"Wie ein Fremdkörper" FC Bayern: Warum Hoeneß bei Boateng einen Fehler gemacht hat

Meinungsverschiedenheit: Jérôme Boateng (li.) und Uli Hoeneß beim FC Bayern. Foto: AZ-Montage, imago/Sven Simon, sampics/Augenklick

Uli Hoeneß rät Jérôme Boateng zu einem Vereinswechsel – öffentlich. Doch damit begeht der Vereinspräsident des FC Bayern einen taktischen Fehler. Eine Analyse.

 

München - "Im Moment wirkt er wie ein Fremdkörper. Ich würde ihm als Freund raten, sich einen neuen Verein zu suchen." Noch bei der Double-Feier des FC Bayern beendete Uli Hoeneß vor großem Publikum im Gespräch mit dem BR das Kapitel Jérôme Boateng beim Rekordmeister. Eigentlich. Denn: Die öffentliche Schelte und die Wechselgenehmigung waren gemessen an ungeschriebenen Transfermarkt-Regeln taktisch eher unklug.

Transfermarkt: Klubs schachern um Millionen

Die heiße Phase des Werbens und Abwerbens auf dem Transfermarkt beginnt gerade erst. Oft schachern Klubs über Wochen hinweg um die eine oder andere Million. Um Benefits wie Prämien, und die Spieler natürlich um das bestmögliche Gehalt. Hoeneß hat mit seinen öffentlichen Aussagen, wohl in der Begeisterung über den DFB-Pokal-Sieg, Boateng für verkäuflich und verzichtbar erklärt. Nichts weniger.

Anders formuliert: Der Vereinsboss hat der Branche erklärt, dass die Bayern den 30-jährigen Innenverteidiger nicht mehr brauchen. Der 67-Jährige hat seinem Sportdirektor Hasan Salihamidzic das Arbeiten damit denkbar schwer gemacht. Der Bosnier wird Teil der Verhandlungen mit den Interessenten sein. Verschiedenen Berichten zufolge sollen Inter Mailand und Juventus Turin aus der Serie A Interesse an einer Verpflichtung bekundet haben, wie "Sport1" berichtet, erwägt gar der BVB einen Transfer.

Der Marktwert von Boateng sinkt

Doch, wie der mögliche Abnehmer nun heißen mag - die Klubs wissen jetzt, dass der FC Bayern seinen Abwehrmann nicht um jeden Preis halten will. Auch wenn Boateng kürzlich bekräftigte, nicht kampflos zu gehen. Nachdem er zuvor kaum (Meisterschaft) oder nur verhalten (DFB-Pokal) beim erfolgreichen Saisonfinale mitgefeiert hatte.

Kaum ein Verein dürfte noch bereit sein, eine Ablöse im Rahmen des geschätzten Marktwertes zu zahlen – laut "Bild" liegt dieser bei rund 20 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr um dieselbe Zeit lag Boatengs Marktwert laut Fachportal "transfermarkt.de" noch bei 45 Millionen Euro.

Die "Bild am Sonntag" berichtete zuletzt, dass Salihamidzic im Sommer 2018 einen vermeintlich zugesicherten Wechsel nach Paris habe platzen lassen. Boateng erzählte dem "Kicker" gleichzeitig von einer "adäquaten Summe". Laut "Bild" soll es um 32 Millionen Euro Ablöse gegangen sein, die PSG damals bot.

Markant: Der Vertrag des früheren Nationalspielers an der Säbener Straße läuft noch bis 2021. Und die Münchner stehen vor einem Dilemma. Niklas Süle ist mittlerweile der Abwehrchef. Mats Hummels hat in den entscheidenden Wochen stark performt.

FC Bayern: Zwei neue Innenverteidiger

Mit den Franzosen Lucas Hernandez (für 80 Millionen Euro) und Benjamin Pavard (35 Millionen) kommen zwei Innenverteidiger zum Vorbereitungsstart im Juli neu dazu. Abwehrtalent Lars Lukas Mai trainiert seit Monaten mit den Profis – Niko Kovac hatte ihn sieben Mal für den Bundesligakader nominiert.

Boateng stünde in der Hierarchie sicher noch vor dem erst 19-jähigen Mai, wäre aber wohl nur noch Innenverteidiger Nummer fünf. Bleibt für die Bayern die Frage, ob sie dem Berliner weiter sein üppiges Gehalt (geschätzt 12 Millionen Euro) zahlen wollen.

Oder, ob sie ihn letztlich zu einem Schnäppchenpreis verkaufen, nachdem Hoeneß - nicht gerade weitsichtig - vorgeprescht ist.

Lesen Sie hier: AZ-Umfrage - Wer war Ihr Bayern-Spieler der Saison?

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