Gipfel der Rechtsparteien Berg Heil! Frauke Petry trifft FPÖ-Chef auf der Zugspitze

, aktualisiert am 10.06.2016 - 16:58 Uhr
Deutsch-österreichisches Gipfeltreffen auf der Zugspitze zwischen der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Die Bilder. Foto: dpa

Die Rechtspopulisten in Deutschland und Österreich wollen gemeinsam neue politische Höhen erklimmen. Das sagte AfD-Vorsitzende Petry nach einem Treffen mit FPÖ-Chef Strache auf der Zugspitze.

 

Garmisch-Partenkirchen - Auf den Gipfel kommt AfD-Chefin Frauke Petry nicht, doch für die Bilder reicht es. "Wir wollen gemeinsam den höchsten Berg, den Deutschland zu bieten hat, erklimmen", sagt sie am Freitag bei einem Termin mit Österreichs FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache auf der Zugspitze. Beide Parteien wollen nun die "EU-kritischen Kräfte" im Europaparlament und anderswo bündeln.

Doch der 2.962 Meter hohe Gipfel bleibt unbezwungen, zumindest von Petry und Strache an diesem Freitag. Die zwei Politiker ziehen ebenso wie Entourage und Presse die sichere Aussichtsplattform der absturzgefährdeten Kraxelei zum Gipfelkreuz vor.

AfD: Lernen von der FPÖ

Für die Symbolik ist die einige Meter tiefer gelegene Terrasse völlig ausreichend: Die AfD-Vorsitzende will nach oben. Und von Österreichs FPÖ kann man dabei etwas lernen. Die österreichischen Rechtspopulisten sind nicht nur bei Wahlen erfolgreicher, sondern auch im Umgang mit Öffentlichkeit, politischem Gegner und den Medien weit professioneller als die AfD, der ständig Pannen unterlaufen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache würde sich mutmaßlich niemals so ungeschickt äußern wie AfD-Vize Alexander Gauland, der in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärte, "die Leute" wollten den Fußballprofi Jerome Boateng nicht als Nachbarn. Strache ist jugendlich-dynamisch, telegen, gegelt und eloquent, und keinesfalls würden ihm latent rassistische Äußerungen über Nationalspieler mit Migrationshintergrund über die Lippen kommen: "Ich bin stolz auf jeden einzelnen Spieler, weil das alles leidenschaftliche Österreicher sind", sagt er über die Nationalmannschaft der Alpenrepublik.

Der FPÖ-Chef ist seit Jahren bemüht, die politische Mitte zu besetzen. "Es wird immer wieder behauptet, das sind Parteien, die Europa zerstören wollen. Ein völliger Unsinn", sagt er. Und als Partei der bürgerlichen Mitte wollen auch Petry und die AfD auftreten. Dabei ist offensichtlich, dass zumindest Teile der AfD den fremdenfeindlichen Vorstellungen der rechten Szene nahe stehen, wie nicht nur Gaulands Einlassungen zu unerwünschten Nachbarn oder viele Beiträge auf AfD-Facebookseiten zeigen.

Petrys Gastgeberin auf der Zugspitze ist Edeltraud Schwarz, örtliche AfD-Kreisvorsitzende. Schwarz erklärte bei einer kleinen Kundgebung gegen die CSU-Klausur in Wildbad Kreuth im Januar, Kanzlerin Angela Merkel und die große Koalition steckten hinter der "Verneinung jeglicher deutschen Identität". Das kommt einer unter Rechtsextremisten verbreiteten Verschwörungstheorie nahe. Auf der Zugspitze erläutert Schwarz ihre Äußerung auf Nachfrage: Das habe sich darauf bezogen, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sich nicht für die sexuellen Übergriffe von Migranten auf Frauen in der Kölner Silvesternacht entschuldigt habe.

Die Flüchtlingskrise wirkt wie ein Turbobeschleuniger für die AfD, und zur Verzweiflung der CSU erweckt Merkel den Eindruck, als seien ihr die Wähler auf der rechten Seite des bürgerlichen Spektrums völlig schnuppe. Doch nach sämtlichen Umfragen der vergangenen Monaten ist auch CSU-Chef Horst Seehofers Strategie nicht aufgegangen, den Aufstieg der AfD durch Protest gegen Merkels Kurs in der Flüchtlingskrise einzudämmen. Je nach Umfrageinstitut rangiert die AfD in Bayern zwischen acht und zehn Prozent. Petrys Erklärung dafür: "Die CSU schreit laut, aber in Berlin landet sie als weicher Bettvorleger der Kanzlerin. Man kann nicht Opposition in der eigenen Regierung betreiben." Das Beispiel Österreich zeigt jedenfalls, wie gefährlich ein Gegner auf der rechten Seite für Volksparteien ist - nicht nur für konservative. Die Wählerschaft der AfD speist sich zum guten Teil aus ehemaligen SPD-Anhängern, wie Petry auf der Zugspitze berichtet. Strache verweist auf die knapp 50 Prozent der Stimmen für den FPÖ-Kandidaten bei der Direktwahl des österreichischen Bundespräsidenten im Mai: "Wir haben mit Extremismus nichts zu tun."

 

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