Doku "Volksvertreter": Hinter der Wahrheit

Andreas Wilckes Doku "Volksvertreter" porträtiert über einen Zeitraum von drei Jahren vier AfD-Politiker
| Florian Koch
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Der Deutsche Bundestag im Gebäude des ehemaligen Reichstags.
Der Deutsche Bundestag im Gebäude des ehemaligen Reichstags. © Dokfest

"Sinn entleeren ist etwas Wunderschönes", erklärt Norbert Kleinwächter voller Überzeugung. Der ehemalige Lehrer ist 2017 für die AfD in den Bundestag eingezogen. Sein Fachbereich: Arbeit und Soziales. Die Leidenschaft für Pädagogik ist dem jungen Politiker geblieben. Auf einer Schulung in Brandenburg erklärt er Kommunalpolitikern die Tricks der AfD. Anträge etablierter Parteien müsse man immer hinterfragen, torpedieren, abschießen. Und wenn gar nichts mehr hilft, könne man "die Grünen noch mit ihrer Pädophilie" packen.

AfD-Politiker von Kamera begleitet: Tricks der Partei entlarvt

Die Kamera ist bei jeder perfiden Strategiebesprechung mit dabei. Nicht heimlich, sondern im Wissen der Beteiligten sind die Aufnahmen für Andreas Wilckes "Volksvertreter" entstanden. Und das macht seinen hintergründigen Film, der ganz ohne wertenden Kommentar auskommt, auch so spannend. Wir sehen Kleinwächter, wie er beim Bürgerdialog auch mal einen Gast wegen NS-Parolen herauswerfen lässt. Wir sehen ihn aber auch, wie er die EU diskreditiert oder, schlimmer, wie er bei der Fußball-WM lacht, als die gelb-rote Karte für Jérôme Boateng im Wirtshaus mit "Abschieben, abschieben!" rassistisch kommentiert wird.

Man möchte "weg vom Populismus", aber...

Das Klischee vom Wolf im Schafspelz trifft auch auf die anderen Volksvertreter zu. Enrico Komning vom Wirtschaftsflügel feilt mit seinen Mitarbeitern stundenlang an Formulierungen, möchte "weg vom Populismus". Und dennoch druckt er T-Shirts mit der Aufschrift "Kommando Komning" und lässt sich auf Straßendebatten über angeblich gefährliche Flüchtlinge ein ("Soll sich diese Göring-Eckardt mal diese jungen Burschen nach Hause holen!").

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Eloquenter präsentiert sich auch bei Diskussionen um neue Straßennahmen der bundespolitische Sprecher Götz Frömming. Populistische Selfies vor wehenden Deutschland-Fahnen beim fragwürdigen "Neuen Hambacher Fest" konterkarieren jedoch schnell seine Ausgewogenheit genau wie seine plumpe Begründung: Er müsse ja auch "die Twitter-Kanäle pflegen". Vielleicht am stärksten tritt die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit bei Armin-Paulus Hampel zu Tage. Der ehemalige ARD-Korrespondent und einstige außenpolitische Sprecher der AfD sieht sich politisch als wertkonservativer Wanderer. Mit seinem ausgestellten Bildungsbürgertum und seiner sonoren, gelassenen Stimme verschafft sich Hampel Respekt.

Armin-Paulus Hampel schockiert mit Verhalten in Flüchtlingslagern

Und doch schockiert sein Verhalten bei einer illegalen Spritztour zu den Flüchtlingslagern auf der griechischen Insel Samos. Von oben herab, im feinen Zwirn, parliert der polyglotte Politiker mit den Flüchtlingen. Nur um ihre Aussagen später auf ein klassisches AfD-Mantra zusammenzuschneiden: "Enddestination Deutschland".


6.5., 9.30 Uhr, Einstein 28; Sa., 20.30 Uhr, HFF, Kino 1; Do., 18.30 Uhr, Rio 1, Q & A mit Andreas Wilcke; 14.5., 16 Uhr, Gasteig HP8

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