Süle, Kimmich, Gnabry Umbruch beim DFB: Bayern-Stars bilden das neue Gerüst

Das deutlich verjüngte DFB-Team beim Spiel gegen Weißrussland. Foto: GES/Augenklick

Das 2:0 in Weißrussland zeigt, dass sich eine neue Mannschaft beim DFB formiert, die sich super versteht. Serge Gnabry erinnert dies vor dem Spiel in der EM-Quali gegen Estland an die 2014er-Weltmeister.

 

Borissow/Mainz - Eingehender Anruf: Jogi Löw. "Hallo Marcusch, hier isch der Jogi. Ich bin sähr zufriede. Glückwunsch!"

So ähnlich dürfte die Gratulation des Bundestrainers aus dessen Freiburger Domizil Richtung Borissow am späten Samstagabend gelautet haben. Mit 2:0 hatte die Nationalelf recht souverän in Weißrussland gewonnen, weitere drei Pflicht-Punkte in der EM-Qualifikation eingesackt. Aushilfsbundestrainer Marcus Sorg, Spitzname Sorgo, erlebte einen recht sorgenfreien Kick. "Der Spielfluss war richtig gut, die letzte Konsequenz hat in einigen Situationen gefehlt, aber Jogi war sehr zufrieden", berichtete Sorg.

Während der Partie hatte sich Löw nicht gemeldet. Der SOS-Call, "die Notfallvariante", so DFB-Direktor Oliver Bierhoff, blieb aus. Das Spiel gegen die Nummer 96 der Weltrangliste am Dienstag in Mainz (20.45 Uhr, RTL live) werde der Bundestrainer im Krankenstand nun sicher "ruhiger" verfolgen, erklärte Bierhoff nach dem 71. Erfolg einer DFB-Auswahl im 100. EM-Qualifikationsspiel.

Mit Gnabry und Kimmich: Umbruch beim DFB

Am Dienstag winkt gegen Estland gar gleich ein Rekord. Sorg & Co. könnten den 14. Sieg hintereinander in einem Qualifikationsspiel erzielen. Und ganz ehrlich – wer glaubt schon an einen Patzer? Schließlich will keiner der Nationalspieler mit einer Schmach in den Urlaub gehen.

Für Sorg schloss sich am Samstag ein Kreis: Als U19-Nationaltrainer durfte er im Oktober 2013 in Weißrussland sein erstes Pflichtspiel als DFB-Coach bestreiten, ein 2:1 auf dem Weg zum EM-Titelgewinn 2014 in Ungarn. "Das war ein bleibendes Ereignis, eine tolle Sache – daran musste ich natürlich denken", so Sorg. Serge Gnabry und Julian Brandt waren damals dabei. Joshua Kimmich stieß bei der EM-Endrunde hinzu.

Gnabry, Kimmich und auch Brandt – drei prägende Figuren der Zeit nach der großen Zäsur, nach dem Horror-Erlebnis WM 2018, als eine überspielte und überalterte Nationalmannschaft, noch mit dem Gerüst der WM-Helden von 2014, sensationell in der Vorrunde ausschied. Doch spätestens mit dem freiwilligen Verzicht auf das Weltmeister-Trio Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller, die Löw im Frühjahr vor die DFB-Tür setzte, wurde ein klarer Schnitt gemacht.

Bayerns Süle einer der DFB-Fixpunkte

Das 3:2 im März in Amsterdam war das erste Ausrufezeichen der neuen deutschen Welle. Der Umbruch wurde mit der Niederlage in Paris gegen Frankreich (1:2 im Oktober, d.Red.) eingeleitet. Das erschütternde 0:3 in Amsterdam vier Tage vor Paris hatte Löw endgültig zum Umdenken gebracht. "Die Leistungen danach waren sehr, sehr positiv", sagte Sorg. Neben Angreifer Gnabry (23) und Kimmich (24), dem neuen Sechser, sind Abwehrchef Niklas Süle (23) sowie die Angreifer Leroy Sané (23) und Marco Reus, mit 30 der älteste Feldspieler im Kader dieser beiden Juni-Termine, die Fixpunkte.

Der aktuell verletzt fehlende Toni Kroos (29) sowie Torhüter und Kapitän Manuel Neuer (33) gelten bereits als "elder statesmen", als Führungsfiguren im Team. Julian Draxler (25) von Paris Saint-Germain, am Samstag Jubilar mit seinem 50. Länderspiel, gibt den Leader der Ersatzspieler.

Gnabry: "Als wäre man in der U21"

"Jedes positive Ergebnis hilft bei einem Team im Umbruch. Die Mannschaft zeigt, dass hier etwas entsteht", findet Sorg, "es ist aktuell sehr spannend, wer in die Führungspositionen hineinwächst." Die positive Binnen-Energie führt zu einer neuen Hierarchie. Momentan findet jeder seinen Platz, natürlich geht es um Leistung. Aber auch ums gute Gefühl. "Man merkt: Hier wächst etwas zusammen. Die Spieler wollen etwas aufbauen", hat Bierhoff beobachtet. Man kennt sich, man schätzt sich. "Eine gute Konstellation", so Kimmich.

Für Gnabry ein Gefühl der ewigen Jugend: "Ich kenne hier sehr viele Spieler, mit denen ich schon in der Jugend zusammengespielt habe – als wäre man in der U21. Wir sind alle noch relativ jung und sehr vertraut miteinander." Er glaubt: "Bei den Weltmeistern war es 2014 genau so, dass sich alle gut verstanden haben. Hoffentlich könnte es sich so wiederholen." 2022 dann. In Katar.

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