Fokus auf Halbfinale Vor Atlético: Pep, der Partycrasher

PepGuardiola möchte sich unbedingt mit dem Triple verabschieden und gibt dafür auch mal den Partycrasher. Foto: dpa

Gegen Gladbach lässt Guardiola eine B-Elf ran – und verpasst mit dem 1:1 die Meisterschaft im eigenen Stadion. Für den Trainer zählt nur das Spiel gegen Atlético, das über seine Dreijahresbilanz entscheidet.

 

München - Am Sonntag teilte Pep Guardiola seine Mannschaft auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße wieder in zwei Gruppen ein.

Die Spieler, die beim 1:1 gegen Mönchengladbach gespielt hatten, durften sich im Leistungszentrum von den Physiotherapeuten pflegen lassen, manche drehten ein paar Laufrunden. Die anderen, die nicht oder nur kurz zum Einsatz gekommen waren, absolvierten eine intensive Trainingseinheit.

Also die vermutliche A-Elf für das Spiel der Spiele, das Match des Jahres am Dienstag. Das Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Atlético Madrid (20.45 Uhr, ZDF & Sky live). Es gilt, das 0:1 vom Hinspiel in einen Sieg umzudrehen, der für das Erreichen des Finals von Mailand am 28. Mai reicht – also kein 2:1, 3:2, und so weiter.

Aubameyang holt auf im Duell der Torjäger

Kapitän Philipp Lahm, Arturo Vidal (beide ohne Einsatz auf der Bank), Javi Martínez, Xabi Alonso (Letztere zur Schonung auf der Tribüne) waren außen vor. Auch Torjäger Robert Lewandowski blieb draußen und musste später erfahren, dass sein Rivale um die Torjägerkanone, BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, einen Doppelpack erzielt hatte und im Baller-Ranking auf 25:27 herangekommen war. Nicht gerade gut für die Stimmung.

Den durch das eigene Remis und das 5:1 der Dortmunder gegen Wolfsburg aufgeschobenen Titelgewinn nahm Trainer Pep Guardiola mit seiner Aufstellung billigend in Kauf.

Womit er bei den Fans, im eigenen Verein und auch bei anderen Bundesligisten Unverständnis erntete. Schalkes Vorstand Horst Heldt meinte zu Peps Maximal-Rotation gegen Gladbach, Schalkes Konkurrenten um Platz vier: „Das nervt nur. Ich würde es auch so machen. Aber trotzdem nervt es.“

Rückfall in van-Gaal-Zeitalter

Was interessiert den Spanier schon das Geschwätz der Anderen und eine mögliche Meisterfeier zu Hause, die von den Anhängern seit 16 Jahren herbeigesehnt wurde? Wohl herzlich wenig. Dabei war eine Weißbierdusche im Falle des Titelgewinns laut Verein ohnehin nicht vorgesehen.

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Umständlich, mit viel Ballgeschiebe, quer und wieder quer – wie zu den schlimmsten Zeiten unter Louis van Gaal präsentierten sich die Bayern. Sie sind irgendwie aus dem Rhythmus, aus dem rechten Tritt gekommen. Auch durch die ständigen Rotationen? Wollen Vollprofis wie Lahm, Vidal und Lewandowski nicht lieber wenigstens eine Halbzeit kicken statt am Sonntag zu trainieren?

Das wenig unterhaltsame 1:1 gegen Gladbach bedeutete: Titel Nummer 26 kann – wenn überhaupt – erst am Samstag in Ingolstadt gefeiert werden, im kleinsten Stadion (Kapazität 15 000) der Bundesliga. Vor rund 2000 Bayern-Fans und nicht knapp 70 000 wie am Samstag in Fröttmaning.

Voller Fokus auf Halbfinal-Rückspiel

Guardiola gab in seinem 100. Bundesliga-Spiel (80 Siege, elf Remis, neun Niederlagen) den Partycrasher, weil er alles auf eine Karte setzt, alles dem Rückspiel gegen Atlético unterordnet. „Eine letzte Patrone“ habe er noch, hatte er am Freitag gesagt und hinzugefügt: „Ich bin noch nicht tot.“ Der Dienstag entscheidet über die Bilanz seiner drei Jahre Amtszeit beim FC Bayern. Zum dritten Mal das Aus im Halbfinale oder geht es zum Endspiel nach Mailand? „Tod oder Gladiolen“ nannte van Gaal diese Alles-oder-Nichts-Spiele.

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„Es ist ganz normal, dass wir rotieren, weil wir so viel Qualität in der Mannschaft haben“, verteidigte Lahm den Trainer. Torschütze Thomas Müller sinnierte: „Es fehlt sicher in den letzten Wochen die Leichtigkeit, das ist kein Geheimnis. Wir stehen zwar als Mannschaft gut zusammen, aber es geht nicht mehr so locker von der Hand. Wir schaffen es nicht mehr, so viele Tore zu erzielen.“ Die brauchen sie aber am Dienstag. Bei einer Partie von „überragender Bedeutung für uns“, betonte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Vor allem für Pep.

 

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