Noten für die Bosse Ein schwieriges Jahr: Die AZ-Double-Zeugnisse für Bayerns Führungsetage

Jubel nach dem Double im Berliner Olympiastadion: Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic (l.) und Trainer Niko Kovac. Foto: firo/Augenklick

In der Führungsetage des FC Bayern lief in dieser Saison trotz zweier Titel nicht alles nach Plan, Trainer Niko Kovac gab im Kreis der Mächtigen das beste Bild ab: Teil eins der AZ-Double-Zeugnisse.

 

München - Die Fans haben gesprochen – und ein eindeutiges Urteil gefällt: Trainer Niko Kovac ist für viele Unterstützer des FC Bayern der Mann der Saison. Das wurde in den vergangenen Tagen überdeutlich. Schon während und nach dem Bundesliga-Finale gegen Eintracht Frankfurt feierten die Fans Kovac lautstark, bei der Vollendung des Doubles am Samstag in Berlin sowie am Sonntag auf dem Marienplatz erhielt der 47-jährige Coach riesigen Zuspruch.

"Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich auf euch bin", bedankte sich Kovac in Berlin. Und beim Besuch des Rathausbalkons rief er dem Anhang gar zu: "Ich liebe euch!" Kovac weiß, wie man sich beliebt macht – von den Bossen des FC Bayern konnte man dies in der nun beendeten Saison nicht immer behaupten.

Im ersten von fünf Teilen verteilt die AZ Double-Zeugnisse an die Mächtigen.

Niko Kovac: Note 2

Das Double als Spieler und Trainer – diese beachtliche Leistung schaffte beim FC Bayern nur ein Protagonist: Kovac. "Es gab keine Sekunde einen Zweifel, dass Niko Kovac unser Trainer in der neuen Saison sein wird", sagt Präsident Uli Hoeneß. Doch mehrmals wirkte der Coach ziemlich angeschossen – weil intern die Rückendeckung fehlte.

In der Herbstkrise wäre Kovac beinahe entlassen worden, erst ein Rotationsstopp und taktische Anpassungen (u.a. zwei Sechser) sorgten für eine neue Chance. Und die nutzte Kovac, sein Pragmatismus sicherte Bayern letztlich den ersten Doppeltriumph seit 2016. Mit seinem öffentlich bescheidenen, respektvollen und teils auch gesellschaftskritischen Auftreten punktete Kovac bei den Fans, zudem ließ er sich in hektischen Phasen nicht irritieren.

Zum Ende der Saison bleibt trotzdem ein Aber: Denn eine fußballerische Weiterentwicklung war bei der Kovac-Elf nicht zu erkennen. In zu vielen Spielen enttäuschten die Münchner, die Safety-First-Haltung des Trainers kam bei Teilen des Teams nicht gut an, offensive Ideen wurden vermisst. Das Champions-League-Aus gegen Liverpool sorgte für Ernüchterung. Ob Kovac Bayern wieder an die europäische Spitze führen kann? Von dieser Frage hängt seine Zukunft ab.

Hasan Salihamidzic: Note 4

Der Sportdirektor trat am Wochenende als Feierbiest in Erscheinung, zunächst bei der Double-Party in Berlin, dann beim Aufstieg der Amateure am Sonntag gegen Wolfsburg II. Da sah Brazzo auch Alphonso Davies (18) spielen, den Kanadier, den er im Winter von Vancouver nach München geholt hatte. Bislang heißt die Realität für Davies meist Regionalliga, dafür hat Bayern aber gewiss nicht zehn Millionen Euro (plus Boni) ausgegeben.

Salihamidzic kämpft weiter darum, an Profil zu gewinnen. Das gelingt nur mäßig. Seine Vorgesetzten machen es ihm aber auch schwer.

Karl-Heinz Rummenigge: Note 4

Bei der denkwürdigen Pressekonferenz im Oktober, als der Vorstandsboss Artikel 1 des Grundgesetzes zitierte und gemeinsam mit Hoeneß und Salihamidzic gegen Medien und TV-Experten lederte, fuhr Rummenigge seinem Sportdirektor bei einer Nachfrage zu Dortmunds Jadon Sancho über den Mund. Damit schwächte er Brazzo – genauso wie er es in den vergangenen Wochen bei Kovac tat, indem er dem Coach eine Jobgarantie verweigerte.

Positiv stehen für Rummenigge die Neuverpflichtungen Serge Gnabry und Leon Goretzka in der Bilanz, auch viele Verkäufe (Douglas Costa, Arturo Vidal, Sebastian Rudy, Juan Bernat) waren sinnvoll.

Uli Hoeneß: Note 4

Der Präsident ließ wie Rummenigge bisweilen das Gespür für die aktuelle Stimmung rund um den Klub vermissen. Hoeneß' Kritik am Spanier Bernat ("Scheißdreck gespielt!") war vernichtend und überhart, auf der Jahreshauptversammlung im November wurde der Bayern-Macher vereinzelt ausgebuht und beschimpft. Auch der öffentlich ausgetragene Streit mit Paul Breitner schadete Hoeneß.

Es war ein schwieriges Jahr für die Bayern-Bosse.

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