kommen”, verspricht der CSU-Chef. Auch dem griechischen Premier Samaras hat er einen Besuch versprochen. Dublin, Athen – Seehofer im Reisefieber in die europäischen Pleite-Staaten. Und das mitten im Wahlkampf.

Der CSU-Chef grinst: „Warum soll ich denn hier sein?” Das soll signalisieren: alles paletti bei der CSU. Die 41 Prozent von Allensbach werden sofort aus dem Kreuther Gedächtnis gestrichen. Denn heute wird die Entwarnung kommen. Da veröffentlicht der Bayerische Rundfunk mittags seine große Bayern-Umfrage. Und da rechnen die Christsozialen mindestens mit 48 oder 49 Prozent – und hoffen sogar auf 50 Prozent. Dann ist die schwarze Welt von Kreuth wieder in Ordnung.

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