Weltmeister im Formtief Bayern-Star Corentin Tolisso kämpft gegen die Zweifel

Corentin Tolisso ist nach seinem Kreuzbandriss aus der Vorsaison noch immer auf der Suche nach seiner Form. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Corentin Tolisso befindet sich beim FC Bayern in einem Tief, nach seiner schweren Knieverletzung kam der Weltmeister nie wieder auf Topniveau. Und nun wird das Gedränge im Mittelfeld noch größer.

 

München - Die Verpflichtung von Alvaro Odriozola hat beim FC Bayern einige Menschen glücklich gemacht. Zuallererst natürlich Trainer Hansi Flick, der sich seit Wochen einen neuen Rechtsverteidiger gewünscht hatte und nun beschenkt wurde. Was auch als persönlicher Erfolg für Flick im – zum Teil öffentlich ausgetragenen – Minigerangel mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu werten ist.

Neben Flick profitieren ebenso Benjamin Pavard, der nun in die Innenverteidigung rücken dürfte, sowie Joshua Kimmich vom Winter-Deal der Münchner. Kimmich muss ab sofort wohl nicht mehr hinten rechts aushelfen, was den Vorstellungen des Spielers und denen seines Trainers entspricht.

Es gibt allerdings auch Bayern-Profis, für die es jetzt komplizierter wird. Noch komplizierter, wie man etwa bei Corentin Tolisso festhalten muss. Der 25-jährige Franzose, 2018 immerhin Weltmeister, befindet sich im Tief, beim Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC saß er 90 Minuten auf der Bank. Während Flick die Talente Leon Dajaku und Michaël Cuisance in der Schlussphase einwechselte. Was ist los mit Tolisso?

Tolisso gibt zu: "Zweifel existieren"

"Ich frage mich selbst viele Dinge: Wird mein Knie wieder, wie es war? Werde ich wieder so gut wie vor der Verletzung?", sagte der Mittelfeldstar im November der Zeitung "Le Parisien". Er wolle "immer stärker zurückkommen, diese Motivation habe ich", ergänzte Tolisso, aber eben auch: "Zweifel existieren."

Zweifel, die aus dem September 2018 stammen, als er sich im Spiel gegen Bayer Leverkusen einen Kreuzbandriss zuzog und anschließend fast die gesamte Saison ausfiel. Erst im Pokalfinale gegen RB Leipzig (3:0) gab er ein kurzes Comeback.

Doch die Leidenszeit, so scheint es, ist noch immer nicht vorbei. Tolisso sucht weiter nach seiner Topform, die ihn einst für den FC Bayern interessant machte. In der Hinrunde kam er zu insgesamt 16 Einsätzen (drei Tore, drei Vorlagen), in der Bundesliga stand er nur sechsmal in der Startelf. So dynamisch, unbeschwert und torgefährlich wie in seiner Premierensaison 2017/18 tritt Tolisso selten auf. Damals waren ihm in insgesamt 40 Partien zehn Tore und sieben Vorlagen gelungen. Und Ex-Trainer Jupp Heynckes schwärmte im Gespräch mit der AZ in den höchsten Tönen: "Corentin Tolisso ist ein super Junge mit einem tollen Charakter."

FC Bayern: Tolisso hinterlässt wechselhafte Eindrücke

Diesen muss er jetzt zeigen, um wieder eine Chance in der Startelf zu erhalten. Beim öffentlichen Training Anfang der Woche wirkte Tolisso sehr motiviert, einmal gelang ihm ein tolles Tor aus der Distanz, einmal schoss er aber auch aus wenigen Metern deutlich drüber und ärgerte sich mächtig. Wechselhafte Eindrücke – wie schon im Wintertrainingslager in Doha.

Im zentralen Mittelfeld muss sich Tolisso in der Rückrunde gegen Kimmich, Thiago, Leon Goretzka, Javi Martínez, Cuisance, Thomas Müller und Philippe Coutinho behaupten. Es ist ein Kampf um seine Zukunft bei Bayern. Und einer gegen die Zweifel, die ihn seit seiner schweren Verletzung begleiten.

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