Spieler zeigen sich überrascht Rückzug von Uli Hoeneß: Ursachen und Folgen für den FC Bayern

Bayern-Bosse: Präsident Uli Hoeneß (l.) und Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Foto: Sven Hoppe/dpa

Präsident Uli Hoeneß will im November wohl nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Wie die Profis des FC Bayern reagieren. Was das für Auswirkungen auf Weggefährten hat. Und wie ein ehemaliger Weggefährte ihn umstimmen will.

 

München - Am Dienstag spazierte Uli Hoeneß mit seinem Hund auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße entlang. Neuzugang Lucas Hernández arbeitete dort gerade an seinem baldigen Einstieg ins Mannschaftstraining. Hoeneß schaute dem französischen Weltmeister zu, hielt einen kurzen Plausch mit dem 80-Millionen-Euro-Rekordneuzugang. Danach widmete er sich wieder seinem Hund. Der brauchte noch Auslauf.

Die Szene wirkte, als sei Hoeneß mal eben wieder vom Tegernsee an der Säbener Straße gekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Wie ein Besucher schlenderte Hoeneß umher und nicht wie der omnipräsente Präsident seines Klubs, der sich – angeführt von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge – zeitgleich im 7.900 Kilometer entfernten Kansas City auf der letzten Station seiner USA-Reise befand.

Uli Hoeneß verzichtet wohl auf Wiederwahl

Hoeneß vermittelte ein Bild, an das sie sich beim FC Bayern irgendwann gewöhnen müssen. Und das eher früher als später. Wie die "Bild" berichtet, will Hoeneß im November nicht mehr zur Präsidenten-Wahl beim FC Bayern antreten. Und dann auch seinen Posten als Aufsichtsratschef niederlegen – trotz seines bis 2022 gültigen Vertrags. Nach "Kicker"-Informationen will Hoeneß seinen Sitz als einfaches Mitglied im Aufsichtsrat behalten.

Bestätigen wollte Hoeneß das gestern nicht, aber auch nicht dementieren. "Am 29. August werde ich dem Aufsichtsrat meine Entscheidung mitteilen, vorher gibt es von mir keine offizielle Erklärung", sagte Hoeneß dem "Kicker". Noch gibt es Hoffnung für Hoeneß’ Anhänger im Verein.

"Ich hoffe, dass die Bild-Zeitung mit ihrer Meldung daneben liegt und in einen Entscheidungsprozess hineingeleuchtet hat, der noch nicht abgeschlossen ist", sagte Helmut Markwort, bis 2014 Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern, bei "Focus Online": "Uli Hoeneß könnte den FC Bayern noch einige Jahre bereichern. Er bringt noch so viel Kraft und Vitalität auf, dass ich ihn mir beim besten Willen nicht als Rentner am Tegernsee vorstellen kann." Markwort weiter: "Sollte sich eine Initiative gründen, mit dem Titel ‘Uli, wir brauchen Dich’, ich wäre ihr erster Unterzeichner."

David Alaba spricht von einem Schock

Und Joshua Kimmich möglicherweise ihr zweiter. "Ich kenne den FC Bayern eigentlich nur mit Uli Hoeneß", sagte der Nationalspieler erstaunt, als er in den USA auf den drohenden Hoeneß-Hammer angesprochen wurde. David Alaba sprach von einem "Schock". Es sei "eine exklusive Angelegenheit von Uli. Er wird sich seine Zukunft reichlich überlegt haben", sagte Rummenigge gestern Abend nach der Landung in München.

Bei genauerem Hinsehen hatte sich das nahende Ende der Ära Hoeneß zuletzt aber abgezeichnet. "Ich habe mal gesagt: ‘Das war’s noch nicht!’ Aber der Tag ist nicht mehr fern, an dem ich sage: ‘Das war’s!’ Und zwar, weil ich a) loslassen kann und b) der Zeitpunkt bald passen wird", sagte Hoeneß im April dem Vereinsmagazin 51. Nach dem Saisonende hatte sich der Bayern-Macher rar gemacht. Er gab keine Interviews mehr und kehrte erst Ende Juni zum entscheidenden Spiel um die Meisterschaft der Bayern-Basketballer aus dem Urlaub in Südfrankreich zurück.

Rummenigge spricht von "exklusiver Angelegenheit"

Die gemeinsame Auszeit mit seiner Frau Susi wollte Hoeneß nutzen, um eine Entscheidung über seine Zukunft zu treffen. Auch die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit dürften ihn dabei beschäftigt haben. Etwa die Anfeindungen der eigenen Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung im November oder die völlig missglückte Presse-Beschimpfungs-Konferenz im Herbst.

Hoeneß verstand es früher wie kein Zweiter, die Wucht seiner Worte zum richtigen Zeitpunkt und zum Vorteil des FC Bayern einzusetzen. Dieses Gespür schien er zuletzt verloren zu haben. Seiner vollmundigen Transferankündigung ("Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben") kann der Klub nicht ansatzweise gerecht werden.

Auch seine private Situation dürfte Hoeneß abgewogen haben. Seiner Susi hatte er bereits nach Ende seiner Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung (von Juni 2014 bis Herbst 2016) versprochen, kürzerzutreten. Doch weil Rummenigge in der Uli-losen Zeit an der Säbener Straße viel Macht und Einfluss an sich gerissen hatte, kehrte Hoeneß mit der Motivation zurück, es noch einmal allen zeigen zu wollen. Es kostete ihn viel Kraft, die alten Machtverhältnisse wiederherzustellen. Herbert Hainer als Wunschkandidaten für seine Nachfolge

Nach Hoeneß: Wie wird Rummenigge seine Rolle auslegen?

In strategischen Zukunftsentscheidungen, etwa in der Frage des Sportdirektors wie des Trainers nach Carlo Ancelotti, einem Rummenigge-Mann, setzte sich Hoeneß durch – ein letztes Mal? Philipp Lahm wurde nicht Sportdirektor, Thomas Tuchel nicht Chefcoach. Bauchmensch Hoeneß beförderte Hasan Salihamidzic zum Sportdirektor und machte sich für Niko Kovac stark.

Viel Vereins-DNA, viel Stallgeruch. Mit der Personalie Oliver Kahn, der im Januar als Vorstand einsteigen und als Nachfolger von Rummenigge aufgebaut wird, ist Hoeneß total happy. Mit Herbert Hainer als Wunschkandidaten für seine Nachfolge als Bayern-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender sowieso.

Der Dualismus Hoeneß/Rummenigge, der den Verein über Jahrzehnte angetrieben und zugleich aufgerieben hat, endet also voraussichtlich diesen Herbst. Es wird interessant, zu sehen, wie Rummenigge das eine Jahr ohne Hoeneß bis Ende 2021 nutzen wird. "Egal, ob er einen Posten hat oder nicht, er wird immer Einfluss auf den Verein haben", meinte Alaba. So lange er lebt, gilt eben: Big Uli is watching you. Auch als Besucher.

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