Stadtrat gibt Grünes Licht: Die MVV-Reform kommt

Der Stadtrat hat am Dienstag endlich Grünes Licht gegeben für die neuen MVV-Preise. Die AZ erklärt die Debatte – und, wie viel Sie ab Dezember zahlen.
| Felix Müller
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So sieht der Netzplan künftig aus.
MVV 2 So sieht der Netzplan künftig aus.
Ab 15. Dezember gelten diese Preise für das MVV-Netz.
AZ 2 Ab 15. Dezember gelten diese Preise für das MVV-Netz.

München - Der jahrelange Streit ist zu Ende. Zumindest vorläufig. Am Dienstag hat der Stadtrat die Gelder für die MVV-Tarifreform bewilligt. Ab Herbst wird das System für die Münchner ÖPNV-Pendler einfacher, viele Tickets werden günstiger. Und das soll erst der Anfang sein. Parteiübergreifend drängt man darauf, dass es eines Tages 365-Euro-Tickets gibt. Ein Tag, ein Euro, das ganze Netz – für Abo-Kunden.

Doch eins nach dem anderen. Die am Dienstag beschlossene Reform tritt zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres in Kraft. Dann gibt es die neue M-Zone, ganz München für 55,20 Euro im Monat.

Für Kunden, die bisher nur den ersten und zweiten Ring gebucht haben, bedeutet das: Sie können für denselben Preis wie bisher auch in den dritten und vierten Ring fahren. Für Kunden, die bisher vier Ringe hatten, heißt es: Ihre Karten werden deutlich günstiger. Bisher kosteten sie 79,10 Euro im Monat. Nun also kostet die neue M-Zone nur noch 55,20 Euro im Monat. Oder, so rechnet es die SPD, sogar nur 43,50 Euro (für Kunden, die die Monatskarten für das ganze Jahr mit einem Schlag bezahlen).

Hier ein Überblick über die neue M-Zone (Zum Zoomen auf das Bild klicken):

So sieht der Netzplan künftig aus.
So sieht der Netzplan künftig aus. © MVV

Das MVV-System soll einfacher und einheitlicher werden

Allerdings werden nicht alle Angebote günstiger, so kostet künftig etwa die Einzelfahrt für eine Zone 3,30 Euro (statt bisher 2,90 Euro), die Kurzstrecke 1,70 statt 1,50 Euro, die Streifenkarte bleibt konstant bei 14 Euro.

Umstritten war vor allem lange, dass die Münchner, die nur Zeitkarten für den ersten und zweiten Ring kaufen, ursprünglich mehr zahlen sollten. Doch das konnte abgewendet werden.

Insgesamt soll das System einfacher und einheitlicher werden. So wird es nur noch sieben Tarifzonen (statt bisher 16 Ringe) geben. Der Stadtrat bewilligte für die Reform am Dienstag 28,35 Millionen Euro pro Jahr für die Jahre 2020 bis 2022.

Hier ein Überblick über die neue Preisstruktur des MVV (Zum Zoomen auf das Bild klicken):

Ab 15. Dezember gelten diese Preise für das MVV-Netz.
Ab 15. Dezember gelten diese Preise für das MVV-Netz. © AZ

Der zuständige Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) hatte zuvor insbesondere mit dem großen Preisvorteil für die Kunden aus dem dritten und vierten Ring argumentiert. Dabei handele es sich um rund 70 Prozent aller Innenraum-Kunden, betonte er – und davon profitierten dicht besiedelte Stadtviertel wie Neuperlach, Hasenbergl, Milbertshofen, Am Hart, Großhadern, Fürstenried West oder die Messestadt. Für die Stammkunden der Ringe 1 und 2 hingegen verdoppele sich der Bewegungsraum "bei gleichem Preis".

Die Linke fordert ticketfreien Nahverkehr

Die SPD reagierte erfreut auf den Stadtratsbeschluss. "Wir sind sehr zufrieden mit der Tarifreform", sagte Stadträtin Simone Burger am Dienstag im Gespräch mit der AZ. Trotzdem gebe es Punkte, "an denen wir weiter arbeiten müssen". Die SPD drängt darauf, dass der Freistaat nun auch in den Ausbau der Infrastruktur mehr investiert, um für leerere Bahnen in der Stadt zu sorgen. Und: Den Sozialdemokraten ist besonders wichtig, dass das Konzept des 365-Euro-Tickets, das Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Wahlkampf befürwortet hatte, bald konkret umgesetzt wird. Auf SPD-Initiative hin hat der Stadtrat am Dienstag gefordert, dass das Ticket zumindest für Schüler und Auszubildende schon ab 2020 eingeführt wird – und nicht erst später.

Der CSU-Fraktionsvorsitzende Manuel Pretzl zeigte sich begeistert vom Beschluss. "Für die Stadt ist das ein Super-Ergebnis", sagte er. "Ein Meilenstein, den wir uns richtig was kosten lassen." Pretzl lobte explizit den Freistaat, der in die Finanzierung der günstigen Tickets eingestiegen sei. Auch Grünen-OB-Kandidatin Katrin Habenschaden lobte den Beschluss. "Vieles geht jetzt in die richtige Richtung", sagte sie der AZ. Die Grünen wollen aber weiter auf eine baldige Umsetzung des 365-Euro-Tickets für alle setzen. Die Linkspartei hingegen will noch weiter gehen. Und forderte am Dienstag gleich einen ganz ticketfreien Nahverkehr. Bis das ernsthaft diskutiert wird, müssen die Münchner wohl noch ein paar Jahre warten. Aber immerhin: Bald gibt es deutlich mehr fürs Geld.

Hier finden Sie alle Preise in der MVV-Übersicht

Lesen Sie zu diesem Thema den AZ-Kommentar: Die MVV-Tarifreform ist noch ausbaufähig

Lesen Sie auch: Jetzt kommen die neuen Ticket-Scheckkarten per Post

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