Die verrücktesten Bayern-Spiele der Geschichte Als Luca Toni 2008 die frechen Hoffenheimer stoppte

Der Ohrschrauber als Scharfschütze: Luca Toni erlöst die Bayern am 5. Dezember 2008 mit seinem 2:1 in der Nachspielzeit gegen Hoffenheim. Foto: firo/Augenklick

Teil 2 der AZ-Serie über die "verrückten Spiele der Bayern". Ein Rückblick auf das Duell 2008 gegen Aufsteiger Hoffenheim – inklusive verbaler Keilereien.

 

München - Drei Mal schon spielte der FC Bayern in dieser Saison gegen Hansi Flicks Ex-Verein, gegen die TSG Hoffenheim – mit wechselndem Erfolg. Am 5. Oktober letzten Jahres gelang den Kraichgauern der erste Sieg in der Allianz Arena (2:1) – damals stand Niko Kovac noch als Trainer der Münchner an der Seitenlinie. Im Februar revanchierten sich die Bayern: Erst das 4:3 im DFB-Pokal-Achtelfinale, dann das historische 6:0 in Sinsheim – was aber nicht wegen des Sixpacks historisch war, sondern: siehe Kasten.

Im Rahmen dieser Serie sei ein anderes Duell gewürdigt: die allererste Pflichtspiel-Begegnung vor knapp elfeinhalb Jahren. Mit einem fulminanten Rahmenprogramm, sprich öffentlichem Vorab-Getrommel, das an die besten Zeiten der Fehden zwischen den Bayern (respektive Manager Uli Hoeneß) und den Bremern (mit Schlagabtausch-Liebhaber Willi Lemke) oder den Bayern (wieder Hoeneß) und den Kölnern (mit Schaumschläger Christoph Daum) erinnerte.

"Flotter Fußball" in Hoffenheim

Also sprach TSG-Trainer Ralf Rangnick im Dezember 2008 zwei Tage vor dem Anpfiff: "Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München fahren. Wenn sie flotten Fußball sehen wollen, sind Sie in Hoffenheim richtig."

Große Töne – nach eigenen Angaben soll der spätere Coach und Sportdirektor von RB Leipzig diesen flotten Spruch bereut haben. Dabei hatten Rangnick und seine Sensationskicker vor diesem 16. Spieltag allen Grund zu Übermut (zum einhergehenden Hochmut weiter unten im Text). Als Tabellenführer mit drei Punkten Vorsprung angereist, forderten die spielstark und dominant wie noch kein Aufsteiger auftretenden Hoffenheimer den Rekordmeister – und das in ihrer Debütsaison im Oberhaus. Der Liga-Neuling schockte das Establishment, wollte den Double-Sieger stürzen.

Auf dieses Duell fieberte Fußball-Deutschland hin, in München hätte man statt der 69 000 tatsächlich 150 000 Tickets verkaufen können (einen Wert, den man sonst nur in der Champions League gegen Real Madrid erreichte). Die Partie hielt, was sie versprach. Ein Topspiel mit hohem Tempo und offenem Visier, aber stets unter Beibehaltung taktischer Kniffe – und das, obwohl an der Seitenlinie der Roten Jürgen Klinsmann als Bayern-Coach stand. Es sollte das beste Match seiner lediglich bis April 2009 währenden Amtszeit werden.

An jenem Abend des 5. Dezember 2008 kicken sich beide Teams aus den Schuhen. Vedad Ibisevic, mit 17 Toren bis dato bester Torschütze der Liga, markiert gegen Torhüter Michael Rensing, der im Sommer Vereinslegende Oliver Kahn beerbt hat, das 0:1 (49.). Tor Nr.18 mit Hilfe eines Remplers gegen Massimo Oddo (wer erinnert sich noch an ihn?).

"Ohrschrauber" Toni erlöst die Bayern

Nur elf Minuten danach schlagen die Bayern zurück: Philipp Lahm trifft per Einzelaktion zum Ausgleich, sein Schuss wird von Comppers Hacke abgefälscht, landet unhaltbar im Kreuzeck. Lahms WM-Auftakttor 2006 gegen Costa Rica (4:2) ließ grüßen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit erlöst der "Ohrschrauber" die Bayern: Nach einem Abschlag von Rensing und gutem Einsatz von Miroslav Klose versenkt Luca Toni die Kugel zum 2:1. Der Italiener feiert mit seinem typischen Jubel und legt noch eine Scharfschützen-Gestik drauf, an der Seitenlinie springt Hoeneß vor Glück Klinsmann in die Arme. Im Rückblick merkwürdige Bilder. Apropos Hoeneß.

Nach Rangnicks Getöse im Vorfeld meinte der: "Ich sehe die Entwicklung von Hoffenheim sehr positiv. Wenn ich mir eine Sorge machen würde, dann um die Besserwisserei von Rangnick. Höhenluft ist dünner als die, die er jetzt gerade genießt. Doch bisher hat er in seiner Karriere im ersten Jahr immer super Leistungen gebracht, im Jahr darauf wurde er entlassen."

Übrigens: Hoffenheim holte eine Woche später die Herbstmeisterschaft, landete am Saisonende jedoch abgeschlagen auf Rang sieben. Meister wurde Bayern – nein, halt: Vizemeister. Den Titel holte der VfL Wolfsburg mit Trainer Felix Magath.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie: Wie Dortmund zu einem Lieblingsgegner des FC Bayern wurde

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