FC-Bayern-Legende im Interview Philipp Lahm über Bastian Schweinsteiger: "Waren die perfekte Mischung"

Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beim FC Bayern: 2013 gewinnen Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger die Champions League. Foto: dpa

Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm spricht in der AZ über das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger, ihre Zeit beim FC Bayern und im DFB-Team: "Es war mir eine Freude, so lange mit Basti gespielt zu haben".

München - Philipp Lahm prägte mit Bastian Schweinsteiger eine der erfolgreichsten Epochen in der Geschichte des FC Bayern. Zusammen gewannen sie 2013 das Triple, ein Jahr später folgte der WM-Titel.

AZ: Herr Lahm, Sie sind momentan ja viel beschäftigt. Unter anderem als designierter Chef der deutschen Turnierorganisation für die EM 2024. Haben Sie überhaupt Zeit, zum Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger am Dienstag zu kommen?
PHILIPP LAHM: Ich bin beim Spiel dabei – in erster Linie, um die herausragende Karriere von Basti zu würdigen. Und ich freue mich natürlich, ihn wieder einmal spielen zu sehen.

Die Generation Lahm/Schweinsteiger ist ein fester Begriff. Macht es Sie stolz, gemeinsam mit Schweinsteiger eine solche Ära geprägt zu haben?
Ja, natürlich. Und es war mir eine besondere Freude, so lange mit Basti zusammen erfolgreich Fußball gespielt zu haben. Das hat ja schon in der Jugend beim FC Bayern begonnen.

Lahm: Schweinsteiger "einfach ein herzensguter Mensch"

Wie wichtig waren das Triple 2013 und der WM-Titel 2014 als Krönung dieser Ära? Auch, um nicht als unvollendete Anführer einer goldenen Generation zu gelten?
Für uns zwei war es von großer Bedeutung, weil wir immer in einem Atemzug als Identifikationsfiguren für den FC Bayern und die Nationalmannschaft genannt worden sind. Beim Sieg im Finale von London in der Champions League ist uns beiden ein Stein vom Herzen gefallen.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Bastian Schweinsteiger?
An die wirklich erste Begegnung erinnere ich mich nicht. Basti ist Jahrgang 1984, ich 1983 – das heißt, dass wir eigentlich in der U16 und U17 mehr nebeneinander und erst in der U19 miteinander gespielt haben. Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt, wenn der Basti mit auf dem Platz und in der Mannschaft war – weil er einfach ein herzensguter Mensch ist und alles für seine Mannschaft gibt.

Er galt immer als der bayerische Lausbub, Sie eher als der besonnene, sachliche Kapitän. War das die perfekte Mischung?
Die perfekte Mischung war es mit Sicherheit. Ich denke, der Lausbub gilt nur für den Anfang von Bastis Karriere. Da ist er vielleicht einmal ab und an in ein Fettnäpfchen getreten, aber immer äußerst sympathisch, wenn ich an die Whirlpool-Affäre denke. Am Ende hat seine Professionalität in Rio aber zum Titel geführt.

Sie beide galten auch immer als zukünftige Gesichter des FC Bayern, sogar als mögliche Nachfolger von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Wäre das zukünftig noch vorstellbar für Sie, eine Rolle in der Sie sich wiederfinden?
Wir haben uns zum Ende hin sehr gut ergänzt und wirkliches Vertrauen zueinander entwickelt. Was in der Zukunft ist, das wissen wir beide nicht.

Lahm: Kovac kann nicht mit Heynckes konkurrieren

Welche Erwartungen haben Sie an die Bayern? Karl-Heinz Rummenigge hat angekündigt, in der Champions League angreifen zu wollen.
Der FC Bayern will immer angreifen. Die Meisterschaft und der DFB-Pokal sind absolut realistisch. Die Champions League gewinnt man nicht so einfach – obwohl man eine gute Mannschaft hat, ist es ja schon wieder fünf Jahre her, dass man gewonnen hat. Von daher gesehen – schaun mer mal.

Wie ist Ihr Eindruck vom neuen Trainer Niko Kovac? Er tritt ein schweres Erbe von Jupp Heynckes an, oder?
Trainer beim FC Bayern zu sein, ist immer schwierig, weil man zumindest deutscher Meister werden muss. Und Jupp Heynckes ist eine Trainerlegende und wenn man sein Lebenswerk anschaut, kann man damit nicht konkurrieren.

Kommen wir zu Ihrer aktuellen Aufgabe beim DFB. Welche Bedeutung hätte es für Sie, nach der Heim-WM 2006 als Spieler nun eine Heim-EM 2024 in Deutschland als Turnier-Verantwortlicher mitzuerleben? Gleichbedeutend mit einem WM-Titel?
Ich würde keinen Vergleich wagen, aber ich denke, dass die EURO 2024 in Deutschland eine gute Möglichkeit ist, ein Fußballfest wie 2006 zu erleben, ein neues Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen und den Fußball im Hinblick auf die Nationalmannschaften beim DFB und den Amateurfußball weiterzuentwickeln. Man braucht immer wieder Ziele, um sich weiterzuentwickeln.

Lahm ist von erfolgreicher EM-Bewerbung überzeugt

Holen Sie sich Tipps von Franz Beckenbauer?
Na ja, noch ist es ja nicht so weit, dass wir den Zuschlag bekommen haben. Aber wenn wir erfolgreich sind, dann würde ich mich freuen, wenn ich einmal Franz treffen und mich mit ihm austauschen könnte.

Fürchten Sie auch negative Reaktionen auf die deutsche Bewerbung als EM-Ausrichter nach den Enthüllungen rund um die WM 2006?
Kritik und Aufarbeitung muss ja immer sein, dem muss man sich stellen – aber ich sehe da keinen Zusammenhang. Wenn wir den Zuschlag für 2024 bekommen, liegt die WM 18 Jahre zurück.

Inwieweit könnte der Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalelf Auswirkungen auf die Entscheidung zwischen Deutschland und der Türkei als EM-Ausrichter haben?
Ich glaube nicht, dass das ausschlaggebend sein wird. Ich bin überzeugt, dass die wirtschaftliche Stabilität von Deutschland besonders in diesen unsicheren Zeiten den Ausschlag für Deutschland geben wird.

Sie werden nun auch einen Sitz im DFB-Präsidium erhalten. Wie sieht Ihre Rolle beim DFB in Zukunft konkret aus?
Im Augenblick liegt der Fokus auf unserer erfolgreichen Bewerbung. Wie meine genaue Rolle aussehen wird, ist noch nicht definiert.

 

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