Kneipen-Tour durchs Schwabing der 80er

Musik vom Tonband, Studenten zum Abschleppen und selbstgebackener Kuchen: AZ-Leserin Barbara Schmidt erinnert sich an ihre Streifzüge durch die Kneipen.
| Von AZ-Leserin Barbara Schmidt
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Eine Party im Blow Up in den 60er-Jahren. Im kleinen Bild unsere Autorin Barbara Schmidt, die hier in den 80ern feierte.
AZ-Archiv/privat Eine Party im Blow Up in den 60er-Jahren. Im kleinen Bild unsere Autorin Barbara Schmidt, die hier in den 80ern feierte.

Als ich 1981 in die Schellingstraße/Ecke Augustenstraße zog, ratterte dort noch quietschend eine Straßenbahn um die Kurve. Im "Alten Ofen" am Josephsplatz mit warmen Fleischpflanzln in dämmriger Gemütlichkeit auf durchgesessenem Sofa traf ich mich öfters mit einer Freundin, auf dem Gepäckträger ihres Fahrrads radelten wir dann nachts durch Schwabing – und ich schmetterte lauthals die Marseillaise, bevor wir nach Hause fuhren.

Im "Vollmond" in der Schleißheimer Straße mit Musik vom Tonband konnte man mit dem meist männlichen studentischen Publikum gut anbandeln (und abschleppen), was ich ab und an auch tat.

Als ich das erste Mal ins proppenvolle "Blow Up" mit damals ungewohnt gemischtem Publikum am Elisabethplatz kam, gab’s nur noch einen Stehplatz neben der Tür zu den Toiletten und es roch sehr streng. Ein blonder Jungmann baggerte mich mit dem Spruch an, er sei ein Schwabinger Künstler – und als ich ihn im schummrigen Licht genauer betrachtete, stellte ich fest, dass er in der gleichen Firma arbeitete wie ich. Als ich ihn darauf ansprach, verzog er sich wortlos und ward nicht mehr gesichtet…

Die Münchner Freiheit war noch nie besonders schön, hatte aber damals – im Gegensatz zu heute – noch Schwabinger Flair mit dem Hertie-Kaufhaus an der Ecke und den vielen kleinen Kneipen in der Siegesstraße. In der "Tomate" gaben sich meistens Bundeswehrsoldaten die Kante, im "Krokodil" auf der anderen Seite brandete einem am Wochenende guter Hardrock-Sound entgegen, sobald man die Tür öffnete. Reinkommen und sich ein bisschen wie zu Hause fühlen – man kannte sich und mochte die gleiche Musik.

Ab und zu kreuzte ein "Gothic Man" auf in bodenlanger schwarzer Kluft mit einer weißen Ratte am Kragen. In der "Blue Box" gab‘s ein kleines Nebenzimmer, wo gedealt und geraucht wurde, was das Zeug hielt. Und im damaligen "Ohne Worte" in der Kaiserstraße mit Wirtin Moni kam man als Stammgast nicht aus der Tür ohne ein paar von ihr spendierten Ramazottis. Im "Adria" ums Eck in der Leopoldstraße gab‘s auch früh um vier noch warmes Essen für die Nachtschwärmer. Und das nicht einmal schlecht.

Das "Round Up" hatte seine besten Zeiten da schon hinter sich als wir es "entdeckten", eine Zeit lang waren wir fast jeden Freitag dort, ein kleiner gepflegter Flirt mit dem schnuckeligen Türsteher und dann die Treppen runter und eintauchen in eine Soundwolke! An einem 24. Dezember rief mich gegen 22 Uhr eine Freundin an, und wir beschlossen ins Round Up zu gehen – ein unvergesslicher Heiligabend! Der DJ legte später dann im Twilight im Pharao-Haus auf.

Bevor das "Titanic City" am Kurfürstenplatz aufmachte, war für kurze Zeit noch "Wolfi" der Inhaber der ehemals berüchtigten Discothek, später eröffnete er den "Jumbo-Keller" in der Jakob-Klar-Straße, wo ich mit einem Freund Silvester feierte – es wurde eines der besten! Ich quatschte fast die ganze Nacht mit einem jüngeren Mann, schließlich heulten wir beide wegen unserer beschissenen Jugend und den bescheuerten Eltern.

Als ich meine Leidenschaft für Billard entdeckte, war das "Playoutdri" in der Schellingstraße die Adresse schlechthin, einen "Zwickel" einwerfen und loslegen, es durfte geraucht werden und in einer Mini-Jukebox waren sogar ein paar echt gute Hits. Es gab drei relativ gepflegte Tische und einige gute Queues, später bekam ich einen eigenen geschenkt.

Den "Schelling Salon" gibt es ja noch, eine zeitlang war das der Treffpunkt für weibliche Models, wie mir der Inhaber eines für damalige Verhältnisse bestausgestatteten Copy Shops in der Schellingstraße verraten hat. Die Tische und Queues im "Schelling Salon" waren ziemlich ramponiert, und wenn ich richtig informiert bin, hat sich daran ja nicht viel geändert.

Eine der wenigen fast unveränderten Kneipen in Schwabing zum Wohlfühlen, mit gutem Essen (unter anderem selbst gebackener Kuchen!) und erstaunlich normalen Preisen ist der "Scheidegger". Über zwanzig Jahre besuchte ich das ehemalige Fitnessstudio Smolana in der Isabellastraße, und danach war ein Besuch im "Scheidegger" obligatorisch…

Eine zeitlang wäre ich gerne wieder nach Schwabing gezogen, in den kleineren Straßen war es immer noch relativ ruhig. Als ich kürzlich mal wieder dort weilte, stank es wie überall heftigst nach Autoabgasen, es wurde allerorten saniert, abgerissen, gebaut, der Verkehr war wie überall und der Lärm teilweise bestialisch.


Und was haben Sie erlebt? Schreiben Sie an die AZ!

Die AZ wird Sie in diesen Sommertagen unterhalten mit Geschichten aus den Zeiten, in denen München doch noch münchnerischer war als heute. Als Stenze durch die Stadt strawanzten – und Striezis und Schandis aneinandergeraten sind.
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