Die Boss-Frage Beim FC Bayern sind die Machtverhältnisse kompliziert

Sie haben beim FC Bayern das Sagen: Oliver Kahn, Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic, Uli Hoeneß, Herbert Hainer und Hansi Flick Foto: AZ-Montage, Imago/Eibner/regios24, Augenklick/firo/sampics/Rauchensteiner, dpa/Andreas Gebert/

Bei der Suche nach neuen Spielern für die Rückrunde kommt der FC Bayern nicht voran – auch deshalb, weil es intern viele unterschiedliche Interessen gibt. Die AZ erklärt die komplizierten Machtverhältnisse.

 

München Uli Hoeneß? Seit Wochen weder zu sehen noch zu hören. Herbert Hainer? Ebenfalls schweigsam und wie erwartet eher im Hintergrund aktiv. Oliver Kahn? Ohne Kommentar zu den aktuellen Transferplanungen. Karl-Heinz Rummenigge? Auffällig unauffällig.

Die Mächtigsten beim FC Bayern sind in diesen Tagen vor dem Rückrundenstart auch die Stillsten, einzig Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Trainer Hansi Flick treten öffentlich in Erscheinung. Und lassen dabei durchblicken, dass sie unterschiedliche Vorstellungen haben, was die Kaderstruktur für den Rest der Saison angeht. Flick will die Chance seines (Trainer-)Lebens nutzen, Titel gewinnen – deshalb wünscht er sich mindestens zwei neue Spieler, definitiv einen Rechtsverteidiger und gern einen Außenstürmer. Sonst, so der Coach, seien die hohen Ziele der Münchner in drei Wettbewerben nicht zu erreichen. Man kann Flick verstehen.

Salihamidzic wiederum weist zu Recht auf die Schwierigkeit hin, im Winter Topspieler zu verpflichten. Und er denkt natürlich auch schon an den Sommer, wenn Bayern wohl mehr als 200 Millionen Euro für Leroy Sané, Kai Havertz und weitere Verstärkungen ausgeben muss. Laut "Kicker" gab es inzwischen ein weiteres Gespräch zwischen Flick und sportlicher Führung – mit dem Ergebnis, dass bereits im Winter investiert werden soll. Ein kleiner Erfolg für Flick, falls denn wirklich brauchbare Spieler gefunden werden, die sofort helfen. Doch so oder so bleiben Fragen offen.

Hoeneß wird mit Infos aus dem inneren Kreis versorgt

Zum Beispiel die, wer aktuell den Masterplan in der Hand hält über die Zukunft der Mannschaft und des Klubs insgesamt: Ist es Kahn, der kürzlich bei seiner offiziellen Vorstellung den Nachwuchsbereich als "eines der wichtigen Themen" nannte, der während seiner zweijährigen Eingewöhnungsphase mit Sicherheit nicht wie ein Lehrling auftreten wird, ehe er Vorstandsboss wird? Ist es Strippenzieher Rummenigge, der vor seinem Abschied Ende 2021 ein Vermächtnis hinterlassen will? Und welchen Einfluss hat eigentlich Hoeneß, der nur noch einfaches Mitglied des Aufsichtsrats ist?

Die Machtverhältnisse beim FC Bayern sind kompliziert, die Boss-Frage beschäftigt den Klub. Und die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Konstellation mit so vielen Alphatieren tatsächlich hilfreich ist, um Entscheidungen herbeizuführen.

Wie die AZ weiß, wird Ex-Präsident Hoeneß weiter mit Informationen aus dem inneren Kreis versorgt, Hainer und Salihamidzic sind zwei seiner Vertrauten, auch die Installation von Kahn war Hoeneß’ Idee. Es ist deshalb keineswegs der Fall, dass Rummenigge seit dem Hoeneß-Rückzug schalten und walten kann, wie er will. Kluge Kompromisse sind erforderlich – mit Hainer, Salihamidzic und Kahn. "Oliver war auf dem Platz unser Titan. Und Titan rostet nicht", sagt Rummenigge: "Oliver wird uns bereichern. Wir werden gut zusammenarbeiten." Eine der wichtigsten Aufgaben ist es nun, den passenden Trainer zu finden. Wenn man ihn nicht schon gefunden hat.

Unter Flick sei die sportliche Entwicklung hervorragend, "sowohl was die Qualität unseres Spiels als auch die erzielten Ergebnisse betrifft", sagt Rummenigge. Deshalb ist es für den Vorstandsboss "ausdrücklich eine gut vorstellbare Option", dass Flick die Münchner über den Sommer hinaus trainiert.

Matthäus traut Flick den Bayern-Job langfristig zu

Dafür muss der Coach allerdings eine erfolgreiche Rückrunde liefern. Und klar ist auch: So lange keine Entscheidung in der Trainerfrage getroffen wurde, erschwert dies die Suche nach neuen Stars. Potenzielle Neuzugänge wie Havertz, der auch vom FC Liverpool umworben wird, möchten schließlich wissen, mit welchem Coach sie es zu tun haben werden.

Für Lothar Matthäus ist die Sache klar. "Ich traue es Hansi zu, langfristig Bayern-Trainer zu sein", sagte der Rekordnationalspieler dem "Kicker". Flick sei "wie der junge Jupp Heynckes, er kann die Spieler überzeugen, sie zum Lachen bringen. Das ist wichtig in München."

Apropos Heynckes: Als die Trainer-Legende den FC Bayern im Jahr 2013 zum Triple führte, waren die Strukturen im Klub ganz klar zu erkennen – mit dem Trio Matthias Sammer (Sportvorstand), Rummenigge (Vorstandsboss) und Hoeneß (Präsident). Das hatte viele Vorteile. Und davon ist Bayern Anfang 2020 weit entfernt.

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