Verrückte Spiele FC Bayern: Als es in Leipzig zum irren Showdown kam

13. Mai 2017: Robben erzielt in der Nachspielzeit den 5:4-Siegtreffer, Bayern und Trainer Carlo Ancelotti jubeln, Leipzig schiebt Frust. Foto: Augenklick

Arjen Robben schießt die Bayern, die schon als Meister 2016/17 feststehen, in einem fulminanten Spiel mit seinem Tor in der Nachspielzeit zum 5:4-Sieg in Leipzig. "Eine Bestätigung der Saison."

 

München - Ein reines Schaulaufen, ein vorgezogener Sommerkick – mehr nicht. Oder doch? Was sollte man schon erwarten, wenn am vorletzten Spieltag der Saison 2016/17 der alte und neue Meister FC Bayern bei RB Leipzig antritt, das sich erstmals in der Vereinsgeschichte für die Champions League qualifiziert hat? Warum sollten sich die Münchner noch ein, zwei Beine ausreißen? Schließlich hatten sie genau zwei Wochen zuvor mit dem 6:0 beim VfL Wolfsburg die 27. Meisterschaft – die letzte von Kapitän Philipp Lahm, der am Saisonende zurücktrat – perfekt gemacht.

Die Zielüberquerung Ende April, möglich geworden durch ein 0:0 von Verfolger Leipzig gegen Ingolstadt, war für die Bayern eine viel zu klare und daher weniger emotionale Sache als erhofft. Außerdem drückte das knappe Scheitern im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid und das Aus im Halbfinale des Pokals gegen Borussia Dortmund (2:3) wenige Tage zuvor auf die Stimmung. Wenigstens Meister, so das Gefühl, eine Pflichterfüllung – immerhin mit einmaligem Beigeschmack: der fünfte Triumph in Folge war noch keiner Mannschaft in der Bundesliga gelungen – mittlerweile sind es übrigens sieben an der Zahl.

Tom Starke stand beim FC Bayern im Tor 

Zurück ins Jahr 2017: Das Hinspiel kurz vor Weihnachten 2016 in München verlor die Elf von Trainer Ralph Hasenhüttl mit 0:3, von Seiten der Gastgeber ist die Motivation mit Anpfiff also deutlich höher. Überfallartig starten die Leipziger, Marcel Sabitzer trifft nach zwei Minuten zur Führung, nach fünf Minuten kann es auch 3:0 stehen. RB-Boss Dietrich Mateschitz, sonst ein seltener Tribünengast, ist höchst entzückt. Der 1:1-Ausgleich in der 17. Minute von Robert Lewandowski per Handelfmeter wird durch RB-Stürmer Timo Werner mit dem Elfer zum 2:1 gekontert (29.), danach ist Pause – und erstmal Ruhe, die Ruhe vor dem Sturm. Vor allem für Bayern-Torhüter Tom Starke, damals schon nicht mehr ganz so zarte 36 Jahr alt. Starke, "die Krake", gibt in den letzten drei Bundesliga-Partien der Saison den Ersatz-Ersatz-Keeper für die verletzten Manuel Neuer und Sven Ulreich.

Schnelles Quiz an dieser Stelle: Wer saß auf der Bank der Münchner? Kaum zu lösen, es war Amateure-Torwart Leo Weinkauf, heute beim MSV Duisburg. Nach der Pause wird es schnell & furios. Der gute Vorgeschmack der ersten Hälfte ist nur ein Appetizer gewesen, nun folgt der feudale Hauptgang. 3:1, 3:2, 4:2 – erst Yussuf Poulsen (47.), dann Thiago (60.), darauf wieder Werner (65.), der Starke aus spitzem Winkel tunnelt – eine selten unterhaltsame Achterbahnfahrt.

Erst Traum-Freistoß David Alaba, dann Sololauf von Arjen Robben

Eine Watschn für die Bayern kündigt sich an, die Reporter auf der Tribüne tuscheln ehrfurchtsvoll und tippen in die Laptops: "Wachablösung!“ Die Leipziger Bullen übertreiben es, spielen aufreizend lässig und kunstvoll im Mittelfeld schnelle, direkte Pässe. Was die Bayern reizt. Sie schlagen zurück: Der 4:3-Anschluss in der 84. Minute durch Lewandowskis Kopfball (sein 29. Saisontor!), der 4:4-Ausgleich durch einen sensationellen Freistoß von David Alaba in der 91. Minute.

Und dann, ja dann kommt Arjen Robbens Sololauf. Ein Ausbruch an Energie und Willen: das 5:4 für Bayern in der fünften Minute der Nachspielzeit. Alle rennen auf den Platz, in die Kurve, der entzückte Trainer Carlo Ancelotti (ja, der konnte auch einen Titel gewinnen!) küsst Robben leidenschaftlich den Hals. Die gefühlte Meisterschaft im Spiel um die goldene Dose.

"Das war super und noch einmal die Bestätigung unserer Saison", meinte Robben berauscht, "es ist eben etwas anderes, wenn du Leipzig am Ende noch einmal schlägst – womit nach dem 2:4 sicher keiner mehr gerechnet hat." Und RB-Coach Hasenhüttl fand: "Wir haben heute zwar keine Punkte gewonnen, dafür aber Herzen und Sympathien."

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