Kritik an Kovac nimmt zu Bayerischer Flächenbrand: Das sind die Brennpunkte beim FC Bayern

Es brennt bei den Bayern von Trainer Niko Kovac (m.) – auf und neben dem Platz. Foto: imago/Laci Perenyi, firo/Augenklick, ho, AZ-Montage

Nach der Fast-Blamage im Pokal in Bochum liegen bei Bayern die Nerven blank. Kapitän Manuel Neuer stellt die Charakterfrage – und Trainer Niko Kovac zieht sich den Zorn der Münchner Fans zu.

 

München/Bochum - Liebe Leser, es gab kurzzeitig die Überlegung, an dieser Stelle eine Seite ohne Inhalt zu drucken. Schließlich hatte Manuel Neuer ja Recht mit dem, was er am Dienstagabend in Bochum sagte.

Nach der Nicht-Leistung des FC Bayern in der 2. Runde des DFB-Pokals, die nur mit Glück noch zu einem 2:1-Erfolg reichte, schlug der Kapitän Folgendes vor. "Macht doch einfach mal 'FC Bayern München' als Titel und dann ein leeres Blatt. Das war unsere Leistung heute. Da müsst ihr nichts zu schreiben", sagte Neuer – und kritisierte seine Mitspieler scharf wie nie zuvor. Sportdirektor Hasan Salihamidzic sah es ähnlich: "Heute Abend kann man nicht analysieren, das werden wir auch nicht. Schnell abhaken. Ich bin froh, dass wir wieder nach München fahren."

Nach einer Nacht drüber schlafen müssen wir den FC Bayern leider enttäuschen: So einfach, ganz ohne Analyse, geht es nicht. Denn die Partie gegen Zweitligist Bochum offenbarte einmal mehr, dass es gerade überall brennt – auf und neben dem Platz. Die AZ erklärt die großen Missstände beim Double-Sieger.

Die Einstellung

Salihamidzic legte einen Auftritt voller Ironie und Sarkasmus hin. "Top Abend, top, top", sagte der Sportdirektor, der bald zum Sportvorstand befördert wird, im Guardiola-Stil: "Wir haben Bochum hergespielt, es war gut, richtig gut. Ein Riesenspiel." Oder eben nicht. "Ohne Ironie geht es heute nicht", ergänzte Brazzo.

Neuer nahm den Auftritt ernster und stellte die Einstellung seiner Kollegen in Frage. "Am Ende hat man den Willen gemerkt, wir haben es gut gedreht, aber den hat man nicht von Anfang an gemerkt", sagte Neuer. "Charakterlich war das in der ersten Halbzeit nicht so, wie es sich gehört."

Oha. Bereits in der ersten Minute hatte Bochum eine Riesenchance, weil Bayern einmal mehr unkonzentriert agierte. "Das ist uns leider zu oft passiert in der Vergangenheit", sagte Neuer und bezeichnete die erste Spielhälfte als "richtig traurig und enttäuschend. Ich weiß nicht, woran das liegt. Ob wir vom Kopf nicht richtig da sind oder ob man nicht eine Runde weiterkommen will. So hat es jedenfalls ausgesehen." Alarmierend.

Die Aufstellung

Überraschend ließ Trainer Niko Kovac Robert Lewandowski zunächst auf der Bank, auch Thomas Müller und Philippe Coutinho saßen draußen. Es war zu viel Rotation in einer Mannschaft, die aktuell so standhaft wirkt wie eine Pusteblume bei Windstärke zehn. "Wir haben wirklich gute Leute, die in den letzten Wochen nicht so viel gespielt haben", sagte Salihamidzic. Ivan Perisic und Corentin Tolisso gehörten aber zu den schwächsten Akteuren. Und Leon Goretzka, einen der besten Bayern, wechselte Kovac in der 57. Minute aus. Was der Ex-Bochumer nicht so prickelnd fand. Immerhin: Die Joker Lewy, Müller und Coutinho trugen entscheidend zur Wende bei.

Das Verhältnis Trainer/Mannschaft

Kovac ging seine Spieler erneut hart an, sagte bei "Sport1": "In der ersten Halbzeit war es ein Fehlpass-Festival. Das hat mit der Einstellung zu tun, nicht mit Taktik."

Mittlerweile haben die Stars registriert, dass Selbstkritik bei ihrem Coach selten vorkommt. "Wir brauchen keine Ausreden suchen beim Flutlicht, dem Platz, der Sonne oder dem Wind", so Neuer: "Es ist wichtig, dass sich jeder hinterfragt und in den Spiegel schauen kann. Man darf da jetzt keinen rausnehmen, ob es der Trainer ist oder die Spieler." Neuer schloss also Kovac mit ein. Doch der Coach ging lieber auf Distanz zur Mannschaft, zog die Bochumer als positives Beispiel heran: "Wenn alle das machen, was der Trainer sagt, dann funktioniert es."

Kovacs Äußerungen

Überhaupt – Bochum war einmal mehr ein Ort der Fettnäpfchen für Kovac. Als er auf das Duell mit Ex-Klub Eintracht Frankfurt am Samstag angesprochen wurde, meinte er: "Dort sind die besten Fans der Liga, das muss man ganz klar sagen."

Ein Satz, der auch bislang treue Kovac-Anhänger verärgert: "So kann man die Fans auch noch gegen sich aufbringen", sagt zum Beispiel Gerhard Stadler, Vorsitzender des Fanclubs Floss e.V. auf AZ-Nachfrage. Die Äußerungen von Kovac und Salihamidzic nach dem Bochum-Spiel seien "so beschissen wie das Spiel selbst" gewesen. "So kann man sich nicht artikulieren", meint Stadler.

Auch Markus Mayer von "de rodn Waginga" ist vom Kovac-Verteidiger zum Kritiker mutiert: "Solche Aussagen ärgern mich gewaltig", sagt er: "Erst der Notnagel-Spruch mit Thomas Müller, dann der unglückliche Liverpool-Vergleich und jetzt das. Kovac denkt bei seinen Aussagen nicht nach, er tritt in zu viele Fettnäpfchen."

Beim Verlassen des Bochumer Stadions wurde übrigens Kovac gefragt, ob er die Pressekonferenz vor der Frankfurt-Partie lieber Donnerstag oder Freitag abhalten wolle. Kovac schlug vor, den Termin einfach mal ausfallen zu lassen, er spreche ja mehr als hundert Mal pro Saison öffentlich und es gebe ohnehin nichts Neues zu sagen.

Sorry, liebe Herren Kovac, Neuer und Salihamidzic – es gibt gerade sehr wohl etwas zu besprechen. Viel sogar!

Lesen Sie auch: Schwachstelle Zentrum - Daran krankt das Herz des FC Bayern

 

9 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading