Was wird aus Alonso? Thiago und Co.: Gedränge im Bayern-Zentrum

Unter Beobachtung von Carlo Ancelotti: Xabi Alonso, Arturo Vidal und Thiago (von links). Foto: Imago

Der Systemwechsel beim FC Bayern reduziert die Plätze im defensiven Mittelfeld auf deren zwei. Kapitän Philipp Lahm rückt trotzdem vor. Fällt der Spanier Xabi Alonso dem Ganzen zum Opfer?

München - Lediglich zwei der letzten sieben Champions-League-Spiele gegen spanische Teams konnte Bayern gewinnen, man verlor fünf Mal. "Atléticos Stärke ist die Teamarbeit, wie sie immer zusammenarbeiten auf dem Platz ist bewundernswert", sagte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti vor dem Duell mit den Madrilenen (Dienstag, ab 20.45 Uhr bei Sky und im AZ-Liveticker).

Dem Italiener fehlen neben Kingsley Coman (Außenbandriss) auch Xabi Alonso (muskuläre Probleme) und Jérôme Boateng (Schulterblessur). Dass Alonso, der 35-jährige Routinier, erneut passen muss, werden einige Fans kommentieren mit: zum Glück. Doch so einfach ist es nicht. Alonso, mit dem Ancelotti schon bei Real Madrid erfolgreich zusammengearbeitet hat, ist die Schlüsselfigur seines 4-3-3-Systems, der Rhythmus- und Taktgeber.

"Ich weiß, Xabi ist langsam", gab Ancelotti schon zu Beginn der Saison zu, aber er setze eben auf dessen Spielverständnis, sein Auge und die Erfahrung. Dessen fehlende Schnelligkeit müssen andere ausgleichen, Alonsos Nebenleute, meist Arturo Vidal, der "aggressive leader", der für Dienstag wieder fit ist, und Thiago, die Passmaschine.

Weil Alonso letzte Woche unter muskulären Problemen litt und Vidal immer noch angeschlagen und ausgezehrt von den Spielen mit der chilenischen Nationalelf daherkam, stellte Ancelotti gegen Mainz (3:1) um. Auf ein Duo im Zentrum, zwei Sechser mit Thiago und Philipp Lahm, die bei Ballbesitz auch zu zwei Achtern werden können.

Plötzlich änderte sich alles: Die Statik des Spiels, die Ausstrahlung der Mannschaft, die Laune der Spieler – nicht nur die der Offensiven, weil nun eine Position mehr zur Verfügung steht: die hängende Spitze. Thomas Müllers "Lieblingsposition", wie er selbst sagte.

Kapitän Lahm droht Sperre im Achtelfinale

Auch Joshua Kimmich ist happy. Durch Lahms Versetzung ins Mittelfeld hat er einen Stammplatz als Rechtsverteidiger. Also stehen künftig nur noch zwei statt drei Positionen für fünf Profis zur Verfügung. Die Stammplatz-Chancen sind um ein Drittel gesunken für Lahm, Alonso, Vidal, Thiago und den 19-jährigen Renato Sanches, der aber eben noch im Talent-Status ist.

Heißt: zwei aus vier. Sind alle fit, müssten zwei auf die Bank. Aber Lahm? Nein. Thiago? Nein. Ein fitter Vidal? Wohl kaum. Alonso? Schon eher. Schlechte Aussichten für eine Vertragsverlängerung, das Arbeitspapier des 35-Jährigen läuft Ende Juni 2017 aus und dem portugiesischen Europameister Sanches gewährt man ein Lehrjahr, setzt dann ab nächster Saison mehr auf ihn.

"Wir haben ein flexibles Team"

Wird Alonso, ein Vertrauter Ancelottis, also plötzlich ein System-Opfer? "Wenn meine Mitspieler in den richtigen Positionen sind, dann weiß ich, was zu tun ist", sagte Alonso kürzlich in einem "FAZ"-Interview, gestand aber auch: "Wenn das Spiel verrückt wird, dann leide ich. Mir macht es mehr Spaß, wenn wir die Kontrolle haben."

FC Bayern will Rekordserie ausbauen

Selten hat ein Spieler so ehrlich über seine Schwächen gesprochen. Ancelotti hat künftig also die Qual der Wahl - zwei aus vier. "Wir haben ein flexibles Team, können mehrere Systeme spielen", betonte Thiago. Es war jedoch zu offensichtlich, mit welchem sie sich wohler fühlen.

 

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