Sieben Punkte Vorsprung AZ-Analyse: Acht Gründe für den achten Bayern-Titel in Serie

Die Nummer 1 in Deutschland! Der FC Bayern um Robert Lewandowski, Thomas Müller und Alphonso Davies (von links) steuert auf die achte Meisterschaft in Serie zu. Foto: firo/Augenklick

Sieben Punkte Vorsprung bei sechs ausstehenden Spielen: Bayern ist nach dem 1:0-Sieg in Dortmund die achte Meisterschaft in Serie kaum noch zu nehmen. Was macht sie so stark? Eine AZ-Analyse.

 

München - Bis Ende Mai – so lange war es in Sachen Meisterschaft selten spannend in der Bundesliga. Okay, nicht ironiefrei, aber doch wohlwollend positiv formuliert. Die Nörgler unter den Bayern-Fans stöhnen jedoch: Bis in den Juni hinein auf den Titelgewinn warten zu müssen, ist ganz schön zäh.

Das 1:0 des FC Bayern bei Borussia Dortmund am 28. Spieltag war der Meister-Coup und bedeutet: Sieben Punkte Vorsprung auf den BVB, bei nur noch sechs ausstehenden Spieltagen. Auch Gladbach (nur 0:0 bei Abstiegskandidat Werder Bremen), Bayer Leverkusen (1:4 gegen Wolfsburg) sowie RB Leipzig (2:2 gegen Hertha BSC) patzten.

Hummels: "Damit sind wir und alle Mannschaften außer Bayern raus"

Wie zuletzt alle Jahre wieder beginnt nun die Rechnerei: An welchem Spieltag könnten es die Bayern frühestens schaffen, den Titel zu holen? Der Abstand zur Konkurrenz ist gewohnt groß, die Meisterschale hat ja seit Jahren eine Kontaktsperre zu anderen Vereinen, zu dominant treten die Bayern auf. Natürlich wollte sich in Dortmund keiner der Münchner Verantwortlichen, Trainer und Spieler zum 30. Meistertitel, dem achten hintereinander, gratulieren lassen.

Das übernahmen andere. "Damit sind wir und alle anderen Mannschaften außer Bayern raus", stellte Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels ernüchtert fest, "jetzt entscheidet nur noch Bayern, ob sie es machen oder nicht."

Titel Nummer acht in Serie, der Deutschland-Achter, hat mehrere Väter. Den größten Einfluss hat Cheftrainer – pardon: Schlagmann – Hansi Flick, der in einer schwierigen Phase Anfang November seinen Chef Niko Kovac beerbte.

Acht Gründe für den achten Titel der Bayern, den Geistermeister-Erfolg

1. Flicks Ansprache: Von Beginn an hat Flick mit seiner charmanten, aber doch bestimmten Art und der offenen, stets fairen Kommunikation seine Spieler für sich gewonnen. Vor allem widmet sich der 55-Jährige im persönlichen Gespräch denen, die aktuell nicht zum Stammpersonal gehören und nur selten auflaufen.

Seine Autorität, gemischt mit der Ausstrahlung einer Vaterfigur, erinnert an Triple-Trainer Jupp Heynckes, unter dem Flick einst spielte und viel von ihm lernte.

2. Flicks System: Von Anfang an, als Flick im November nach der Demission von Kovac noch als Testpilot auf Bewährung coachte, traf er wegweisende Entscheidungen: Rechtsverteidiger Joshua Kimmich versetzte er dauerhaft auf die Sechser-Position, der Plan ging vollends auf.

Das klare 4-3-3 mit einer Viererkette sowie zwei Außenstürmern, die Torjäger Robert Lewandowski bedienen sollen, hat lediglich im Zentrum eine kleine Variable: Entweder agieren zwei Sechser und ein Zehner – oder: Kimmich plus zwei offensive Achter. Macht Bayern schwieriger ausrechenbar.

3. Müllers Comeback: Anders als Vorgänger Kovac redete Flick das bayerische Urgestein stark, der zahlt mit bärenstarken Leistungen sowie Top-Werten (17 Torvorlagen) zurück. Thomas Müller ist der Kapitän der Feldspieler, der zweite Coach.

Keiner ist schneller als Davies, keiner hat mehr Tore als Lewandowski

4. Abwehrchef Alaba: Zweiter Mastermind-Schachzug von Flick. David Alaba, zuvor über Jahre Linksverteidiger, ist laut dem Trainer nun "der Maßstab" als Abwehrchef, besticht durch Übersicht und Spielverständnis. Nicht mehr wegzudenken.

5. Senkrechtstarter Davies: Keiner ist schneller (Top-Speed in Dortmund: 35,27 km/h), keiner sprintet mehr (42 Mal beim BVB), keiner erobert mehr Bälle als der 19-jährige Kanadier. Eine Sensation als rasender Linksverteidiger.

6. Boatengs Stabilität: So oft abgeschrieben, so viele Wechselgedanken: Jérôme Boateng ist immer noch da und topfit. Als Innenverteidiger klar vor 80-Millionen-Euro-Import Lucas Hernández gesetzt. Auch ein Verdienst von Flick, unter dem (Löws Assistent) er 2014 Weltmeister wurde.

7. Lewandowskis Torquote: Auch wenn er in Dortmund leer ausging (Pfostenschuss), führt der polnische Nationalspieler mit strammen 27 Treffern in 26 Spielen die Torschützenliste der Liga an, dürfte seine fünfte Torjägerkanone holen. Als Vize-Kapitän reifte er zu einer Führungsfigur.

8. Neuers Leadership: Der Kapitän hat mit seiner Vertragsverlängerung gezeigt, dass er sein Team bis 2023 führen will, er legte sich auch öffentlich mit den Bossen an, zeigte Profil. Als Torhüter gewohnt stabil: Hielt in elf Ligaspielen 2020 sieben Mal zu null.

Lesen Sie hier: Nach Bayern-Sieg - Ist die Meisterschaft wirklich schon entschieden?

 

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