Löw muss kräftig aussieben 23 Plätze im WM-Kader: Umkämpft wie nie

DFB-Training im Düsseldorfer Paul-Janes-Stadion - vor dem Test-Länderspiel am Freitag gegen Spanien. Foto: imago/MIS

Das WM-Casting von Bundestrainer Joachim Löw geht in die heiße Phase, nur 23 Spieler darf er mit nach Russland nehmen. "Der Konkurrenzkampf tut uns gut", sagt Thomas Müller. Die AZ macht den Kader-Check.

 

München - Das Motto ist 84 Tage vor WM-Beginn klar vorgegeben - optisch wie inhaltlich. Der fünfte Titel soll her für die deutsche Nationalelf beim Turnier in Russland, und damit die DFB-Stars diesen Plan verinnerlichen, wurde das Motto schon mal am Mannschaftsbus illustriert.

"BEST NEVER REST" steht dort in großen Lettern geschrieben – die Besten ruhen sich nie aus. Das "V" ist als römische Fünf in goldener Farbe hervorgehoben. Ein eleganter Motivationsversuch für den Weltmeister. Ob's hilft?

"Gerade wenn man Erfolg hatte, neigt man vielleicht dazu, sich ein bisschen mehr darauf auszuruhen", sagt Leon Goretzka, ab kommender Saison Spieler des FC Bayern, zum neuen Slogan: "Da müssen wir gegensteuern und zusehen, dass wir weiter an uns arbeiten. Das ist die Grundlage, um Erfolg zu haben."

Wobei: Ausruhen auf den Erfolgen der Vergangenheit, dem WM-Titel 2014 und dem Triumph beim Confed Cup 2017, ist für die Nationalspieler ohnehin nicht mehr möglich. Zu hart ist der Konkurrenzkampf inzwischen geworden – auf fast allen Positionen. "Grundsätzlich können wir uns über die große Auswahl freuen. Doch am Ende wird es auch den einen oder anderen treffen, der es verdient hätte, mit zur WM zu kommen", sagte Juventus-Star Sami Khedira der Sport Bild.

Thomas Müller sieht den Konkurrenzkampf als "Hilfsmittel, um die Leistung hochzuhalten. Das tut uns gut, keiner kann sich Pausen gönnen". Bis zum 15. Mai muss Löw seinen vorläufigen WM-Kader melden. Vor den Testspiel-Krachern gegen Spanien am Freitag und Brasilien am Dienstag macht die AZ schon mal den Check: Diese 23 Spieler haben aktuell die besten Chancen auf eine WM-Nominierung.

Torhüter (drei Plätze)

Das DFB-Team hofft weiter auf Kapitän Manuel Neuer, der im April sein Comeback beim FC Bayern geben soll. Um dann als fitte Nummer eins nach Russland zu reisen. "Ich bin positiv, dass er es schafft, und er ist es auch", sagt Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff. Restzweifel über Neuers Gesundheitszustand gibt es aber weiter. Als starke Nummer zwei steht Marc-André ter Stegen parat, der beim FC Barcelona den Aufstieg in die Weltklasse geschafft hat. Bernd Leno oder Kevin Trapp werden den Kader auffüllen, Bayerns Sven Ulreich hat kaum noch Chancen.

Abwehrspieler (acht Plätze)

Es ist davon auszugehen, dass Löw jede Position doppelt besetzen wird. Als Innenverteidiger haben Mats Hummels und Jérôme Boateng ihren WM-Stammplatz sicher, genauso Joshua Kimmich auf der rechten und Kölns Jonas Hector auf der linken Seite. Erste Alternativen sind innen Niklas Süle und Antonio Rüdiger vom FC Chelsea sowie Herthas Marvin Plattenhardt (links). Der Gladbacher Matthias Ginter bringt den Vorteil mit, dass er rechts und im Abwehrzentrum spielen kann. Außerdem spielt er eine Top-Saison. Deshalb liegt er vor den Weltmeistern Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi.

Defensive Mittelfeldspieler (fünf Plätze)

Auch hier vertraut der Bundestrainer auf etablierte Kräfte, an Toni Kroos und Sami Khedira führt kein Weg vorbei. Doch wie groß der Luxus ist, zeigt der Blick auf die Alternativen: Ilkay Gündogan brilliert bei Manchester City, sollte er fit bleiben, fordert er Khedira heraus. Und dann gibt es ja noch Goretzka, den Überflieger des Confed Cups, Liverpools Emre Can, der das Training am Mittwoch wegen leichter Rückenprobleme abbrechen musste, sowie Sebastian Rudy vom FC Bayern. Can oder Rudy – einen erwischt es wohl.

Offensive Mittelfeldspieler/Angreifer (sieben Plätze)

Vor Turnieren wurde der Sturm in den vergangenen Jahren oft als Problembereich der deutschen Mannschaft bezeichnet – das hat sich geändert. Timo Werner (sieben Tore in zehn Länderspielen) hat sein Ticket sicher, der Leipziger bringt viel Tempo in den Angriff. Bulligere Varianten sind mit Mario Gomez und/oder Sandro Wagner vorhanden. "Ich freue mich über Stürmer, die Tore schießen", sagt Ex-Angreifer Bierhoff. Am vergangenen Wochenende trafen Werner, Gomez und Wagner allesamt. Bierhoff meint: "Es ist gut für die Spieler, sich gegenseitig hochzuschaukeln. Sie kommen mit Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft." 

Prächtig ist das Angebot auch im offensiven Mittelfeld. Thomas Müller, Mesut Özil und Julian Draxler sind für Russland gesetzt, ManCity-Star Leroy Sané hat sehr gute Chancen. Und sonst? Der Gladbacher Lars Stindl steht in der Gunst des Bundestrainers weit oben, seit er beim Confed Cup überzeugte. Leverkusens Julian Brandt ist ein weiterer Kandidat. Und natürlich gibt es noch zwei prominente Dortmund-Profis: Sollten Marco Reus und Mario Götze rechtzeitig in Form kommen, sind sie wieder heiße Kandidaten.

"Bereit wie nie!" - so lautete das Motto der DFB-Elf bei der so erfolgreichen WM 2014. Was den Kader für 2018 angeht, würde dieser Slogan passen: Umkämpft wie nie!

Lesen Sie hier: Reif über Gomez und Wagner - "Warum nicht beide zur WM?"

 
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