Kosten: 102 Millionen Euro München-Zulage und gratis MVV-Ticket für Stadt-Mitarbeiter

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Blick über München: Mit Verdopplung der München-Zulage und einem gratis MVV-Ticket soll die Stadt als Arbeitgeberin attraktiver gemacht werden. Foto: Peter Kneffel/dpa

Jetzt sollen sie kommen: Die verdoppelte München-Zulage und das gratis MVV-Ticket für städtische Tarifbeschäftigte. Von Letzterem werden nicht alle profitieren.

 

München - Am 1. Mai hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) angekündigt, die München-Zulage für städtische Tarifbeschäftigte zu verdoppeln. Nur eine Woche später folgte ein Antrag der Rathaus-CSU, in dem die Fraktion ein weiteres Zuckerl für Stadt-Mitarbeiter verspricht: ein gratis MVV-Ticket. Und schon einen Monat später liegt ein Plan aus dem Personalreferat vor, dem der Stadtrat am Donnerstag zustimmen soll – und das ziemlich sicher auch tun wird.

Auch für höhere Eimkommensgruppen: München-Zulage erhöht sich

102 Millionen Euro sollen beide Bonus-Aktionen kosten – insgesamt 40.000 Münchner werden laut Personalreferent Alexander Dietrich (CSU) profitieren. Der Großteil des Geldes, nämlich knapp 75 Millionen Euro, soll in die verdoppelte München-Zulage fließen.

Hier sollen künftig nicht nur Mitarbeiter der unteren und mittleren Einkommensgruppen profitieren, sondern auch die Mehrverdiener. "Alles andere wäre unfair", sagt Alexander Dietrich. Denn dann würden einige Menschen in niedrigeren Positionen mehr Geld bekommen als Mitarbeiter, die verantwortungsvollere Rollen ausführen.

München-Zulage verdoppelt - KAV muss zustimmen

So soll es jetzt laut Dietrich auch kommen: All die Mitarbeiter, die bereits eine Zulage bekommen, sollen künftig den doppelt so hohen Grundbetrag (270 Euro) erhalten. Zudem gibt es monatlich 50 Euro pro Kind. Alle anderen Tarifbeschäftigten sollen den bisherigen Betrag von 135 Euro (und 25 Euro pro Kind) bekommen.

Ab dem 1. Januar 2020 soll diese neue München-Zulage gelten. Doch dafür braucht es nicht nur das Ja des Stadtrates. Eine größere Hürde wird laut Dietrich die Zustimmung des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Bayern (KAV) sein, der in seinem Hauptausschuss am 9. Juli darüber abstimmen wird.

Denn durch ihre Mitgliedschaft im KAV darf die Stadt München keine eigenen Tarifverträge abschließen, bei jeder Änderung braucht es die Zustimmung des Verbandes. Als problematisch für die Entscheidung des KAV schätzt Dietrich ein, dass im Landkreis München ähnliche Personalprobleme herrschen. Und hier gibt es bisher nur die Arbeitsmarktzulage als Anreiz.

Gratis MVV-Ticket für Stadt-Mitarbeiter aus erweiterten Stadtgebiet

Neben der München-Zulage soll städtischen Mitarbeitern ab Januar 2020 auch das MVV-Ticket in Form eines steuerfreien Zuschusses erstattet werden. Und zwar nicht nur (wie bisher) für bestimmte Einkommensgruppen oder Nachwuchskräfte, sondern für alle städtischen Mitarbeiter.

Das geht auf einen Antrag der CSU zurück. Die Fraktion will damit nicht nur die Stadt als Arbeitgeberin attraktiver machen, sondern auch mehr Münchner dazu motivieren, mit Bus, Bahn und Tram statt Auto zur Arbeit zu fahren. Dietrich schlägt vor, das Jobticket nur den städtischen Mitarbeitern voll zu erstatten, die in der ab Mitte Dezember geltenden Tarifzone M (also dem erweiterten Stadtgebiet) wohnen.

Alle, die weiter außerhalb wohnen (laut Dietrich etwa 20 Prozent), sollen zwar auch das M-Ticket erstattet bekommen, müssen den Rest aber aus eigener Tasche zuzahlen. Dietrich: "Das erscheint mir gerecht, da in der Regel außerhalb Münchens die Mietpreise günstiger sind."

Ausgenommen seien lediglich Mitarbeiter in Mangelberufsgruppen und Nachwuchskräfte, die weiter draußen wohnen. Für die solle es ein gratis MVV-Ticket für den gesamten Großraum geben.

Eine wichtige Voraussetzung soll sein, dass die Mitarbeiter für die Fahrt zur Arbeit tatsächlich aufs Auto verzichten. "Nachprüfen lässt sich das natürlich nicht, da bauen wir auf das Vertrauen gegenüber unseren Mitarbeitern", so der Personalreferent. Dass viele das Angebot nutzen werden, davon geht er fest aus. Dietrich: "Es ist einfach ein deutlicher Netto-Vorteil."

102 Millionen Euro für München-Zulage und gratis MVV-Ticket

Anders als bei der München-Zulage reicht hierfür die Zustimmung des Stadtrates. Und zumindest diese Mehrheit hat Dietrich schon sicher: Mit der GroKo habe er bereits über den Plan gesprochen. Sie wolle am Donnerstag zustimmen.

Die 102 Millionen Euro, die die neue München-Zulage und das gratis MVV-Ticket kosten sollen, fehlen dann natürlich an anderer Stelle im Haushalt. "Etwa für zusätzliche Stellen", so Dietrich. Doch neue, geeignete Mitarbeiter zu gewinnen, sei für die Stadt eh schwierig: Zirka 3.500 Stellen sind derzeit unbesetzt, schätzt er.

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